Große Hollywood-Filme haben oft ein furchterregendes Anhängsel: „Das Spiel zum Film“, allesamt Lizenzwürste aus der Hölle mit nur einem Ziel: Dem Spieler unendliche Qualen zuzufügen. So auch der „Tim und Struppi“-Ableger?

Wer liebt das nicht? „Das Spiel zum Film“ – wenn ich so etwas höre, könnte ich schon aus Prinzip im geraden Strahl kotzen. Der Erfinder des „Spiel zum Film“ gehört eigentlich gevierteilt, standrechtlich erschossen und in der Hölle in alle Ewigkeit verdammt jedes einzelne dieser Spiele wieder und wieder durchzuspielen. Meist wird der Käufer nämlich mit Augenkrebs erregender Grafik und einem Spielspaß, der ähnlich viel Laune macht, wie eine Lebertransplantation ohne Betäubung, gequält. Und dafür soll man auch noch Geld bezahlen.

Ähnlich ängstlich trat ich dem Spiel zum Tim und Struppi-Film entgegen. Ja, richtig: ängstlich. Terroristen, Zombies und Superschurken – alles Kindergeburtstag im Vergleich zu Spielen, die der Teufel persönlich auf die Erde geschickt hat. Der Film war ja wirklich gut – dann mal ran an’s Spiel.

Das Geheimnis der Einhorn bietet dem Spieler drei Spielmodi, den Story-, Multiplayer- und Challengemodus. Das Menü verrät leider nicht, dass der Multiplayermodus „Tim und Haddock – Erlebe das Abenteuer mit Deinen Freunden“ eine Fülle an völlig neuen Levels im Vergleich zum Einzelspielermodus bereithält und auch alleine durchaus spielbar ist, aber dazu später mehr.

Wo wir hinfahren brauchen wir keine Story!

Wer sich auf das Einzelspielerspiel einlässt wird gleich zu Anfang mit erstaunlich hübscher Inszenierung und eingängiger Steuerung überrascht. Parallel zum Filmgeschehen findet Tim auf einem belgischen Flohmarkt das Modell eines Schiffes, das ein großes Geheimnis in sich trägt. Das war’s dann aber auch schon mit Gemeinsamkeiten zur Comicverfilmung. Paramount hat beim Storywriting penibelst darauf geachtet, dass auch Menschen, die das Spiel gespielt haben beim erstmaligen Anschauen des Hollywoodstreifens noch nicht alles wissen.

So haben wir im Spiel eine lediglich an die Originalgeschichte angelehnte Story, die immer mehr von der Vorlage abweicht. Das ist aber auch völlig nachvollziehbar und mit einem zustimmenden Kopfnicken von mir so freigegeben, denn auch das Abenteuer, das Tim, Struppi und Kapitän Haddock hier erleben verspricht Spannung und Action ohne Ende.

Über die wirklich hässliche Texturierung des Spiels und die zeitweise auftretenden heftigen Ruckler (vor allem während der Cutscenes) tröstet der Spielspaß in höchstem Maße hinweg. Der Großteil der Level ist in einem pseudo-zweidimensionalen Prince of Persia-Stil gehalten, die sich mit Third-Person-Verfolgungsjagden, Flugzeug- und Motorradleveln, Schwertkämpfen und wasweißich abwechseln.

So springt mal als Tim (und zeitweise auch als Struppi) durch die fordernde aber nie zu schwere Spielwelt und muss allerhand Rätsel lösen und Gegner besiegen. Das Interessante hierbei ist, dass niemand getötet wird. Genau wie im Film wird darauf geachtet, dass Schurken lediglich mit Sternchenkrone am Boden liegen bleiben.

Die Plattformspringerei inklusive Walljumps, Schleich-Action und Bosskämpfen macht dermaßen viel Spaß, dass man den Controller gar nicht mehr aus der Hand legen will. Für den Fall, dass Besuch kommt und man trotzdem spielen möchte, hat Ubisoft vorgesorgt…

Die Abenteuer von Spieler 1 und Spieler 2

Der Multiplayer-Modus – heutzutage ein unabdingbares Extra in jedem Game, ob nun per Internet oder in geselliger Runde vor dem heimischen Fernseher. DAvTuSDGdE (wow!) erlaubt es zwei Spielern lokal gleichzeitig auf dem Bildschirm rumzuhüpfen, und das in extra für dem Mehrspielermodus konzipierten Levels. Zwar wird sich hier ausschließlich auf Plattformhüpferei konzentriert, allerdings hat Ubisoft hier wieder tief in die Trickkiste gegriffen und die einzelnen Level mit allerhand Secrets und Freischaltbarem gespickt.

Nach und nach erspielt man sich so insgesamt 5 Charaktere mit unterschiedlichen Eigenschaften, die dem Spieler ermöglichen, sämtliche zu sammelnden Schätze aus früheren Spielwelten zu ergattern; der Wiederspielwert ist hier unschätzbar. Zudem erlaubt es die Ingame-Währung (Goldstücke, clever!), den Spielfiguren neue ‚Kostüme‘ zu kaufen, die effektiv allerdings keinen Nutzen haben, trotzdem mitunter einen weiteren Witzfaktor ins Spiel bringen. Großer Spaß!

Was gibt’s noch?

Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich in den speziellen Challenge-Levels so richtig austoben. Ob auf dem Motorrad, im Flugzeug oder mit dem Säbel gegen Piraten – je nach Leistung zockt man sich hier durch verschieden schwierige Herausforderungen, die dann mit Bronze, Silber oder Gold belohnt werden. Ist nichts allzu Aufregendes aber für Leute, die alle Ingame-Achievements sammeln wollen ein absolutes Muss.

Spieler, die ein Uplay-Konto ihr Eigen nennen können sich Ingame dort einloggen und können erworbene Punkte (für bestimmte Aktionen) für Gegenstände im Spiel einlösen. So gibt es beispielsweise neue Kostüme oder ein Theme für das Xbox360-Dashboard (der Download des Themes hat bei mir allerdings nicht funktioniert). Sehr, sehr coole Funktion, die auch für andere Ubisoft-Games zur Verfügung steht.

Soundeffekte und Sprecher sind durchweg sehr gut. Zwar haben wir es hier nicht mit dem Originalcast zu tun, der Ersatz ist aber mehr als zufriedenstellend. Der Soundtrack von John Williams wurde quasi direkt ins Spiel importiert, wiederholt sich auf Dauer aber ein wenig zu oft.

FAZIT

Alles im Allem überraschend gut – selten hat ein „Spiel zum Film“ so viel Spaß gemacht! Freunde des alten Prince of Persia kommen voll auf ihre Kosten, aber auch alle Plattform-Fans, denen es nicht peinlich ist, ein Tim und Struppi-Spiel im Regal zu haben (warum auch?) werden ihre Freue an dem Game haben. Von mir gibt es hiermit eine klare Kaufempfehlung (Übrigens auch für PC und PS3 erhältlich)!

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Die Abenteuer von Tim und Struppi was last modified: November 9th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.