Wenn sich zwei der besten Hollywood-Regisseure zusammentun, einen weltbekannten Stoff verarbeiten und dabei die modernste CGI-Technik verwenden, dann tauscht Joe wieder Sonnen- gegen 3D-Brille.

Steven Spielberg – was der Kerl anfasst wird definitiv zu Gold. E.T., Der weiße Hai, und nicht zuletzt Indiana Jones (um nur einige zu nennen) stehen im Portfolio des Ausnahmeregisseurs und gerade die Verbindung zu letzterem Film weckt große Hoffnungen, mit der Verfilmung von Tim und Struppi den großartigen Abenteuerfilm serviert zu bekommen, der Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels eigentlich hätte werden sollen. Zusammen mit Peter Jackson (Herr der Ringe, King Kong), der diesmal als Produzent in Erscheinung tritt, packt Spielberg jetzt die Comicwerke des Belgiers Hergé am Schopfe und bringt (erstmalig) alles am Computer in eine völlig neue Form.

Holt die Peitsche raus!

Tim (Jamie Bell), ein bekannter Reporter, erwirbt auf dem Flohmarkt ein Modellschiff. Sehr bald entdeckt dieser allerdings, dass das Schiff in Verbindung mit einem versunkenen Schatz stehen soll, der dem Vorfahren von Kapitän Haddock (Andy Serkis), den Tim und sein Hund Struppi auf ihrer Reise kennenlernen, gehört haben soll. Natürlich sind zeitgleich auch die bösen Buben (Daniel Craig) hinter dem Schatz her, was zu ungewollten Komplikationen führt.

Klingt alles nach einer Abenteuergeschichte, die wir aus alten Kinotagen kennen: Versunkene Schätze, geheime Botschaften auf Pergament und ein Wettlauf um die Erde der 30er Jahre. Die Vorlage wurde hierbei, um den Ansprüchen der großen Leinwand gerecht zu werden ergänzt und umgeschrieben, allerdings – und das muss man den Machern auf die Plus-Seite kritzeln – wurden sämtliche Ergänzungen aus anderen Büchern der Tim und Struppi-Reihe genommen, beispielsweise aus Die Krabbe mit den goldenen Scheren. Dies wird auch völlig offensichtlich praktiziert; so erkennt man immer wieder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die Originalgeschichte, die allerdings nur Kenner der Comics wirklich zuordnen können werden. Für alle anderen bleibt eine leider nur mittelmäßig spannende Story mit äußerst überschaubarem Plot übrig, die aber durch ihre Inszenierung an Awesomeness gewinnen kann.

Mein Schatz!

So wurde die gleiche Motion-Capturing-Technik verwendet, wie sie bereits in Avatar zum Einsatz kam. Die Sprecher der Figuren haben also im Vorfeld wirklich das Script durchmimen müssen, ihre Bewegungen wurden dabei vom Computer aufgenommen und später dann auf die digitalen Konterfeis übertragen. Klar dass sich Andy Serkis, der die Rolle des Kapitän Haddock übernimmt, sich den Spaß nicht entgehen lässt; schließlich gilt er in Fachkreisen als König des Motion-Capturing, seitdem er sowohl Gollum (Herr der Ringe) als auch King Kong seine Bewegungen lieh.

In weiteren Rollen hören und sehen wir Jamie Bell (Billy Elliot) als Tim, Daniel Craig (James Bond) als der Bösewicht Sakharin sowie Simon Pegg und Nick Frost (beide aus Hot Fuzz und Shawn of the Dead) als Schulze und Schultze. Erstaunlich bei der „Echtwerdung“ der einst zweidimensionalen Charaktere ist, dass man eine gewisse Ähnlichkeit (ob ich mir das nur einbilde weiß ich nicht) zu den jeweiligen Sprechern erkennen kann. Trotz der comichaften Darstellung wirken die Figuren sehr echt, fast wie ihre eigenen Karikaturen.

3D – Muss das sein?

Gerade die Inszenierung reißt den Film aus seiner Mittelmäßigkeit. Die Cinematografie ist, wie man es von Spielberg gewohnt ist, erstklassig. Jede Kameraeinstellung ist wohl durchdacht, jeder Winkel ist perfekt gewählt. Durch die technischen Möglichkeiten, die sich Spielberg bieten, findet er neue Mittel und Wege, den Zuschauer hinter’s Licht zu führen und erfindet jede Überblendung neu, was dem ungeübten Auge nur selten auffällt. Die Actionszenen sind sehr pompös, aber leider etwas langatmig. Die 3D-Technik wird hierbei, wie im gesamten Film, nie komplett ausgereizt, was dem Film wieder dicke Pluspunkte einbringt. Keine Kacke, die links und rechts am Betrachter vorbei in den Zuschauerraum fliegt, keine Schwerter, Speere oder Finger, die aus der Leinwand herausragen; lediglich dezente Unterschiede in der Perspektive unterstützen den Eindruck der „Echtheit“ der CGI-Welt. Ein weiser Schritt, der seine Aufgabe voll und ganz erfüllt.

FAZIT

Ein toller Abenteuerfilm, der ohne zu Beschneiden das Maß an Gewalt auf ein jugenderträgliches Level hinunter zu schrauben weiß und trotzdem durch seine Direktheit sehr brutal sagt, was Sache ist. Verspieltheit und lebensbedrohlicher Ernst geben sich die Klinke in die Hand und schaffen so ein atemberaubendes CGI-Feuerwerk, das sowohl Spielbergs und Jacksons als auch Hergés Werken definitiv gerecht wird. Man darf gespannt sein, was die beiden potentiellen weiteren Teile für uns bereit halten.

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Die Abenteuer von Tim und Struppi was last modified: November 7th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.