Ihr habt es nicht anders gewollt: Wir schauen auf Tops und Flops aus dem Jahre 2013. Gnadenlos und absolut objektiv.

jahresrueckblick_2013

Das war es, dieses „2013“. Viel ist passiert, beispielsweise bin ich dieses Jahr erstmalig mit verbundenen Augen zum Mond geflogen, aber ich möchte hier nur ungern angeben. Außerdem geht es heute ausnahmsweise mal nicht um mich. Auch wenn das sterbende Jahr kein Nonplusultra hinsichtlich der Quantität spielerischer Überflieger darstellt, gibt es doch einige wenige Kandidaten, die aus der einheitsbreiigen Masse der ewig gleichen Spielmechaniken und Erzählweisen herausstechen. Im positiven Sinne.

Hüpfen, Springen, Bullshit

RaymanLegends_Screenshot_Gotcha_GCDen Anfang macht der – meiner Meinung nach – beste Plattformer der vergangenen zehn Jahre. Während sich Genrekollegen entweder auf gutes Gameplay, zeitgemäße Grafik oder einen ohrwurmverdächtigen Soundtrack konzentrieren, serviert Rayman Legends das Komplettprogramm. Das bereits hitverdächtige Rayman Origins aus dem vorletzten Jahr erfuhr hier eine Generalüberholung; Richtiges wurde noch richtiger gemacht. Ein gutes Beispiel dafür, dass auch alteingesessene Hasen im Geschäft nicht an Relevanz verlieren müssen und auch mit frischen Ideen aufwarten können.

OswaldDer Verantwortliche Michel Ansel macht Ikone Warren Spector im Geiste eine lange Nase, denn dessen letztes Machwerk Epic Micky 2 enttäuschte auf ganzer Linie. Spector, der Mann hinter Thief und Deus Ex, mag den Titel zwar konzeptionell wohl durchdacht haben, was letzten Endes allerdings über die Bildschirme der Spieler flimmerte, war nicht besser als ein solider Durchschnitt. Weder neue Ideen, noch eine Offenbarung in Sachen Storytelling. Eine stullendumme KI und frustige Rätsel runden das Gesamtbild des redundanten Abenteuers ab. Bereits der Vorgänger – ebenfalls aus Spectors Feder stammend – war mehr gewollt als gekonnt. Abwärtstrend oder lediglich ein kreatives Tief? Den Kollegen von Junction Point, dem Studio, das aufgrund des ausbleibenden Erfolgs von Epic Micky 2 geschlossen werden musste, ist das höchstwahrscheinlich ziemlich egal.

Piff-paff und Wau-wau

Call-of-Duty-Ghosts-Has-Playable-Dog-SequencesWeiterhin erfolgreich zeigte sich 2013 erwartungsgemäß das bleihaltige Franchise der Call of Duty-Reihe. Zwar hinken die Verkaufszahlen des jüngsten Babys Ghosts denen der Vorgänger hinterher, von einem Flop ist die Hundesimulation mit gelegentlichen Schusswechseln allerdings meilenweit entfernt. Als Fan des Kampagnenspiels war ich sehr enttäuscht ob der vergleichsweise unmotivierten Story und des fehlenden Bombasts, der üblicherweise den Reiz der Reihe ausmacht. Und wer auch immer die Idee mit Riley, dem Hund, hatte, hat diesen neuen Faktor nicht wirklich zu ende gedacht. Ein – stellvertretend für das gesamte Spiel stehender – halbherziger Auftritt am Anfang des Spiels, danach wird der Begleiter nie wieder gesehen – Eine tiefere, emotionalere Einbindung in die Story hätte dem Einzelspielermodus mehr als gut getan, denn nach kürzester Zeit verfallen die Macher hier in alte Verhaltensweisen. Als hätte man schlicht einen Vorgänger kopiert und absichtlich die Action weggelassen und sich primär auf Ballerorgien a la Mohrhuhn konzentriert. Da ist selbst die Feindaufklärung per Schäferhund eine willkommene Abwechslung zum bleifarbenen Einheitsgrau. Zwar weiß wirklich jeder, dass der CoD-Waffenporno hauptsächlich der Mehrspielerkeilereien wegen in den Spieleregalen der Shooterfans landet, dennoch entschuldigt dies nicht die Mängel – auch hinsichtlich der Synchronisation, die mit ein oder zwei Ausnahmen, einfach unterirdisch schlecht ist – des Singleplayer-Modus. Hier müssen definitiv neue Ideen her.

