EVE: Valkyrie ist eines der Spiele, auf die ich wohl schon am längsten und sehnlichsten gewartet habe. Das, was Amis wohl als „Vomit Comet“ bezeichnen würden, kategorisiere ich in der Sektion „Kotzmühle“, denn EVE: Valkyrie ist ein Spiel für die PlayStation VR.

Einige Menschen haben ziemliche Probleme mit VR-Games. Übelkeit und Schwindel stehen hier ganz oben auf der Liste der beliebtesten Symptome von sogenannter Motion Sickness. Das ist völlig normal und bei manchen Spielen stärker spürbar als bei anderen. Und in meinem persönlichen Fall setzt mir EVE: Valkyrie ganz besonders zu.

Die Zylonen kommen!
Photo courtesy of Vince Trupsin

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Jeder, der eine Jugend hatte, kennt wohl Kampfstern Galactica. Nicht dieser neumodische Remake-Klimbim, sondern das Original aus den späten Siebzigern. Ihr wisst schon: Dirk Benedict, der im Raumjäger aus leuchtenden Röhren geschossen wird. Und genau so fühlt sich die Startsequenz in EVE: Valkyrie an, wenn man in seinem Raumjäger in die virtuelle Weltraumrealität geschossen wird und anfängt, die Laserkanone auf andere Spieler zu richten. Witzigerweise leiht Katee Sackhoff, die man aus dem Galactica-Reboot kennt, dem Spiel ihre Stimme. Ich glaube ja shcon lange nicht mehr an Zufälle!

Denn das ist grundsätzlich, worum es bei dem VR-Titel geht: Weltraumkrieg. Gegen andere. Im Herzen ist EVE: Valkyrie, das eigentlich nur als Oculus Rift-Techdemo gedacht war und seinerzeit noch EVE: VR hieß, ein Multiplayerspiel. Selbst der Start des Spiels ist ohne (PlayStation VR-Headset und) Internetverbindung unmöglich. Zwar beinhaltet das Spiel umfangreiche (und etwas langwierige) Tutorials und die Option, auf den leeren Space-Schlachfeldern Collectibles zu sammeln, allerdings macht das immer nur solange Spaß, bis der Abzugsfinger wieder nervöse Zuckungen bekommt und man wieder Kills sammeln möchte.

Die ersten drei bis vier Multiplayerspiele gestalten sich immer gleich, denn bis Level 5 ist der Spieler gezwungen, sich erstmal im Team-Deathmatch zu beweisen. Hier kämpfen acht gegen acht Spieler um die meisten Kills. Danach darf man in fortgeschrittenere Spielmodi eintauchen, die von ihrem Aufbau an die taktischeren Varianten der Star Wars Battlefront-Spielmodi erinnern. Ein Team durchläuft beispielsweise den immer gleichen Zyklus „Punkte einnehmen, Hauptziel angreifen, wiederholen“, während das andere versucht, genau das zu verhindern.

Körperlichkeit und Level-Ups

Das alles macht unerwartet viel Spaß, was allerdings nicht am Spiel selbst liegt, sondern an der unglaublich gut umgesetzten Körperlichkeit in der VR-Welt. Die oben beschriebene Abschusssequenz ist der perfekte Start für neue Spieler und erzeugt das ideale Einführungsfeeling. Die Trainingseinheiten, die allesamt etwas zu lang sind, geben einen guten Einblick in die Steuerung sowohl des Raumschiffs als auch der Bewaffnung. Der Fakt, dass man, anders als in vielen anderen VR-Spielen, ausnahmsweise einen virtuellen Körper hat, unterstreicht die Immersion durch die virtuelle Realität sogar noch weiter.

Durch Level-Ups kann der Spieler sein Raumschiff aufrüsten. Größtenteils sind diese Aufrüstungen optischer Natur und beinhalten Sticker und Lackierungen für die Weltraumboliden. Allerdings erhält man durchs Aufleveln auch Rohstoffe, mit denen dann Aufwertungen für Schild, Gesundheit und Waffen angefertigt werden können. Welche Rohstoffe man erhält, hängt davon ab, mit welchem Schiff man das Match bestreitet. Da gibt es schnelle Jäger, schwerfällige Zerstörer und Unterstützerschiffe, die das Spiel auf dem Papier etwas interessanter machen. Dies scheitert in der Realität aber leider daran, dass ein Team aus verschiedenen Klassen dann am besten funktioniert, wenn man sich abspricht; Als Turnierspiel mit eingespielten Teams stelle ich mir EVE: Valkyrie einfach nur hervorragend vor!

Übelkeit im Raumanzug

evevalkyrie1Der Transfer von der Mattscheibe in den dreidimensionalen Raum gelingt dem Entwicklerteam CCP Games perfekt. Das Umschauen und Hinterherblicken von feindlichen Jägern geschieht intuitiv und geht sofort ins Blut über. Leider vergisst man hier schnell, dass bestimmte Flugmanöver während der Weltraum-Dogfights Übelkeit hervorrufen können. Dazu gehören vor allem Barrel-Rolls (Schrauben) und exzessive horizontale Rotation, zumindest in meinem Fall. Das gleicht aber die hervorragend auf die Bedürfnisse der PlayStation VR angepasste Optik wieder aus. EVE:Valkyrie wurde ursprünglich für die Oculus Rift entwickelt und durch meinen PC-VR-Boykott (aufgrund der hohen Preise) war eines meiner Messehighlights die Bestätigung, dass der isländische Weltraumshooter auch für die Konsole erscheinen würde.

Leider ist die Kombination aus Inhalt und Preis nicht gänzlich in der Balance. Zum Zeitpunkt dieses Artikels kostet EVE: Valkyrie auf amazon 61 Euro. Für einen reinen Multiplayershooter mit relativ wenig Content ist das etwas viel. Hier wird offensichtlich noch das Releasefenster der neuen VR-Technik genutzt, um den Preis etwas höher zu halten. Wer das Spiel nicht unendlich lange spielen möchte und sich von Multiplayerspielen generell gerne fernhält, sollte erstmal die Demo auf der dem PSVR-Headset beigelegten Demo-Disc spielen oder auf einen Preissturz warten. Für Fans von grandioser Grafik, Weltraumballerei, VR-Kotzmühlen und Kampfstern Galactica zeige ich alle drei Daumen nach oben. EVE: Valkyrie ist definitiv in den Top 3 meiner PlayStation VR-Lieblingslaunchtitel.

Prädikat: Besonders Awesome!

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EVE: Valkyrie was last modified: Oktober 22nd, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.