Ich packe meinen Urlaubskoffer und nehme mit: Hackebeil, Baseballschläger und ein großes Eisenrohr. Warum? Die Zombies sind da! Rein in die Bermuda-Shorts und los geht der karibische Metzelspaß!

Endlich Urlaub! Papua-Neuguinea ist doch immer eine Reise wert: Sonne, Strand, Bikini-Babes – alles vom Allerfeinsten. Doch wie so oft, gibt es einen, der einem die Party vermiesen will, und niemand vermiest Parties besser als – richtig – Zombies! Das Urlaubsparadies Banoi Island wird von einer Zombieepidemie heimgesucht und die wenigen Überlebenden kämpfen ums Weiterüberleben.

Zunächst sei gesagt, dass die nicht vorhandene USK-Freigabe in Deutschland durchaus ihre Berechtigung hat (Publisher Deep Silver hat wohl geahnt, dass das nix wird und hat erst gar keine USK-Prüfung beantragt). Es wird geschnetzelt, geknüppelt und gespratzt, was das Zeug hält, Körperteile und Hirnmasse fliegen durch die Luft und jedes erdenkliche Utensil kann zur Verstümmelung der Untoten missbraucht werden. Ich habe mich einige Male dabei erwischt, laut über die übertriebene Gewaltdarstellung gelacht zu haben. Hat mich wahrscheinlich an unseren letzten Redaktionsausflug erinnert. Hach, das war schön…

Bis dass der Untot uns scheidet

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines von vier Charakteren: Eine Angestellte des hiesigen Hotels, die sich gut auf scharfe Waffen versteht, einen ehemaligen Football-Star, der gerne mit Waffen wirft, eine Expolizistin, die auf Schusswaffen steht oder einen Rapstar, der Spezialist für stumpfe Waffen ist. Ziel des Spiels ist es logischerweise, einen Weg zu finden, von der Zombieinsel zu flüchten. Klingt erstmal ziemlich hirnlos, ist aber um einiges umfangreicher, als man sich anfangs vorstellen mag.

Die Story beginnt unspektakulär in einem Hotelzimmer. Verkatert aufwachen und erstmal nicht wissen, was überhaupt los ist – hab ich jeden Tag. Doch irgendetwas ist faul im Staate Papua-Neuguinea: das Pärchen aus dem Nachbarzimmer liegt tot im eigenen Blut auf dem Teppich… Egal, erstmal alle Koffer plündern und nach Items und Cash durchforsten (Cash als In-Game-Währung: genial). Obwohl mal offiziell noch nicht weiß, was passiert ist, wird hier gelootet was das Fremdgepäck hergibt – das nenne ich vorbildlich! Zwei Cutscenes später findet man sich vom vermeindlich toten Pärchen durch die Hotelgänge gejagt wieder. Die Vermutung liegt nah, dass die beiden einfach nur sauer sind, weil sie beklaut wurden, als sie friedlich auf der Erde schliefen. Aber das merkwürdige Grunzen und die heraushängenden Gedärme muten doch etwas wunderlich an.

Glücklicherweise wird man von einigen aufgebrachten (nicht grunzenden) Touristen gerettet, die einen mehr oder weniger über das Geschehene aufklären. Und spätestens jetzt weiß jeder: Oh kacke – Zombies! Der Spieler wurde zwar angeknabbert, ist anscheinend aber als einziger immun gegen die Zombieseuche. Also fix das Paddel geschnappt und Zombieköpfe zu Klump dreschen. Dabei noch mehr oder weniger sinnlose Aufträge für die Überlebenden erledigen und sich die Gunst der Was-zu-sagen-Haber erarbeiten, denn man will ja von der Insel runter. Hier muss eine wertvolle Kette aus einem Bungalow geholt werden, dort müssen Autoteile organisiert werden.

Dabei kommen dem Spieler natürlich die ein oder anderen Untoten in die Quere, und die haben denkbar schlechte Laune. Und da Zombies mit netten Worten und Kuscheltieren nicht beizukommen ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit roher Gewalt durch die Massen zu schlachten. Dabei kommt uns das ein oder andere martialische Utensil zur Hilfe: Stahlrohre, Bootspaddel, Hackebeile, Besenstiele – alles was auch nur im Ansatz einen Schädel zerschmettern oder einen Brustkorb durchbohren könnte, wird ins Inventar gepackt. Wem das nicht reicht, der darf gefundene Gegenstände an strategisch platzierten Werkbänken per Blaupausen upgraden. So darf man anfangs Bretter und Holzknüppel mittels Zimmermannsnägeln auf ein neues, brutales Level anheben. Später im Spiel gibt es dann Elektroschocker und fliegende Kreissägenblätter – der Gorefaktor steigt exponentiell an. Die Jungs von Techland (die auch das grausige Call of Juarez: The Cartel verbrochen haben) scheinen hier wirklich Spaß am Erfinden neuer Metzelmethoden gefunden zu haben, letztlich gibt es nichts, was es nicht gibt. Das Beste an der Sache: Die Zombies reagieren treffersensitiv, das heißt: Trifft der Vorschlaghammer auf ein Zombiebein, kann der Zombie nicht mehr laufen. Ähnlich verhält es sich mit „Hammer trifft auf Kopf“, nur mit wesentlich mehr herumspratzender Hirnmasse. Dieses Schema kann analog auf alle Waffenarten und/oder Körperteile angewendet werden. Mehr Metzgerspaß kann man kaum haben.

Drink and Fight!

