Spätestens seit dem Kinofilm aus dem letzten Jahr kennt jeder den Söldner mit der großen Klappe. So ist es nicht erstaunlich, dass der Mann im roten Anzug auch in deutschen Landen mit Comicfeatures nur so überhäuft wird. Mitte 2016 erschien in den Vereinigten Staaten die fünfteilige Miniserie Deadpool v Gambit, die bereits jetzt in einem gleichnamigen Sammelband in deutscher Sprache erhältlich ist. Da hat Panini ordentlich Gas gegeben, denn die letzte Ausgabe erschien erst im November. Da weist ein deutscher Release Mitte März auf ein unglaublich fleißiges Team hin.

Leider haben sich durch die hastige Bearbeitung auch kleinere Fehler eingeschlichen. Nichts Wildes, keine Übersetzungsfauxpas, vielmehr kleinere Buchstabendreher und ein fehlendes Sonderzeichen im „¯\_(ツ)_/¯“- Emoji (kein Witz, das wurde wirklich verbaut!). Der Rest der lokalisierten Fassung ist erste Sahne. Denn gerade Deadpool-Comics würde ich als Königsklasse für Übersetzer einstufen. Viel Umgangssprache, viele pupulärkulturelle Anspielungen und viel Gefluche sind oft schwer, übersetzt in eine kleine Sprechblase zu zwängen. Umso erstaunlicher also, dass bei einer derart kurzen Bearbeitungszeit so wenige Missgeschicke passierten.

Autoren der Reihe sind zwei Menschen, deren Namen ähnlicher nicht sein könnten; Ben Acker und Ben Blacker. Beide Autoren sind so eine Art Deadpool-Experte. Seit 2013 schrieben sie im Team immer mal wieder an Pool-Comics mit, haben aber auch schon an Thunderbolts-Ausgaben  geschrieben und The Thrilling Hour-Ausgaben kreiert. Ein sehr witziges Duo, das ein gewisses komödiantisches Talent in die Wiege gelegt bekommen hat. Das merkt man auch in Deadpool v Gambit. Hier kommt kaum ein Panel ohne One-Liner oder Anspielung aus, fast jede Sprechblase beinhaltet ein kleines Witzchen. Hier können sich andere (auch Deadpool-)Autoren noch eine dicke Scheibe abschneiden. Vom Wortwitz her gibt es hier kaum ein besseres Heft.

Leider hapert es an der grafischen Umsetzung. Danilo Beyruth, der schon für Civil War II, Doctor Strange und Ghost Rider den Stift geschwungen hat, scheint hier auf Sparflamme gezeichnet zu haben. Das fällt schon beim ersten Durchblättern der Heftes auf. Besonders bei Gesichtern denke ich mir oft, dass ich das sicher besser gekonnt hätte, und im Zeichnen bin ich eine absolute Niete. Die einzelnen Ausgabencover sind dagegen unglaublich toll und schaffen so einen zusätzlichen Kontrast zur Darstellung und Ton-in-Ton-Kolorierung der eigentlichen Comicseiten. Wirklich schade, denn gerade grafische Darstellungen unterstützen Deadpool machen ihn zu einem der besten Comic-Antihelden. Story und Charaktere: top, Zeichnungen: meh.

Positiv hervorheben möchte ich, dass die Macher hier auf übertriebene Gewaltdarstellungen verzichten. Für einen Pool-Comic fließt hier erstaunlich wenig Blut, weswegen hier ein guter Einstieg für ein etwas jüngeres Publikum ermöglicht wird. Dazu ein wirklich zeitgemäßer Humor, der durch die schnelle Lokalisierung auch noch einige Monate nach der amerikanischen Erstveröffentlichung zieht, machen Deadpool v Gambit zu einem tollen Comic.

Die insgesamt 96 Seiten gibt es für 12,99 Euro (Panini / Amazon).

Auch interessant

Deadpool v Gambit #1 was last modified: März 16th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.