Hidden Path kehrt zurück auf die Bildschirme der Tower-Defense-Gemeinde. Sechs Jahre nach dem phänomenalen Erfolg von Defense Grid: The Awakening hauen die Amerikaner endlich den lang erwarteten Nachfolger raus, der auf den wenig beeindruckenden Titel Defense Grid 2 hört. Doch so uninspiriert der Name des Turmspiels auch klingt, so viel mehr Hirnschmalz steckt in den Neuerungen des zweiten Teils.

Was gibt es Neues?

dg2_boostDas altbewährte Prinzip wird hierbei allerdings nicht angetastet: Aliens strömen in den Level und wollen die wertvollen Kerne stehlen. Die Aufgabe des Spielers ist es, Türme aller Art so zu platzieren, dass die Eindringlinge ihr Ziel möglichst nicht erreichen. Hidden Path hat das Erfolgsrezept der Turmvariation nur unwesentlich aufgemotzt und spendiert einen einzigen neuen Turm, der allerdings nur eine unterstützende Funktion erfüllt. Das Schätzchen heißt Boost-Tower und ist eine Art Basis-Turm, auf den die eigentlichen Geschütze gesetzt werden können. Anschließend kann man sich dann eine Zusatzfunktion aussuchen, die der Boost-Tower erfüllen soll: Den aufgesetzten Turm stärken, getarnte Einheiten sichtbar machen oder die Punktzahl durch das Töten von Gegnern in einem bestimmten Umkreis erhöhen. Auch der Missile-Turm bekam ein Upgrade. Konnte dieser zuvor lediglich auf fliegende Bösewichte schießen, wurde diese Fähigkeit aufgrund des vollständigen Fehlens von Lufteinheiten einfach darauf umgemünzt, nun Bodentruppen angreifen zu können. So einfach geht das.

Konstanter Geldfluss

dg2_graphNeu ist außerdem: Ressourcen – der Volksmund nennt sie „Geld“ – bekommt man nun nicht mehr durch das Abschießen gegnerischer Aliens, sondern in einem konstanten Fluss. Damit – so die Entwickler – bleibt das Spiel immer fair und Spieler, die einen Fehler machen, werden nicht bis Rundenende dafür bestraft. Außerdem bleibt so das kompetitive Punktesystem für Freunde immer gerecht. Die erreichte Punktzahl wird nach Töten des letzten Gegners pro Level nämlich grafisch dargestellt und kann entweder mit der eigenen, bisherigen Bestleistung oder der der befreundeten Rivalen verglichen werden.

dg2_variationsDabei stellt das Spiel unglaublich viele Modi zur Verfügung. In fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen können Spieler sich nicht nur an der Kampagne, sondern beispielsweise am „Grinding“-Modus oder unterschiedlichsten Multyplayer-Varianten versuchen. Mein Lieblingsmodus ist hierbei der, bei dem besiegte Gegner aus dem eigenen Spiel wesentlich stärker an den Startpunkt des Gegners teleportiert werden. Ich habe hier bereits Freundschaften schwinden sehen.

Auch neu: Türme können Power-Ups erhalten. Vor dem Start einer jeden Runde darf man sich aussuchen, welches der im Laufe des Spiels gesammelten Upgrades die jeweiligen Turmarten erhalten sollen. Dies erleichtert zwar das Spiel, ist aber in manchen kompetitiven Varianten nicht erlaubt, wieder der Fairness halber.

Eigener Content im Spiel

dg2_bonus_betaMit Sicherheit ein atemberaubendes Feature, auf meinem heimischen Rechner – höchstwahrscheinlich durch schlampige Programmierung – leider unbenutzbar: Der Level-Editor. Seit der Beta-Phase des Spiels warte ich auf eine anständig benutzbare Version, die leider auch nach Release noch nicht zur Verfügung steht. Dabei sah das Ding während der Präsentation auf der diesjährigen gamescom wirklich brauchbar aus. Vielleicht wird der Editor ja noch brauchbar nachgereicht – bis dahin dürfen gerne diejenigen, bei denen das Ding läuft, neue Level kreieren, die dann per Steam-Workshop ins Spiel geladen werden können. Dies gibt nicht nur den Entwicklern mehr Zeit, sich intensiver um die hoffentlich kommenden DLCs zu kümmern, sondern gibt den Machern gleichzeitig kreativen Input bezüglich der Wünsche der Community.

dg2_game1Zwar ist Defense Grid 2 ein wahres Festival der Lichter und Explosionen, jedoch kommt das Anti-Aliasing hier viel (viel) zu kurz. Treppchenbildung auf jeder Zoomstufe trüben zwar nicht das Spielvergnügen, dieser Umstand knabbert aber dann doch stark am Gesamtbild. Dafür ruckelt das Spiel auch auf schwachbrüstigeren Rechnern so gut wie nie, hat also auch sein Gutes. Besser wäre es gewesen, anstelle einer „Low-High-Very-High“-Regelung, dem Spieler die tiefergehende Wahl der Grafikeinstellungen zu lassen. Aber es läuft ja, das ist die Hauptsache.

Fazit

Zum schlussendlichen Fazit möchte ich mich mal so ausdrücken: Wer Defense Grid: The Awakening gemocht hat, wird Defense Grid 2 lieben. Das altbewährte Prinzip mit vielen, vielen, vielen, vielen, Neuerungen sorgt für einige Stunden/Tage/Wochen Spielspaß, gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit vor der Tür steht. Ob der Leveleditor reibungslos funktioniert, ist offensichtlich nicht garantiert, aber wer lieber Aliens vernichtet, als Level selber zu bauen, kommt voll auf seine Kosten. Für ungefähr 23 Euro (ohne Rabatte) dürfen sich Genreliebhaber den Turmspaß auf den heimischen Rechner holen. Wer eine PS4 oder XBONE sein Eigen nennt, wird natürlich auch bedient.

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Defense Grid 2 was last modified: September 30th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.