Unglaublich aber wahr: Die Achtziger sind wieder da und sie haben sämtliche Klischees im Gepäck!

Man sollte es nicht für möglich halten: Ubisoft kündigt ein Spiel an, das die kühnsten Träume aller Videospieler erfüllen könnte und alle halten es für einen Aprilscherz. Der Trailer versprach einen wilden Ritt in Form eines Science-Fiction-B-Movies der Hochphase der Oneliner.

Ich selbst konnte nicht glauben, dass die Ubis ihren Plan tatsächlich in die Tat umsetzen sollten, bis ich selbst die Hülle mit dem neofarbenen Airbrushmotiv in den Händen hielt. „Far Cry 3: Blood Dragon“ heißt das Schätzchen und ist per sofort für PC, PSN und XBLA verfügbar. Doch ist es so trashig-fruchtig im Geschmack, wie es die Ankündigung im Vorfeld versprach?

Suit up!

Zunächst sei gesagt: Die PC-Retail-Fassung (also das Ding mit DVD und Hülle) kommt mit (Achtung!) Poster und Soundtrack-CD. Ich mach mich voll – Wie geil ist das denn bitte? Habe das Poster auch direkt nach der Entnahme mit Tesafilm an meiner Wand verewigt. Wie damals. Im violetten Trainingsanzug. Während der Topgun-OST lief.

Aber jetzt mal endlich zum Spiel: Wieso eigentlich „Far Cry 3„? Brauch ich etwa die Vollversion um blahblahblah? Nope! Alles gut! Blood Dragon ist eine sogenannte „Standalone-Erweiterung“, was heißt, dass das Hauptspiel weder gekauft noch installiert sein muss. Auch dieser Umstand spiegelt den Geist der Achtziger unverblümt wider; Damals, als es noch keinen DLC-Wahn gab und alle naslang ein neuer Inhalt für ein bereits gekauftes Spiel erworben werden musste. Und für knappe 15 Euro Releasepreis kann man da echt keine Fresse haben.

Wir schreiben das Jahr 2007 – dies ist die Zukunft.

Pewpewpew!

Wir schreiben das Jahr 2007 – dies ist die Zukunft. Alleine die Tagline von Blood Dragon lässt mich in freudiger Erwartung auf und ab springen, bekommen wir hier doch eine Zukunftsvision präsentiert, die tatsächlich direkt aus einem 25 Jahre alten Trash-Streifen stammen könnte. Postapokalyptische Heldenepen, futuristisches Setting – Ein Traum in neon! Auch das Spielintro ringt mir bereits das ein oder andere Lächeln ab. Lediglich ca. ein Viertel des Bildschirms wird mit viel Magenta, schlechten Animationen und Amigagrafik befeuert, unterlegt mit einem lo-fi-Soundtrack à la Terminator (da-da-damda-dam!) – James Cameron approves this! Garniert wird die Einleitung mit den dümmsten Machosprüchen, die sich die findigen Autoren mit Sicherheit von irgendeiner Bahnhofsklowand abgeschrieben haben. Aber das ist genau der Charme, den Blood Dragon vermitteln möchte. Mit Erfolg, zieht sich die pute Maskulinität doch vom Start bis zum Abspann durch.

Wakey-wakey, motherfucker!

Sgt. Rex Power Colt

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Sgt. Rex Power Colt. An dieser Stelle muss ich eigentlich schon gar nicht weiterschreiben, denn jeder weiß, worauf das hier hinausläuft. Ein Cyborg, der sich durch eine von einem nuklearen Krieg zerstörte Erde kämpft und dabei kein Klischee und keinen dummen Oneliner ungenutzt lässt? Klingt nach dem perfekten Spiel. Das wäre auch durchaus der Fall, würde das Konzept nicht nur zum Teil konsequent durchgezogen werden. Zwar sprühen die Zwischensequenzen nur so vor Witz und Testosteron, das Spiel selbst, ob seiner genialen Optik (die zwar zum Teil etwas unbeabsichtigt billig wirkt) hat leider seine Längen, da das Hypelevel nicht durchgehend aufrecht erhalten werden kann und zu viele Ideen bereits zum Beginn auf einmal rausgefeuert werden.

Zudem wirkt Blood Dragon zum Teil wie eine Mod für das Hauptspiel, Far Cry 3 – was es letztlich wahrscheinlich auch fast „nur“ ist. Sämtliche Mechaniken wurden 1:1 übernommen, selbst die Karte hat anscheinend lediglich einen pinkfarbenen Anstrich bekommen. Das tut der ganzen Sache aber keinen Abbruch, denn der Ton macht hier die Musik, und der ist ungewohnt unflätig.

Man darf Ubisoft nur zu diesem mutigen Schritt gratulieren und den Kopf schütteln ob des Unverständnisses, das zum Teil in der Community um sich greift. Aber meines Erachtens ist Blood Dragon genau das, was die Spielebranche momentan braucht. Es ist zwar nicht die Neuerfindung des Rades, aber ein Spiel, das voller Witz und „Eiern“ ist, etwas, was heutzutage nach dem dreihundertsten Shooterableger oder Fußballspiel dringend von Nöten ist. Mittelfinger, Schimpfworte und Laser-Dinosaurier inmitten von Explosionen und einem hervorragenden Soundtrack. Drei Daumen nach oben!

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Far Cry 3 – Blood Dragon was last modified: Mai 7th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.