Schon eine ganze Weile halte ich ein Auge auf Ubisofts erste VR-Versuche, die ich Eagle Flight ihre Manifestation gefunden haben (abgesehen vom Gratis-PSVR-Patch zu Trackmania Turbo). Als Gedankenspiel, wie die Welt von Assassin’s Creed Unity aus der Sicht des immer wieder auftauchenden Weißkopfseeadlers aussehen könnte, formte sich über die Jahre ein PlayStation VR-Titel, der stimmiger nicht sein könnte.

Mit der Stimmigkeit geht allerdings auch eine Monotonie einher. Man hat fast das Gefühl, als hätte Eagle Flight nie das Tech-Demo-Stadium verlassen denn grundsätzlich beschränkt sich der Aktionsradius des Spielers auf das Umherfliegen in einem virtuellen Paris der Zukunft. Der Mensch ist hier schon längst nicht mehr vertreten. Die Natur, wie man anhand der Zootiere, die in der Stadt umherstreifen sehen kann, hat die Führung über die französische Metropole übernommen. Menschen gibt es gar nicht mehr, was den Weg frei macht für die Vögel. Vom Prinzip her ist das nicht schlecht, in Maßen macht das Ganze auch unheimlichen Spaß, aber nach einer Weile traf ich auf den Punkt, an dem ich mich fragte, ob das nicht noch mehr kommt.

Die Demos, die ich bisher spielen durfte, waren rasant und kurzweilig. Hetzjagden durch enge Häuserschluchten mit fünf anderen Spielern. Die Runden waren kurz und knackig, die Geschwindigkeit des Spiels für einen VR-Titel fast unglaublich. In der echten Welt allerdings hatte ich Probleme, überhaupt fünf weitere Spieler für ein Match zusammenzukriegen. Trotz kompetent wirkenden Matchmakings war es innerhalb von zwei Tagen, an denen ich versucht habe, ein Onlinespiel zustande zu bekommen lediglich möglich, ein Vier-Spieler-Match zu starten. Dies war natürlich äußerst einseitig und machte unterm Strich alles andere als Spaß.

Normalerweise ist der Mehrspielermodus nämlich wirklich äußerst aufregend. Hohe Geschwindigkeiten, taktische Herangehensweisen, Teamplay, in einem simplen „Fang den Hasen und bringe ihn zum Netz„-Spiel zum Beispiel. Hier werden nämlich die offensiven Fähigkeiten der Vögel freigeschaltet: Der Schrei, mit dem feindliche Spieler abgeschossen werden können und der Schutzschild, der eine Weile vor feindlichen Geschossen schützt. Schade, dass die Spielerschaft durch die VR-Limitierung und den vergleichsweise hohen Preis von 39 Euro für die Retail-Fassung abgeschreckt quantitativ etwas dezimiert wirkt.

Dabei ist Eagle Flight abgesehen von seinem fehlenden Abwechslungsreichtum ein grandios konzipiertes Spiel und entgegen der anzunehmenden Probleme in Puncto Höhe eines der sanftesten und einsteigerfreundlichsten PSVR-Games da draußen. Dies wird dadurch erreicht, dass das Sichtfeld des Spielers stets etwas eingeschränkt wird. Somit wird die Aufmerksamkeit auf bestimmte Bildbereiche gelenkt und Motion Sickness vermieden. Gerade in schnellen Situationen, in scharfen Kurven und engen Tunneln fällt dies auf. Dies ist eine geniale Art, dem Spieler das Spielen zu vereinfachen. Eagle Flight ist das erste VR-Game, bei dem mir dieses Mittel positiv aufgefallen ist, ich bin sogar unsicher, ob andere Entwickler diese Möglichkeit bisher in Betracht gezogen haben.

Im Einzelspielermodus das gleiche Spiel: Herumfliegen. Dabei tritt das Ubisoft-typische Dilemma des Collectible-Sammelns auf. Federn, wie man sie bereits in Assassin’s Creed hasste, sind überall in der Stadt verteilt, in der man sich frei bewegen oder Zeitrennen fliegen kann. Dabei wird eine sehr esoterisch angehauchte Geschichte erzählt, die allerdings nicht besonders viel Gehalt hat.

Trotz der Komplexität der Levelgeometrie läuft Eagle Flight an keiner Stelle am unteren Rand der erträglichen Framerate. Dies geschah wahrscheinlich zum Nachteil der Größe der Stadt, in der man sich extrem eingeengt fühlt. Man erkennt vom Weitem deutlich die Grenzen von Paris, denn ab hier wird die Großstadt zu einer großen grünen Matschtextur. Das ist schade, denn wenn man die Stadt selbst etwas entzerrt hätte, hätte man mit Sicherheit das Stadtgebiet selbst vergrößern können und dennoch das kurvenreiche Tunnelsystem unter der Erde beibehalten können.

Es ist wirklich schade, dass so ein vielversprechender Titel weder die Aufmerksamkeit noch den spielerischen Umfang erhält, den es verdient hätte. Die Entwickler, mit denen ich im Rahmen der Ubisoft Fantastic XMas Tour 2016 sprechen durfte, waren nämlich mit Herzblut bei der Sache und präsentierten den Titel voller Freude. Da stelle ich mir die Frage, welche Zukunft wenige populäre Spiele haben, deren Multiplayer-Teil einen derart wichtigen Aspekt des Titels ausmacht. Ich denke voller Schrecken daran, wie wenig spielbar das Spiel in zwei Monaten sein wird. Vielleicht braucht Eagle Flight nur ein wenig um anzulaufen, zu wünschen wäre es zumindest. Die tolle Grafik, die Einsteigerfreundlichkeit und das flotte Gameplay sind nämlich zu schade, um nicht viel Zeit damit zu verbringen. Ich empfehle das Spiel mit einigen Einschränkungen. Wäre die PSVR-Community etwas aktiver und hätte ihr finanzielles Pulver nicht bereits zu Release verschossen, wäre Eagle Flight wahrscheinlich um einiges spielbarer.

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Eagle Flight was last modified: November 17th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.