Superhelden müssen nicht immer von Marvel oder DC kommen. Sie müssen nicht Superman sein, kein Donnergott oder Milliardär in eiserner Rüstung. Manchmal reicht es einfach schon, nach draußen vor die Tür zu gehen, um wahre Stärke bewiesen zu haben und sich selbst wie ein Held zu fühlen. Daniela Schreiter, die man wahrscheinlich am ehesten unter ihrem Pseudonym Fuchskind kennt, hat dies in ihrem neuen Comic Die Abenteuer von Autistic-Hero-Girl (man beachte hier die korrekte und gekonnte Durchkopplung des Wortes!) ziemlich präzise zusammengefasst.

Man muss dazu sagen, dass Daniela Schreiter, genau wie ich, Asperger-Autist*in ist, wobei das Wort Autismus hier immer hart an der Grenze zur Richtigkeit verwendet wird. Ich mache das selbst gerne, weil es so viel leichter zu erklären ist, allerdings ist das Asperger-Syndrom weniger Autismus als eine Entwicklungsstörung, die sich auf dem autistischen Spektrum bewegt. Damit einher gehen viele Eigenheiten, mit denen auch ich mich täglich konfrontiert sehe. Was neurotypische („NT“, also „normale“) Menschen als alltäglich ansehen, ist für Aspies wie Daniela und mich oft eine zu meisternde Herausforderung. So entschließt sich die Protagonistin des Comics, die eine Art gezeichnetes Alter Ego der Autorin darstellt, als Autistic-Hero-Girl in die Welt hinauszuziehen und diese Herausforderungen zu bekämpfen.

Dazu gehört unter anderem eine Neigung zur Grobmotorik, die Angst vor Telefonanrufen oder zu erwartetem Türklingeln sowie Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten. Der größte Feind von Autistic-Hero-Girl ist allerdings der Overload-Overlord. Ein Overload tritt in der Regel auf, wenn ein Aspie zu viele Eindrücke über einen längeren Zeitraum verarbeiten muss. Aufgrund des fehlenden Filters für Geräusche, visuelle Details oder Gerüche, entsteht hier, wenn einfach nichts mehr aufgenommen werden kann, entsteht der Drang zur Flucht. Oft muss der Betroffene hier alleine im stillen Kämmerlein oder mit Feel-Good-Items etwas Zeit verbringen, um den Stress abzubauen, sonst droht ein sogenannter Meltdown. Und das ist ganz und gar nicht angenehm.

Die Geschichten, die Daniela Schreiter hier erzählt, sind oft sehr kurz, meistens nur eine Seite lang. Dafür schafft sie es aber oft, die alltäglichen Herausforderungen eines Aspergers auf den Punkt zu bringen. Ich stelle mir hier aber vor, dass ohne eine Erklärung in schriftlicher Form, die eigentlichen Hindernisse, vor denen Aspies tagtäglich stehen, von NTs nicht immer korrekt erkannt werden.

Als kleines Highlight findet der Leser gegen Ende des Buches eine niedliche Kollaboration mit Sarah Burrini (als ihr Superhelden-Alter-Ego Nerd Girl). Die Abenteuer von Autistic-Hero-Girl kommt als Hardcover und umfasst 64 Seiten. Das mag zum Preis von 12 Euro etwas wenig erscheinen, als humoristische Informationsquelle und als Spiegel, den man sich als Asperger-Autist selbst vorhalten kann, ist das schon vollkommen in Ordnung.

Daniela Schreiter hat das Thema Asperger bereits in anderen Büchern aufbereitet; die Schattenspringer-Serie wünsche ich mir übrigens schon länger zu Weihnachten, wer also zu viel Geld hat, kann mir die ruhig schenken. Ich bin nämlich immer daran interessiert, noch mehr über meine Situation zu erfahren, was mir dabei hilft, selber besser aufklären und die Problematik besser in Worte fassen zu können.

Die Abenteuer von Autistic-Hero-Girl ist bei Panini Comics erschienen und kann bei Panini selbst, bei Amazon und natürlich beim Buchhändler eures Vertrauens käuflich erworben werden.

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Die Abenteuer von Autistic-Hero-Girl was last modified: November 3rd, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.