Lange hat es gedauert, aber nun endlich hat auch der Söldner mit der großen Klappe eine eigene Graphic Novel spendiert bekommen. In Deadpool – Böses Blut trifft der namensgebende Titelheld auf Thumper, der seit Jahren regelmäßig in Erscheinung tritt, um Deadpool zu töten – jedes Mal mit Erfolg. Die Selbstheilungskräfte Deadpools holen ihn zwar immer wieder ins Leben zurück, was die Sache allerdings nicht minder schmerzhaft macht. Doch wer ist der brutale Hüne, der Wade Wilson dermaßen ins Handwerk pfuscht? Dies herauszufinden (und dabei nebenbei eine größere Verschwörung aufzudecken) ist Deadpools Ziel in dem 128 Seiten starken Softcover. Einige alte Bekannte wie Domino und (natürlich) Cable sind auch wieder mit von der Partie.

Moment mal… „Graphic Novel“? Das ist doch ein Comic! Jein. Eine Graphic Novel ist quasi eine Sonderform des Comics, wobei die Unterscheidung hier immer etwas schwierig ist, da eine klare Trennlinie fehlt. Grundsätzlich sind die Zeichnungen und Bilder in einer Graphic Novel immer etwas größer, meist sogar seitenfüllend, während die Masse des Textes sich angenehm zurückhält. Außerdem ist die Thematik in Graphic Novels meist ernsterer Natur (auch wenn das bei Deadpool etwas schwierig umzusetzen ist).

Glücklicherweise ist Deadpools Co-Erfinder Rob Liefeld nicht nur ein begnadeter Autor, sondern auch ein hervorragender Zeichner, weswegen die großformatigen Bilder vor Energie nur so strotzen. Pastellige Farben (von Romulo Fajardo Jr., kennt man beispielsweise von Wonder Woman – Das erste Jahr) setzen die Action gekonnt in Szene und machen jedes Panel zu einem kleinen Meisterwerk. Der Stil erinnert etwas an die Deathstroke-Comics von Tony Daniel, nur nicht ganz so farbenfroh. Der ernstere Tenor, der hier angestoßen wird, spiegelt sich in gedeckten Braun- und Grüntönen wider. Die Story, die Liefeld hier gemeinsam mit Chris Sims (Secret Wars, X-Men ’92) und Chad Bowers (Guardians of the Galaxy, Civil War II) verewigt hat, ist unglaublich spannend und abwechslungsreich; die erwähnten 128 Seiten sind schneller durchgeblättert, als mir lieb war.

Alles in allem ein tolles Heft, das seine 12,99 Euro mehr als wert ist. Für Deadpool-Neulinge ist das alles vielleicht sehr verwirrend, hier sei angeraten mit den Heften „Deadpool und Cable“ anzufangen. Die sind nicht nur unglaublich witzig, sondern stellen den Charakter auch umfassend vor.

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Deadpool – Böses Blut was last modified: Januar 30th, 2018 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.