Die Hamburger Adventureschmiede Daedalic haut einen neuen Klopper unter’s Volk: Antiheld Rufus will von seinem Heimatplaneten fliehen. Ist dat Kunst oder kann dat weg?

Rufus lebt auf Deponia, einem Schrottplaneten. Ja, ehrlich – überall Müllberge, rostiges Metall, Gestank… Schrott halt. Verständlicherweise hat Rufus weder Lust auf Gestank noch Lust im Müll zu wohnen – schließlich hat er was Besseres verdient. Was bleibt ihm also anderes übrig, als in regelmäßigen Abständen Fluchtpläne zu schmieden, um endlich nach Elysium, so eine Art Stadt im Himmel, wo alles total stark ist, zu gelangen. Allerdings hat Rufus dabei nicht so viel Glück; jeder einzelne seiner Pläne ging gehörig ins Höschen.

Und hier steigt der Spieler ein. Nach einem kurzen Tutorial, wie denn nun ein klassisches Point-&-Click-Adventure zu steuern ist (lässt sich zum Glück überspringen) geht’s los. So klickt man sich fröhlich durch hübsch anzusehende Kulissen, guckt sich die nicht minderhübschen Animationen an und hört Monty Arnold dabei zu, wie er jede Aktion mehr oder weniger witzig kommentiert. Dabei fällt auf, dass die eigentlich wirklich guten Sprecher viel zu oft falsche Betonungen einbauen. Klar kann dies mal vorkommen, doch gerade bei einem deutschen Spiel darf das eigentlich nicht in diesem Ausmaß passieren. Wirklich sehr schade.

Im Laufe des Abenteuer widerfahren dem Spieler eine Reihe von merkwürdigen Situationen. Beim Fluchtversuch vom Schrottplaneten stößt Rufus eine Elysianerin von einem Kreuzer, welche dann ihr Gedächtnis verliert, fortan aber Rufus‘ wahrscheinlichste Möglichkeit ist, von Deponia zu entkommen. In klassischer Point-&-Click-Manier rätselt man sich also durch eine ebenso durchdachte wie durchschaubare Story und löst leider viel zu einfache Rätsel. Obwohl man wohl darauf erpicht schien, möglichst abgedreht denken zu müssen, sollte Deponia für alte Adventurehasen kein allzu großes Problem darstellen. Die Spielzeit ist dem Preis von ca. 30 Euro angemessen, aber für wirkliche Rätselfreunde etwas zu kurz.

Grafisch ist alles wirklich vom Feinsten: Der LucasArts-Stil (vgl. Monkey Island 3) hat zwar optisch noch zu viel vom Daedalic-Toptitel Edna bricht aus, bringt das Hamburger Studio aber wieder einen Schritt näher an die Spitze meiner persönlichen Top-Studios. So viel Mühe macht sich heutzutage leider kaum noch jemand. Besonders die Zwischensequenzen gleichen schon fast einem „richtigen“ Trickfilm, da hier besonders viel Wert auf Details gelegt wurde.

Alles in Allem erhält man mit Deponia ein hochkarätiges Adventure (die Special-Edition kommt sogar mit Poster & Soundtrack), das man definitiv gespielt haben sollte. Nicht zuletzt weil Daedalic bereits Deponia 2 („Chaos auf Deponia“) angekündigt hat. Das (SPOILER!) offene Ende des ersten Teils wird im Herbst fortgesetzt; wer sich also Zeit lässt, diese Perle durchzuspielen, kann dann direkt weiterrätseln.

Und jetzt: Benutze [MAUSZEIGER] mit [AMAZON LINK] !

Auch interessant

Deponia was last modified: Februar 21st, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.