Conor McGregor ist sicher nicht vielen von euch ein Begriff. Nein, das ist nicht der Kerl, der in Star Wars mitgespielt hat, das ist Ewan McGregor und der hat nicht besonders viel mit dem tätowierten Kampfsportler zu tun, der auf dem Titel des jüngst erschienenen EA Sports UFC 2 prangt. Wer Conor McGregor kennt, der ist entweder Freund von MMA (Mixed Martial Arts) oder hat neulich das Clueless Gamer-Video von Conan O’Brien gesehen, in dem der schmächtige Moderator mit McGregor um die Wette prügelt. Und wer dieses Video geschaut hat, der weiß auch in etwa, was ihn erwartet, wenn er UFC2 in die heimische Konsole wirft.

 


 

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Florian Merz beim Training

Doch bevor ich zum Spiel selbst komme, würde ich gerne klären, was UFC bzw MMA überhaupt ist. Als jemand, der sportlich in etwa so tätig ist, wie eine Scheibe Knäckebrot, habe ich natürlich überhaupt keine Ahnung davon. Und wen könnte man besser dazu befragen, als jemanden, der tatsächlich gerne mal ins Octagon steigt? Florian Merz, im wahren Leben PR-Manager aus München (frisch nach Berlin gezogen), schwingt in seiner Freizeit die Fäuste und trainiert Mixed Martial Arts.

arrcade.de: Florian, was ist MMA überhaupt? Und welche Martial Arts (Kampfsportarten) werden hier vermischt?

Florian: Nun, da muss man ein wenig zurück gehen. Früher war MMA eine Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten. Du hast Einflüsse von Judo, Kickboxen, Muay Thai und vielen anderen Arten des „Vollkontaktsports“. Mittlerweile hat sich das ganze aber zu einem eigenen Kampfsport entwickelt, der die unterschiedlichen Aspekte vereint. Dennoch trainieren die meisten MMA-KämpferInnen noch andere Sportarten wie BJJ oder Boxen separate.

arrcade.de: Das heißt, ich darf nicht einfach draufhauen wie ich will, sondern muss mich an gewisse Regeln halten?

Florian: Das ist auch nicht ganz richtig. Auch wenn MMA als allgemein härteste Variante der Kampfsportarten gilt, so gibt es einige gewisse Regeln, die zudem von Verband zu Verband variieren. Beispielsweise dürfen bei einer Veranstaltung keine Ellenbogenschläge zum Einsatz kommen, während es bei einer anderen dennoch erlaubt ist. Allgemein hin gilt aber, dass Schläge auf den Hinterkopf und die Wirbelsäule alles andere als cool sind… Und, ja, auch nicht erlaubt sind – stellenweise.

arrcade.de: Wie bist du darauf gekommen, mit MMA anzufangen? Um auszuteilen oder um einzustecken? Oder ein ganz anderer Grund?

Florian: Tatsächlich bin ich vom Wrestling dazu gekommen. Dort, oder zumindest bei der WWE, ist Brock Lesnar unter Vertrag. Dieser war früher Kämpfer der UFC, dem wohl größten und bekanntesten MMA-Verband. Und dann habe ich mir ein paar alte Kämpfe angesehen. Fand das sehr interessant. Kurzerhand habe ich mal geschaut, wo es in München eine Möglichkeit zum Trainieren gab und habe mich dort dann angemeldet. Meine drei Beweggründe sind drei Dinge: 1. Die Grenzen des eigenen Körpers kennen zu lernen 2. Berührungsängste zu verlieren und 3. Selbstbewusstsein zu stärken.

arrcade.de: Angenommen, ich Couchkartoffel würde mich für MMA interessieren: Wo und wie fange ich am besten damit an? Brauche ich irgendetwas dafür?

Florian: Also in München kann ich dir wärmstens Munich MMA ans Herz legen. Dort, und vermutlich auch bei jeder anderen Schule, bekommst du die ersten Grundlagen Stück für Stück beigebracht. Und alles, was du für ein Probetraining benötigst sind eine kurze Hose, ein T-Shirt und eine Portion Neugier. Alles andere wie Mouth Guard (Mundschutz), Handschuhe, Beinschützer, Rash Guard und Co. kannst du, wenn es dich denn interessiert, einfach später zulegen.


