Ich habe ja schon viel über den Muiltiplayer-Kracher von 2K Games geschrieben. Unter anderem könnt ihr hier über meine Evolve-Entjungferung, an der auch der mittlerweile mittel bis gar nicht mehr erfolgreiche Lodenbarde Martin Kesici nicht ganz unbeteiligt war. Ein klares Zeichen dafür, dass das Team aus möglichst fähigen Mitspielern bestehen sollte. Denn der Kampf ist knallhart: Vier Spieler jagen einen übermächtigen fünften Spieler, der in der Haut eines Monsters steckt. Klingt vielleicht unfair, hat aber seine Tücken. Sonst hätte ich ja wohl kaum verloren.

Shear ist ein Planet voller Gefahren – Sowohl Flora als auch die hiesige Fauna sind saugefährlich. Überall tummeln sich merkwürdige Lebewesen und fleischfressende Pflanzen. Vier Jäger werden auf diesen Planeten entsandt, um dort die Bedrohung, die von einem Monster ausgeht, zu beseitigen. Dabei sind alle Mittel erlaubt: Gewehre, Flammenwerfer, Granaten und viele, viele innovative Gimmicks, die die Jagd auf den übermächtigen Gegner erleichtern. Doch egal, wie viele Gadgets die Jäger in ihren Taschen haben, der Kampf wird knallhart, selbst wenn Evolve das Prinzip „Alle gegen Einen“ perfektioniert. Eine Gameplay-Idee, die in diesem Ausmaß bisher noch nicht den Weg in die Triple-A-Riege finden konnte, wahrscheinlich, weil es einfach an Ideen und Balancing fehlte, um daraus ein wirklich spaßiges Teil zu machen.

Seit Jahren tüfteln die Jungs und Mädels von Turtle Rock Studios nun an ihrem Baby, in der Hoffnung, dass das Ding Anklang findet. Dass der Release Anfang Februar ein Erfolg werden würde, daran hat seit der Auszeichnung „Best of Show“ der letztjährigen Gamescom niemand mehr gezweifelt. Als 2K dann kurz vor Veröffentlichung die DLC-Politik des Titels publik machte, war das Geschrei – wieder einmal – groß. Die Spieler können neue Skins für ihre Jäger und / oder Monster kaufen. Die Reaktionen ob dieses F2P-Modell-Relikts aus THQ-Zeiten lassen darauf schließen, dass die Spieler gezwungen werden, zusätzlich zum Releasepreis ihr Geld in zusätzlichen Content in das Spiel zu investieren. Bei solchem Inhalt kann ich persönlich allerdings nur mit den Schultern zucken – Brauche ich nicht. Skins sind so ziemlich das Unnötigste, was Firmen ihren spielenden Kunden anbieten können. Ob das jetzt CS:GO, Evolve oder LoL ist. Ob das jetzt Not tut, dass zusätzliche Jäger und Monster ab Veröffentlichung im digitalen Ladenregal stehen, darüber lässt sich streiten. Grundsätzlich vertraue ich – besonders bei 2K – darauf, dass das Spiel in seiner rudimentärsten Grundform spielbar und spaßig ist. Im Gegensatz zur Konkurrenz nämlich, wurde ich hier vom Publisher nie wirklich enttäuscht.

Und um das Ganze mal abzukürzen: Spaß macht das Ding. Und spielbar ist es auch. Allerdings innerhalb seiner eigenen Grenzen. Denn spielt man völlig alleine und verlässt sich auf die künstliche Intelligenz, die vom Computer gesteuerte Jäger und Monster injiziert bekommen, ist der Spaß limitiert. Eigenständig unternehmen die KI-Mitspieler nämlich gar nichts, außer, dem Spieler stupide hinterherzulaufen. Dass so bei einer Monsterhatz mitunter eine halbe Stunde vergehen kann, ohne dass man das Monster auch nur ein Mal vor die virtuelle Flinte bekommen hat, ist nicht nur frustrierend, sondern bestimmt auch irgendwie vermeidbar.

Umso mehr Freude kommt auf, wenn man ein kompetentes Team aus menschlichen Kameraden zusammentrommeln kann, die dann idealerweise auch noch per Kopfhörer und Mikrofon miteinander kommunizieren können. Dann hat man nicht nur anregende Gespräche auf dem Ohr, während man die Wildnis Shears erforscht, sondern kann auch umgehend reagieren, wenn das Ungetüm in Sichtweite kommt. Auch hier gilt: Wird das Monster von einem Menschen gesteuert, ist die Freude groß. Übernimmt nämlich der Computer das Steuer, wird wieder heftig am Schwierigkeitsgrad gedreht. Denn Versagen kennt die KI meist nicht. Von einem adaptiven Schwierigkeitsgrad schein jede Spur zu fehlen, was Abzüge beim allgemeinen Balancing gibt. Schade eigentlich, besonders, dass dieser Punkt so stark ins Auge sticht.

Leider ist der Spielverlauf trotz vieler Spielmodi fast immer gleich. Zwar versprechen die Macher im Evakuierungs-Modus rund 800.000 verschiedene mögliche Szenarien, die Unterschiede sind jedoch so marginal, dass die Auswirkungen der Modifikatoren kaum spürbar sind. Letztlich spielt man also immer das gleiche Spiel: Vier Jäger jagen ein Monster. Dass hier die Luft nicht so schnell draußen ist, wie man denken mag, liegt weniger an den Spielmodi als an den sehr unterschiedlichen Jägern. Drei Jäger pro Klasse – bei vier Klassen sind das also insgesamt 12 Jäger – lassen sich freispielen. Ihre Fähigkeiten sind so einzigartig wie die Charaktere selbst. Bis man sich allerdings zum Elite-Skin (jaja, das Thema „Skins“ wieder) einer Klasse vorgearbeitet hat, können viele Stunden Spielzeit ins Land ziehen. Wenn man sich aber auf die tollen Figuren einlässt und auch mal dem Assault oder dem Support und nicht immer nur dem Trapper oder dem Medic eine Chance gibt, verbessert das schnell den Umgang mit der eigenen, liebgewonnenen Klasse. Für euch getestet.

Kurzum: Besorgt euch drei zuverlässige Freunde, PlayStation Plus (oder Xbox Live Gold oder einfach nur Steam) und rockt das Ding. Denn nur mit Freunden macht Evolve Spaß, und zwar richtig viel. Für die Langzeitmotivation sorgen viele verschiedene Charaktere und die Genugtuung, einen fünften, unbekannten Spieler so richtig schön fertiggemacht zu haben.

Prädikat: Besonders Arr-some!

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Evolve was last modified: Februar 27th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.