Uuuuund wieder eine Neuverfilmung der bekanntesten Mantel-und-Degen-Litanei. Hochkarätige Schauspieler und 3D-Effekte sollen Actionfans in die Lichtspielhäuser der Welt locken. En Garde!

Die mittlerweile 19. Adaption des 1843 erschienenen Romans Dumas bringt einen wirklich guten Cast mit sich: Milla „Killernippel“ Jovovich, Orlando Bloom, Christoph Waltz und Mads Mikkelsen geben sich 1. die Ehre und 2. ihrer Karriere einen Tritt in die Eier. Regisseur Paul W.S. Anderson zeigt, wie gekonnt man 75 Millionen US-Dollar in den Sand setzen kann. Aber mal von Anfang an…

Luftschiffe? Check.

Frankreich, Sechzehnhunderthabichvergessen: Der französische König Louis XIII ist ein Idiot. Der Kardinal (Christoph Waltz) nicht, weswegen selbiger dem König fiese Fallen stellt um an dessen Thron zu gelangen. Dabei hilft ihm eine ambivalente Doppelagentin (Milla Jovovich), die auch schon die drei Musketiere (allesamt Idioten) fein in die Pfanne gehauen hat. Währenddessen gelangt der junge D’Artagnan, ein großmäuliger Teenager (und ein Idiot), nach Paris, um ein Musketier zu werden. Er trifft dort auf die drei geneppten Senior-Musketiere und… naja… das war’s schon. Die Musketier-Clique hilft dem König, nicht vom Thron gestoßen zu werden und legt dabei England und Frankreich in Schutt und Asche. Was dabei klingt wie Degen, die durch die Luft fliegen, ist eigentlich Alexandre Dumas, der im Grab rotiert ob der unterirdisch verhunzten Adaption seines Romans.

Billig-Effekte? Check.

Als würden die Akteure ahnen, dass dieser Streifen eine ganz üble Gurke werden wird, mimen sie merklich unmotiviert die ihnen zugewiesenen Rollen. Mit Dialogen auf Lindenstraßenniveau und wider aller physikalischen Gesetze fechten sich die Musketiere durch eine Steampunk-ähnliche Welt, die eine misslungene Mischung aus Indiana Jones und Fluch der Karibik zu sein scheint. Luftschiffe (nicht eins, nicht zwei, sondern eine ganze Flotte von Luftschiffen!), Geheimgänge mit tödlichen Fallen und akrobatische Kampfeinlagen in Superzeitlupe zerren an den Nerven des Zuschauers wie ein 4-Jähriger am elterlichen Hosenbein beim Gang durch die Süßwarenabteilung.

Man hat fast den Eindruck, als wäre das gesamte Konzept einzig darauf ausgelegt, möglichst jede denkbare Zielgruppe anzusprechen. Den Actionfreund, die Romantikliebhaberin und den dicken Kerl in Reihe 10, der so hysterisch über jeden noch so flachen Witz lacht, dass man Angst haben muss, bald den Notarzt ins Lichtspielhaus bestellen zu müssen. Leider kratzt der Streifen nicht einmal an der Grenze zur Mittelmäßigkeit. Kopfschüttelnd verlässt der Zuschauer nach 110 Minuten (während eines Take-That-Songs) das Kino und denkt noch lange darüber nach, warum er seine Zeit nicht in etwas Sinnvolles investiert hat – die Wand anstarren zum Beispiel.

Bösewichtlachen? Cheheheheck.

Dabei hätte alles so gut werden können: Regisseur Paul Andersons Bettpfosten zieren immerhin schon die Kerben von Mortal Kombat, Event Horizon und Resident Evil. Während schamlos bei Matrix und Mission Impossible  abgekupfert wird, dass sich die Balken biegen, scheint die Story lediglich der ach so tollen neuen 3D-Technik gefallen zu wollen. CGI-Luftschiffe, CGI-Degen und CGI-Bomben, die aus der Szenerie zu fliegen scheinen, während die Akteure unbeholfen durch die Bluescreen-Landschaft stolpern. Ist nicht genau diese technologische Anpassung, die 3D schon in der letzten Instanz (ja, die schicken buten Brillen von damals) den Todesstoß versetzt hat?

Lediglich die Kostüme sind herausragend gut – doch ein Kostümschinken, Gott sei Dank, wurde uns diesmal erspart. Ähnlich schnulzige und übertrieben voraussehbare Dialoge kriegen wir aber trotzdem geboten. Welch Freude!

Zusammengefasst: Alberner Pseudo-Actionflick mit unmotivierten Mimen, klaffenden Logiklücken und idiotischen Dialogen. Mir fehlen die Worte.

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Die drei Musketiere 3D was last modified: Februar 5th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.