Musikalisch durch das Jahr

rocksmith-edition-2014-playstation-3-ps3-1377088731-006Hinsichtlich neuer Ideen schlägt die aktualisierte Variante von Ubisofts Gitarrenspiel, Rocksmith 2014, einige Kerben in mein Begeisterungsholz. Die Entwickler haben sich das Feedback zum Vorgänger sehr zu Herzen genommen und bohren den Musiktitel ordentlich auf; neue Spielmodi, Verbesserungen am Gameplay und der exzellente Session-Modus zeigen, wie viele Gedanken sich hier gemacht wurde und offenbaren rückwirkend die Schwächen der Originalversion. Das ist selten und zeigt, wie sehr die jahresaktuelle Variante kein simpler Klon ist, sondern eine stete Entwicklung mitmacht, sich wandelt und das Spielerlebnis weiterträgt.

Giana-SistersApropos „Klon“ – Der Super Mario-Klon Giana Sisters erfuhr im Jahre 2013 eine Generalüberholung. Die Mädels von Black Forest Games unternahmen den Versuch, dem Plattform-Klassiker neues Leben einzuhauchen. Neue Gameplayelemente sollten dem Plattformer einen sogenannten Twist verpassen, transformierten den Titel allerdings lediglich zu einem Streben nach Perfektion pro Einzellevel, was auf Dauer wohl nur enthusiastischen Pro-Gamern Spaß gemacht haben könnte. Mehr „Casual“, mehr Besinnung auf die Wurzeln, hätte hier besser getan. Abgesehen vom großartigen Soundtrack von Ur-Composer Chris Hülsbeck und der gitarrenschwingenden Musikkapelle Machinae Supremacy leider nicht das, was ich mir von einem Remake erwartete.

Aufgewärmtes schmeckt auch lecker

Ein wider Erwarten grandioses Remake stand Anfang des Jahres allerdingsmit DmC ins Haus. Der Neustart der Hack-n-Slay-Serie um Protagonist Dante wurde im Vorfeld mehr als kritisch beäugt. Einen Emo-Dante wolle man nicht, auf die Spieler sollte gehört werden, das Vertrauen in die Entwickler war mehr als erschöpft. Dass der Titel dann einschlug wie eine Bombe, das Gameplay überragend war und auch die Hauptfigur nahtlos ins Gesamtbild passte, waren die Faktoren, die DmC zu einem meiner persönlichen Highlights des Jahres machte. Soundtrack, Metzelei, alles bis ins Kleinste stimmig. Einzig die deutsche Sprachfassung war… naja… gewöhnungsbedürftig. Ein weiteres grandioses Remake (oder auch „Reboot“) landete im ersten Quartal des letzten Jahres mit Tomb Raider in den Spieleregalen der Welt. Square Enix holte den Action-Pinsel raus und verpasste dem Actionabenteuer um Videospielikone Lara Croft einen neuen Anstrich. Beinahe zu brutal kam die Dschungelhatz daher, dennoch ein großer Spaß, der kaum Langeweile aufkommen ließ. Ob jetzt zwingend ein zweiter Teil der aufgewärmten Abenteuer (vielleicht schon 2014?) kommen muss? Zumindest wäre eine Fortsetzung einen zweiten Blick Wert.

Kerben schlagen, Furchen ziehen

LEGO-Games und ich sind ja SO (die passende Handbewegung denkt ihr euch jetzt bitte dazu). Alles kurz und klein schlagen, mit meinen Lieblingshelden durch Manhattan fliegen und dabei LEGO-Steinchen sammeln, bis Doctor Octopus kommt? Wo muss ich unterschreiben? Sehr, sehr (sehr!) viel Liebe zum Detail, gemischt mit ein bisschen zu viel Sammelgekröse: LEGO Marvel Super Heroes war ein tolles Game zu einem gewohnt tollen Releasepreis und definitiv eine gut gemeinte Kerbe im Bettpfosten meines Spielejahres.

