Daedalic und die Adventures – Eine unendliche Geschichte voller Rästel, Witz und tollen Spielen. Reiht sich „Memoria“ nahtlos ein?

Moment, moment… Schon wieder ein neues Spiel aus dem Hause Daedalic? Die hauen die Adventures grade raus wie Kippen aus dem Autofenster, manch böse Zunge könnte mutmaßen, dass die Qualität darunter leidet. Um diesen Punkt vorweg zu nehmen: Dem ist nicht so.

Gerade die Reihe um Das schwarze Auge ist eine der besseren Franchises unter der Fuchtel der Hamburger Spieleschmiede. Als Nachfolger von Satinavs Ketten bedient sich Memoria der gleichen Engine wie eigentlich alle Daedalic-Games. Die ist zwar objektiv betrachtet nicht sonderlich gut, denn es ruckelt an allen Ecken und Enden wenn Animationen oder Locations on-demand geladen werden, die hübsch gezeichneten Hintergründe hauen diesen Umstand aber locker wieder raus. Auch die Charaktere wirken in der normalen Ansicht (außerhalb von Close-Up-Dialogen) immer noch lieblos und klobig. Das liegt daran, dass hier der große Sparpinsel geschwungen wurde. Entgegen der handgezeichneten Backgrounds bestehen die Charaktermodels auf vorgerenderten 3D-Modellen, die grobmotorisch und steif durch die Landschaft schweben und ihren Close-Up-Pendants kaum Ähnlichkeit entgegenbringen. Das nimmt vielen Situationen leider die Magie, weil man sich wundert, was genau die Figur denn da grade treibt. Warum hier nicht von vornherein auf handgezeichnete und liebevoller animierte Sprites zurückgegriffen wurde, ist mir ein kleines Rätsel. Ich schiebe diesen Umstand einfach mal auf ein eventuell begrenztes Budget und einen ebenso begrenzten Zeitrahmen. Obwohl das bei so ziemlich allen anderen Adventures aus heimischen Gefilden auch klappt: Edna, Deponia, Night of the Rabbit. Sehr merkwürdig.

Nahtloser Übergang

243200_screenshots_2013-09-14_00003Aber mal zurück zum Wesentlichen: Worum geht’s überhaupt? Wie oben erwähnt, ist Memoria der zweite Teil der DSA-Adventure-Reihe. Nachdem ich anfangs etwas skeptisch an die Geschichte heranging, da die Lizenz eigentlich so gut wie immer ziemliche Gurken hervorbringt, war ich nach wenigen Minuten bereits ziemlich begeistert vom Vorgänger (natürlich immer unter kritischer Beäugung der Charaktermodelle). Gerons Abenteuer geht weiter, denn nun ist es an der Zeit, die am Ende von Satinavs Ketten in einen Raben verwandelte Nuri, ihres Zeichens Freundin von Protagonist Geron, wieder in ihre Mensch-Feen-Form zurückzuverwandeln (Ja, die ganze Sache ist etwas komplizierter). Dass dieses Vorhaben schwieriger ist, als man denken mag, liegt eigentlich schon in der Natur des Adventuregenres. Im Grobaufbau bedeutet das: Problemstellung, viele Zwischenrätsel, Lösung, Abspann. Memoria hievt dieses Vorankommen allerdings auf eine lang vergessene Ebene.

243200_screenshots_2013-09-10_00001Während Geron an seinem zu lösenden Problem rätselt, knabbert Prinzessin Sadje 450 Jahre vor den heutigen Geschehnissen ebenfalls an selber Aufgabe. Hier kann man aber leider nicht, ähnlich wie Day of the Tentacle es 1993 bravourös vormachte, frei zwischen den verfügbaren Charakteren wechseln, vielmehr muss man der vollkommen linearen Storyline folgen und entsprechend seinen Pflichtteil in der jeweils anderen Zeit ableisten. Ist weiter aber nicht tragisch, denn die Rätsel tun sich nicht viel. Entgegen der LucasArts’schen Devise „Abgedreht und trotzdem logisch“, kontert Memoria mit Aufgaben, die viel zu oft viel zu logisch sind, als dass man tatsächlich lange darüber nachdenken müsste, während Hauskollege Deponia das Konzept verfolgt, abgedreht und unlogisch daherzukommen, und die Rätseleien häufig in Frustation ausarten lässt. Für Einsteiger ist die DSA-Reihe also entsprechend geeignet; Viel Einsicht in die Pen-and-Paper-Welt braucht man nicht. Das Spiel ist gänzlich ohne Vorwissen verständlich, eben genau wie sein Vorgänger, den man allerdings selbstverständlicher Weise im Vorfeld gespielt haben sollte um der unmittelbar anschließenden Geschichte folgen zu können.

Extrabuttons für Extrafähigkeiten

243200_screenshots_2013-08-28_00011Memoria wäre natürlich nichts ohne die Spezialfähigkeiten, die eine Art Alleinstellungsmerkmal der Reihe darstellen. So konnte Hauptfigur Geron in Teil Numero Uno bestimmte Objekte (storyrelevant) zerbrechen und/oder reparieren. Diese Fähigkeit ist wieder mit dabei und bekommt sogar ein kleines Schwesterchen. Mittels einer magischen Linse kann Geron nun magische Spuren in der Spielwelt erkennen. Das erinnert nicht nur entfernt an die magische Münze aus dem hauseigenen Night of the Rabbit, aber das ist schon okay. Sadje erhält ebenfalls einige Extrabuttons ins Inventar geworfen, allerdings möchte ich an dieser Stelle nur ungern spoilern und verrate nur so viel: Die Macher haben sich wirklich Gedanken gemacht und hauen hier einige gute Ideen raus.

Apropos „Inventar“: Wenn man während der Charakterbewegung das Inventar – sei es durch Betätigen des Mausrads oder Überfliegen des Mauszeigers über einen sensitiven Bereich am unteren Bildschirmrand – öffnet, stoppt die Figur augenblicklich und wartet auf ein neues Kommando. Das muss nicht sein und ist auch gameplaytechnisch nicht nachvollziehbar. Mal eben auf dem Weg schon das zu verwendende Objekt auswählen? Wohl eher nicht. Schade eigentlich.

Fazit

Dennoch ist und bleibt die DSA-Reihe aus dem Hause Daedalic auch mit dem jüngsten Spross Memoria ein durchweg gutes Spiel. Nicht nur, dass es echt fantastisch aussieht (abgesehen… ja, ihr wisst schon), es spielt sich auch wirklich schön. Man ist nicht ständig mit dem Grübeln über schwierige Rätsel beschäftigt, weswegen man die tollen Hintergründe in vollen Zügen genießen kann. Die Story ist ähnlich zauberhaft, wie man es vom neuerweckten Franchise kennt und setzt die Geschichte um den Vogelfänger Geron und seine Feenfreundin adäquat fort. Gerade für Adventureeinsteiger eine absolute Empfehlung, aber auch alteingesessene Rästelfüchse bekommen ordentlich Hirnschmalz für einige aufregende Stunden geliefert.

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Das Schwarze Auge – Memoria was last modified: September 18th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.