Vergangenes Wochenende war es endlich soweit. Der Kracher, der fast sämtliche Preise der gamescom mit nach Hause nahm, stellte sich in Form einer ersten Alpha-Version erstmals der breiten Öffentlichkeit. Dabei stellt sich beim intensiveren Blick auf Evolve folgende Frage: Ist das alles?

273350_screenshots_2014-11-02_00007Das Prinzip ist genial: Ein durchdachtes Jagen eines Monsters über eine Karte, vier Jäger mit allesamt unterschiedlichen Fähigkeiten, jede Menge Feuer, Geballer und hübsche Landschaften. Dabei fällt auf, dass sehr viel Wert auf Teamplay gelegt wird – und das nicht nur im Kampf gegen den übermächtigen Goliath, sondern vor allem in der Punkteverteilung nach Beendigung des Matches, in der je nach Leistung Erfahrungspunkte vergeben werden. Jedoch: So aufregend die ersten Runden des Spiels auch scheinen, so eintönig und ewig gleich ist der Verlauf der folgenden Matches. Zwar versprechen uns die Entwickler neue Spielmodi, neue Monster und neue Karten, aber ist das genug, um den Spielspaß aufrecht zu erhalten?

273350_screenshots_2014-11-02_00001Turtle Rock, verantwortliches Studio unter der Fuchtel von 2K Games (die sich Anfang 2013 am THQ-Insolvenz-Grabbeltisch für 10,6 Millionen Dollar die Rechte am Shooter gesichert hatten) sollte eigentlich wissen, wie man den Spaß am tatsächlichen Spiel aufrecht erhält, tummeln sich doch ihre Left 4 Dead-Babies seit jeher immer mal wieder in den Top-Downloads der Steam-Spieler. Allerdings bekommt der geneigte Zombiejäger hier auch etwas wie eine Handlung und einen fortlaufenden Spielefluss dargeboten. Was Evolve bisher bietet, ist nicht mehr, als eine nette Idee, die zu stark von anderen Spielern und deren Fähigkeiten abhängig ist. Bringt das Monster nicht die ausreichenden Fähigkeiten mit, haben die Jäger ein zu leichtes Spiel und wenn nur ein Spieler seine Aufgabe nicht angemessen erledigt, ist das Spiel für die Gruppe ebenfalls verloren. Das sorgt zwar für ein gutes Gleichgewicht, durch die 4-1-Teilung der Teams steht das Balancing stets auf der Kippe. Die sehr starken und schwankenden Performanceprobleme der Engine waren zu erwarten und sind – abgesehen von dem Problem, dass der Mauszeiger während des Spiels ständig zu sehen war – nicht weiter erwähnenswert, immerhin spielt man ja dafür die Alpha.

Dabei war ein klares Gefälle im Willen zu erkennen, einen schlechten Spieler als Teil des zufällig zusammengewürfelten Teams anzuerkennen. War am ersten Tag der dreitägigen Alpha die Aufregung um die Möglichkeit, den im Februar erscheinenden Titel noch derart groß, dass sich wildfremde Menschen per Voice-Chat Nettigkeiten an den Kopf warfen, waren an Tag 3 bereits Beschimpfungen aus dem Standard-Repertoire eines Onlinespielers an der Tagesordnung. Die Dinge, die der Assault am Sonntagabend mit meiner Mutter gemacht haben möchte, kann und möchte ich hier nicht weiter ausführen.

Bleibt also abzuwarten, was Turtle Rock aus dem Potential des Titels bis zum Februar 2015 noch herauskitzelt. Besonders interessieren würden mich eine Backstory (Wo befinden wir uns und wieso jagen wir das Monster überhaupt? Und wer sind „wir“?) und vielleicht einen wirklichen Plot, der unter Umständen auch ohne die ständig erforderte Präsenz von vier weiteren Spielern erfahrbar ist. Eine gute Idee ist halt noch lange kein „gutes“ Spiel, also macht was draus!

 

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Evolve Big Alpha – Ist das alles? was last modified: November 3rd, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.