2013-08-18_00009Ebenfalls eine Kerbe hinterlassen durfte Payday 2. Der schwedische Coop-Shooter war letztlich nicht mehr als ein Update des Vorgängers, die Liebe, die Starbreeze aber in die kaum merkbaren Veränderungen gesteckt hat, sind gold wert. Ebenso der Community-Support, der den Titel um viele kostenlose DLCs erweitert. Die anfänglichen Verbindungsprobleme bei Konsoleros sind mittlerweile verziehen, da man kurze Zeit nach Release bereits ohne Schwierigkeiten Banken ausrauben und Einkaufszentren zertrümmern durfte. Apropos „zertrümmern“: Wenn man etwas kurz und klein hackt, erhält man Müll. Und Müll heißt auf englisch „Trash“. Und DIE Hommage an den Trash der Achtziger war 2013 Far Cry 3 Blood Dragon. Eine Überleitung, wie sie im Buche steht! Mit Lasern, One-Linern und Dinosauriern heizte Ubisoft den Spielern zum Kleinspreis gehörig ein. Ein kurzweiliger Spaß – zwar nicht viel mehr als eine neonfarbene Version des Fundaments Far Cry 3 – dennoch eine willkommene Abwechslung zum ewig gleichen Einheitsbrei in grau und braun. Gewagter Humor in Kombination mit Explosionen und dummen Sprüchen: Das Ding ist Gold wert.

Ebenfalls goldfarben dürfte mittlerweile der Riechkolben von Bioshock-Vater Ken Levine sein. Denn Bioshock Infinite, der jüngste Ableger der Serie, zog 2013 eine Furche durch die Spielewelt. Viele hitzige Diskussionen keimten auf, wie genau denn jetzt die Story gemeint war, ob Backtracking wirklich die Lösung aller Fragen ist, und, was zur Hölle denn jetzt überhaupt passierte. Denn Bioshock Infinite bot eines der verwirrendsten Spieleenden seit Black Ops 2 (das verstehen nicht mal die Macher selbst). Ich selbst wagte mich an eine Erklärung, ob das alles so richtig ist, kann mir wahrscheinlich selbst Levine nicht beantworten, denn – mal ganz objektiv betrachtet – klaffen im Plot mehr Lücken als im Gebiss von Kate Moss. Dennoch: Großartig gemacht trotz der obligatorischen Shooterlängen.

Märchenhafte Synchronisation

BAO_October_GCPD_Barb_GordonGroßartig war außerdem letztes Jahr das pastellfarbene Märchen um zwei Brüder, die loszogen, um ein Heilmittel für ihren kranken Vater zu Suchen. Brothers – A Tale of Two Sons erzählt in ruhigen Bildern die epische Wanderung durch fantastische Landschaften. Eine wortlose Sage voller Emotionen, getarnt als Twin-Stick-Geschicklichkeitsspiel, ausschließlich als Download zu erwerben und definitiv einen Blick wert! Nicht nur einen Blick, sondern auch ein Ohr wert (sagt man das so?) ist Warners Flagschiff: Die Batman Arkham-Reihe. Mit Origins wird ein älteres Kapitel der Fledermaussaga aufgeschlagen und der Werdegang um Bruce Waynes Alter Ego erzählt. Hierbei fällt vor allem die gute Synchro der deutschen Sprachfassung auf. Sämtliche Rollen wurden mit hochkarätigen Sprechern besetzt, man hat fast das Gefühl, einen Film zu spielen. Dass das 2014 immer noch besonders hervorgehoben werden muss, ist zwar traurig, aber dennoch ein definitives Kaufargument für das (ich spreche jetzt nur für mich) beste Arkham-Spiel seit ever!

Was bringt 2014?

Einen Ausblick auf das vor uns liegende Jahr möchte ich noch nicht wagen. Sicherlich gibt es Titel, die auch 2014 wieder Garanten für herausragenden Spielspaß sein werden, aber ebenso, wie 2013 überraschte – und zwar im positiven wie im negativen Sinne – werden auch die nächsten 12 Monate wieder einige Asse im Ärmel haben. Deswegen mein Rat an euch: Hört auf, euch andauernd zu empören, bevor ihr das Spiel gespielt habt. Dante war kein Idiot und Ghosts war keine Offenbarung. Lasst alles auf euch zukommen, genießt die Spielzeit, lasst eure Eindrücke wirken und reflektiert erst dann öffentlich über das Erlebte. Immerhin machen wir das alles zum Spaß, oder nicht?

Ein frohes neues Jahr!

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Der unvermeidliche Jahresrückblick 2013 was last modified: Januar 6th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.