Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass 2016 ein neues DOOM nicht nur in Deutschland verkauft werden darf, sondern auf noch meterhoch auf Plakaten und Bildschirmen beworben werden würde, hätte ich ihn für verrückt gehalten. Nun laufe ich durch meine Heimatstadt und erinnere mich an die Releasewoche des neuen DOOM, denke an die großen Plakate und Bildschirme, die eben jenes Erscheinen ankündigen und muss schmunzeln. Nicht, weil DOOM im Zuge einer Komplettentrümpelung vollkommen seinen Reiz verloren hat und zur Lächerlichkeit mutiert ist. Vielmehr, weil ich mich freue. Denn das neue DOOM, das vollkommen undiplomatisch einfach wirklich nur „DOOM“ heißt, ist der absolute Wahnsinn.

Dabei behält der Titel auch im Reboot seinen gewohnten Charme. Grundsätzlich ist DOOM wie Heavy Metal; Auf der einen Seite unglaublich brutal und blutdurstig, auf der anderen Seite unheimlich albern und übertrieben. So scheint man auf einem unsichtbaren Skateboard durch blutverschmierte Gänge zu schweben und ballert alles, was auch nur annähernd nach Dämon aussieht, zu rotem Brei, während aus den Boxen minimalistischer Industrial Metal läuft. Herrlich! Fast wie damals!

Denn bereits 1993 konnte id Software, damals noch unter der Leitung von Branchenikone John Carmack (und John Romero), einen echten Brecher landen, der auch umgehend auf dem deutschen Index landete. Erst 2011 hat die BPjS den Titel von besagter Liste genommen, dann aber auch konsequenterweise ab 16 freigegeben. Ich bin froh, dass sich die Prüfstelle bei der 2016er Fassung (genau wie bei Mortal Kombat… wow!) zurückgenommen hat und das Teil nicht (ich wiederhole: NICHT!) auf dem Index hat landen lassen. Zwar ist der neue Teil ab 18, allerdings ist das auch ganz gut so. Denn es geht ziemlich heftig zur Sache.

Zum Großteil nämlich sollte man, während man sich durch die Forschungseinrichtungen auf dem Mars oder durch die Hölle selbst ballert, immer darauf achten, möglichst viel Schaden in möglichst kurzer Zeit zu verursachen. Denn je weiter man im Spiel fortschreitet, umso mehr Gegner spawnen auf dem Bildschirm. Am effektivsten ist es also, so nah es geht an die feindlichen Dämomen heranzukommen und den Abzug zu drücken. Sofern sie nicht sofort in kleine Stückchen zerspratzen, hat der Spieler die Möglichkeit, die sogenannten „Glory Kills“ auszuführen. Das sind eine Art Spezial-Takedowns, die eine noch brutalere Animation des Dämonenschlachtens zeigen. Da werden Gliedmaßen abgerissen, Köpfe zertreten… Eklig-toll!

Wem die Munition ausgeht (was durchaus mal passieren kann), der kann (ACHTUNG!) die Kettensäge auspacken. Jawohl, der Klassiker von 1993 ist auch wieder mit von der Partie! Und zwar noch ein Stückchen übertriebener, als ich es erwartet hätte. So werden Gegner, die das ratternde Gerät abbekommen, tatsächlich zersägt! Und zwar mit allem Schischi, Gedärm, und Blut! Wow. Ich höre mich selbst noch „Ha, cool!“ sagen, dann ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Dafür ist der virtuelle Boden übersät mit Munition, so dass ich schnell wieder weiterballern kann. Tolles Konzept!

Man merkt schon, dass DOOM an keiner Stelle weichgespült wurde. Weder in der exzessiven grafischen Darstellung von Gewalt, im Schwierigkeitsgrad und erst recht nicht in der Wegführung durch die einzelnen Level. Denn grundsätzlich bekommt der Spieler nur ein Ziel vorgegeben (beispielsweise: „Öffne diese Tür“) – wie er das anstellen soll, wird nicht verraten. So müssen (ganz oldschool) Schlüsselkarten gefunden, kleinere Rätsel gelöst und zum Teil etwas ausufernde Sprungpassagen überwunden werden. Großartig! Dazu gesellen sich unzählige Geheimobjekte und Upgrades, die überall in den nonlinear gestalteten Leveln versteckt sind. So was mag ich ja (auch wenn ich nie alles finde).

Wenn man sich den Gameplay-Trailer von DOOM ansieht, ist man unter Umständen etwas entsetzt darüber, dass dieser zu sehr zusammengeschnitten wirkt. Ist er auch, keine Frage. Aber was da passiert, dieses Hin- und Herspringen zwischen Gegnern, der Wechsel aus zerreißen und zerschießen – das findet alles tatsächlich so im Spiel statt. Auf der PlayStation 4 (hierauf lief auch der Test) sogar mit 60 Frames pro Sekunde (und ich konnte per Augenmaß keine Einbrüche feststellen).

Kurz gesagt: DOOM ist verdammt cool. Kein Gruselschockershooter-Dingsi wie Doom 3, vielmehr eine aufgebohrtes Doom (respektive Doom 2) auf Speed. Viel Action, viel Blut, gute Musik und eine Story, die man absolut in die Tonne treten kann. Absolut zucker!

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DOOM was last modified: Mai 31st, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.