Die offene Spielwelt lädt zum Erkunden ein, allerdings besser nur wenn die Lebensenergieleiste auf „voll“ steht. Zwar liegen hier und dort Energydrinks herum, die die Leiste wieder auffüllen, allerdings nie dann, wenn man sie am dringendsten braucht. Die Untoten sind nämlich nicht nur verhältnismäßig stark, sie sind auch hinterlistig. Während man einige bereits aus der Entfernung an Leichen herumknabbern sieht, scheinen andere im Gebüsch auf den Spielcharakter zu warten um ein mittelgroßes Stück aus der Schulter genießen zu können. Das Kampfsystem ist in frühen Leveln etwas gewöhnungsbedürftig und schwierig. Jede Aktion, sei es Laufen, Schlagen oder Springen, verbraucht etwas Kondition. Sobald die Konditionsleiste leer ist, muss man (möglichst an einem sicheren Ort) innehalten und sich erholen. Da kann es natürlich schonmal vorkommen, dass man mitten im Kampf das Weite suchen muss. Auch die Waffen sind anfangs relativ morsch. Nach viel zu wenigen Gegnern zerfallen diese bereits in ihre Einzelteile und man muss sein Inventar um einen neuen Knüppel bemühen. Das ist bei selbstgebauten und/oder sehr starken Waffen natürlich immer schade, weswegen man ein Auge auf die Haltbarkeit haben sollte, denn die Werkbank lässt den Spieler auch geliebte Waffen reparieren.

Wer es schafft einen Level aufzusteigen, der darf Talentpunkte vergeben. WoW-Freunde kennen das Prinzip: pro Stufe ein Punkt auf aktive oder passive Fähigkeiten – Mehr Schaden, eine Spezialfähigkeit oder andere mehr oder weniger sinnige Upgrades. Negativ fällt hier auf, dass sämtliche Muliplayer-Upgrades auch im Singelplayer-Modus vor sich hingammeln. Wer also nicht auf Koop-Metzgern steht, wird hier mit einem Kopfschütteln andere Bereiche des Charakters verbessern. Wer noch 3 Freunde hat, darf im Koop-Modus das Paddel schwingen und profitiert dann auch von den Gruppenboni.

Bikini-Bitches!

Grafisch lässt sich nicht meckern. Die Techland-eigene Chrome Engine 5 feuert selbst auf maximaler Auflösung mit allen Details auf „ultra“ noch volle Framerates auf den heimischen Monitor und lässt das Inselparadies in hübschen Farben erscheinen. Mitunter wirken die Texturen ein wenig schwammig, was besonders dann auffällt, wenn gerade keine Zombies versuchen, dem Spieler den Garaus zu machen und man Zeit hat, sich die Umgebung etwas genauer anzuschauen. Die Charaktere sehen zum Teil leider sehr klumpig aus und belästigen meine verwöhnten Augäpfel mit der berühmten Mund-auf-Mund-zu Sprechanimation. Warum auch nicht? Hat schließlich auch bei der Augsburger Puppenkiste wunderbar funktioniert. Das alles fällt aber eigentlich nicht besonders auf, da der Betrachter leicht abgelenkt durchs Spiel läuft. Sämtliche weiblichen NPCs (mit Ausnahme der Hauptcharaktere), sei es Zombie oder Überlebender, bedecken ihre meist üppigen Reize lediglich durch knappe Bikinis. Kein Scheiß. Zombie-Bikini-Bitches. Der Traum eines jeden Zombiefans – und man darf ihnen sogar den Schädel zerkloppen.

Wer keine Lust auf einen Fußmarsch hat, darf sich auf den Fahrersitz der herrenlos herumstehenden Automobile schmeißen, was den Vorteil hat, dass sich Zombies, die bei Rot über die Straße gehen, als matschiger Fleck auf der Windschutzscheibe wiederfinden. Die Steuerung der Fahrzeuge ist allerdings haarsträubend schwergängig – ich laufe lieber. Das ist übrigens nicht das Schlimmste, was man sich antun kann. Zwar läuft die Spielfigur in einer Geschwindigkeit, dass man Angst haben könnte, von einer blinden Oma mit gebrochenem Bein überholt zu werden, aber die Techland war so freundlich sämtliche Koffer, Truhen und Kisten nach einer gewissen Zeit wieder aufzufüllen.

Soundtechnisch ist eigentlich alles stimmig. Grunzende, schreiende Zombies, das Geräusch vom Einschlag des Hammers, das Spratzen der breiigen Blutmasse – ein Traum. Auch die englischen Sprecher überzeugen, auch wenn es zum Teil immense Wiederholungen ein und desselben Satzes von herumstehenden NPCs gibt, die wohl einfach mal gerne in die Botanik labern. Kurz gesagt: die richtig Stimmung für eine  Schlachtplatte deluxe mit einigen Schockmomenten. Gut gemacht!

Fazit

Wow, stimmiger geht es kaum. Die ungewöhnliche Mischung Zombies + Trauminsel passt irgendwie gut zusammen. Sicherlich hat Dead Island seine Ecken und Kanten, seien es hölzerne Animationen, zu glatte Texturierung, oder klobige Buschmodelle.Wer gerne durch die digitale Großstadt eines GTA läuft und seine dortige Bewegungsfreiheit genießt, wird auch im am Strand von Banoi seine helle Freude an nacktem und rohem Fleisch haben. Hinzu kommen Bikini-Untote und eine Waffenvielfalt, die seinesgleichen sucht. Ein klares Kontrastprogramm zu Call of Juarez: The Cartel ist Dead Island auf jeden Fall. Und jedem, der die Möglichkeit hat im Ausland einzukaufen, lege ich an Herz, das Spiel bald sein eigen nennen zu können!

Auch interessant

Dead Island was last modified: September 12th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.