Oh nein, die Disneywelt ist in Gefahr! Ein böser Virus hat das System übernommen und treibt nun Schabernack. Aber keine Angst, Hilfe naht!

Disneys hauseigene Lizenzspiele – da wird oft jede abgelutschte Gurke wieder aus der Versenkung geholt und ein Spiel drumrum gehobelt. Und wenn das nicht mehr reicht, dann müssen eben (fast) sämtliche Disney-Franchises der Geschichte auf einmal dran glauben.

Aber erstmal eine passable Story gestrickt: Das Disney-Universum ist in Gefahr, denn der böse Hex, ein Computervirus hat sich reingehackt und alle Wächter auf „böse“ umprogrammiert. Was liegt da näher, als in Kostüme von mehr oder weniger bekannten Disney-Charakteren und schlüpfen und alles zu Klump zu hauen? Richtig. Nix.

Give me all your goooold!

Hauptmenü. Ich werde mit Kindertechno und unmotivierten Erklärungen begrüßt. Schnell weg hier, denn hoffentlich ändert sich die Hintergrundmusik im eigentlichen Spiel. Die Auswahl der Spielwelt stellt mich vor eine schwierige Entscheidung – nehme ich die Fluch der Karibik-Welt oder doch lieber die Fluch der Karibik-Welt? Zum Freischalten der anderen Welten muss man im Spiel erstmal Coins sammeln. Womit wir bei der Essenz des Spiels wären: Sammeln, sammeln, sammeln.

Die Lego-Games machen’s vor, Disney Universe macht’s nach. So wählen wir einen weniger bekannten/beliebten Charakter, denn die tollen Sachen werden erst spät im Spiel freigespielt, und landen in einer austauschbaren Piratenwelt. Die direkte Verbindung zu den berühmten Hollywoodfilmen kann ich nicht direkt erkennen, ist aber auch egal, denn schon stürmen die ersten Gegner auf mich zu. Mit meinem überdimensionalen Knüppel verdresche ich die Schergen und sammle deren Hinterlassenschaften (-> Coins) auf, die meinem Konto gutgeschrieben werden, während im Hintergrund der gleiche generische Hauptmenü-Kindertechno unmotiviert vor sich hin säuselt.

Coins sammeln, Gegner zerkloppen, Kanone bauen, damit rumballern, wieder Coins sammeln, rumhüpfen.

Die Aufgaben in den einzelnen Leveln gestalten sich als relativ anspruchslos: Coins sammeln, Gegner zerkloppen, Kanone bauen, damit rumballern, wieder Coins sammeln, rumhüpfen. Das ist, obwohl für eine jüngere Zielgruppe gedacht, leider viel zu hirnlos und einfach gestaltet und wiederholt sich mit jedem neuen Level aufs Neue.

Das Disney-4-Spieler-Massaker

Spätestens wenn mehr als ein Spieler auf dem Spielfeld rumwuselt artet Disney Universe in ungeahnter Weise aus. Wo vorher noch mit einer Spur Bedächtigkeit vorgegangen wurde, tobt jetzt ein wildes Button-Mashing-Pandemonium, da niemand mehr weiß, wer eigentlich wer ist. Friendly Fire ist natürlich unausweichlich, was viele Tode des Spielpartners mit sich bringt. Das ist natürlich ärgerlich, wenn man möglichst reibungslos durch den Level spurten will.

Auf der anderen Seite kann das auch witzig werden: Mitspieler verkloppen, rumwerfen, Power-Ups klauen… Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos und werden vom bösen Hex auch empfohlen. Auf die Dauer ist dies aber eher kontraproduktiv wenn nicht der Boss, sondern die eigene Freundin niedergedrescht wird. Das gibt hinterher noch Ärger!

Ich verkleide mich als Pirat! Oder Cowboy! Oder Indianer!

Die Kostüme, in die der Spieler schlüpfen sind Mannigfaltig und aus allen möglichen Disney-Filmen stibitzt – Simba, Aladdin, Jack Sparrow… insgesamt 45 Verkleidungen können freigespielt werden, die sich aber, und das wundert mich schon sehr, spieltechnisch nicht voneinander unterscheiden. Springen, Laufen, Schlagen – Keine Unterschiede in Animationen, Stärke, Spezialfähigkeiten… Schade, denn hier wäre viel Potential gewesen, ähnlich einem LEGO-Spiel. Zwar können die Charaktere im Spielverlauf verstärkt werden, aber außer einem neuen Waffenmodell und höherer Schadenswirkung passiert hier nicht viel, und diese Verbesserung ist kostümgebunden.

Grafisch kommt Disney Universe unspektakulär daher. Zwar blinkt und blitzt es an jeder Ecke, der allgemeine Eindruck ist allerdings sehr flach und eintönig. Die Animationen sind nett, entfalten ihre Wirkung aber erst bei genauerer Betrachtung. Die Kamera zickt gerne rum und lässt den Spieler in Abgründe laufen, weil der gewünschte und erforderliche Schwenk nicht erfolgt. Der Overload an unnötigen grafischen Effekten und sonstigem Gewusel verwehrt zu oft den Blick auf die Spielfigur – paff! Tot!

FAZIT

Zu viel verspieltes Potential, zu wenig eigene Ideen. Mit den Lego-Games als großes Vorbild und trotzdem nichts halbes und nichts ganzes. Wenn man schon altbekannte Spielprinzipien kopiert, dann auch bitte richtig. Selbst marginale Unterschiede in Charaktereigenschaften um verschiedene Bereiche des Spiels freispielen zu können, abwechslungsreichere Aufgaben und besser versteckte Specials hätten dem Spiel gutgetan. So ist die Auswahl der Spielfigur dem eigenen Gutdünken überlassen und lässt diesen eigentlich einzigartigen Faktor überflüssig erscheinen. Den Kindertechno hat der Teufel auf die Erde geschickt – am besten die Musik im Menü komplett deaktivieren!

Trotzdem kommt stellenweise so etwas wie „Spaß“ auf. Auch wenn alles sehr eintönig und austauschbar wirkt, spielt sich Disney Universe flüssig und offenbart nur wenige Bugs (in Form von Clipping und Kameraschwenks).

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Disney Universe was last modified: Dezember 5th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.