 

Puh, das klingt anstrengend. Alleine der Gedanke daran bringt mich ins Schwitzen, weswegen ich mir meinen Controller schnappe und das Ganze erstmal virtuell am Bildschirm teste. Aber auch hier werde ich gefordert, denn UFC 2 versucht, den Kampfsport möglichst originalgetreu nachzubilden. Nicht nur grafisch, sondern auch in Sachen Gameplay bringt der Titel einiges auf die Waage.

Ich starte ein einfaches Match um zu schauen, wie sich das Ding spielt. Ich lerne hier am lebenden Objekt, denn immer wieder ploppen Tipps auf, wie ich in der momentanen Situation reagieren könnte. Ich muss ausweichen, blocken, hoch oder tief schlagen (und treten), kann meinen Gegner greifen und so weiter. Die Ausführung der einzelnen Moves erinnert fast an ein Beat-Em-Up (z.B. Street Fighter oder Mortal Kombat), sobald es dann aber in die Abteilung „Griffe“ geht, wandelt sich das Spiel in Richtung WWE2K. Viele verschiedene Herangehensweisen und Ausgangslagen lassen mich meinen Gegner am Boden halten, herumwirbeln oder anderweitig verknoten.

Das macht merkwürdigerweise unglaublichen Spaß, hätte ich nicht erwartet. Dazu trägt auch das außerordentlich hübsche Erscheinungsbild bei. Wenn man die Augen etwas zusammenkneift, kann man in manchen Momenten fast denken, dass man wirklich echten Menschen dabei zusieht, wie sie sich die Gesichter zu Muß hauen. Denn auch das ist eine der Stärken von UFC 2: Wenn ich meinem Gegner zusetze, sieht er spätestens in Runde zwei aus wie ein matschiger Haufen Erdbeeren. Blut spritzt, Augen schwillen an… das ist fast schon eklig (aber trotzdem cool).

Die Zeitlupen, die zwischen den Runden etwas zu sehr abgefeiert werden, offenbaren aber doch die ein oder andere Schwäche des Sportspiels, ähnlich, wie es bei FIFA auch der Fall ist. Hier erkennt man, dass die Kollisionen nicht wirklich korrekt berechnet werden und die Spielfiguren ab und zu ziemlich rumspacken und fehlerhaft am Gegner hängenbleiben. Grund genug, die zeitfressenden Sequenzen zu überspringen.

Die Kommentatoren sind – wie es deutsche Tradition zu sein scheint – mal wieder unendlich grottig. Zwar wird niemals irgendjemand an das Negativniveau herankommen, wie es Harris und Sido (ja, genau) in FIFA Street (2005) geschafft haben. Das war wirklich der nervigste, inkompetenteste Haufen Sprachmüll, der jemals aus einer Xbox gepurzelt ist.

Dafür überzeugt UFC 2 in der Vielfalt der Spielmodi umso mehr. Der Ultimate-Modus, in dem wir einen selbst erstellten Kämpfer ins Oktagon schicken, ihn mit neuen Moves ausrüsten und seine Stats verbessern können, steht hierbei im Mittelpunkt. Das kennen wir von FIFA, von NHL und von so ziemlich fast allem anderen, was Electronic Arts an Sportspielen auf den Markt feuert. Dies ist zwar alles sehr umfangreich gestaltet, wird durch seine Unübersichtlichkeit und die komplizierte Bedienung aber zum Schwachpunkt. Immerhin kann man mit Mike Tyson spielen, ein Move zum Abbeißen des Gegnerohres fehlt aber leider.

Man muss sich schon ein wenig reinfuchsen, um in UFC 2 eine gute Figur zu machen, deswegen ist der Titel leider nichts, um gegen Neueinsteiger auf der heimischen Couch zu kämpfen, anders, als das in Beat-Em-Ups der Fall ist, wo ja bekanntlich Neulinge durch wildes Drücken bestimmter Knöpfe oft sehr hohe Chancen auf einen Sieg haben. Wer viel alleine spielt und kein Problem mit brutalem Realismus hat, bekommt hier eine ausgewogene Mischung aus Taktik, Action und Geschicklichkeitsspiel, hübsch verpackt in einem EA-Sports-Titel. Ich jedenfalls ziehe die virtuelle Variante ob meiner extremen Faulheit dem Realsport vor.

Fragen an Florian Merz könnt ihr ihm auf Twitter stellen.

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EA Sports UFC 2 was last modified: April 11th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.