Außerirdische im Wilden Westen? Daniel Craig als schießwütiger Cowboy? Der Regisseur von Iron Man? Selten balancierte ein Projekt so zwischen „Awesome“ und „WTF“ wie dieser Film. Holt die Schießeisen raus und drauf auf’s Pferd!

„Cowboys vs. Aliens – kommen da wirklich Aliens drin vor?“ Ein Blick in die Credits verrät, dass Steven Spielberg der Executive Producer ist, also lautet die Antwort wohl: „Scheißt der Papst in den Wald?“ Aber erstmal auf Anfang:

Daniel Craig spielt einen Cowboy, der ohne Gedächtnis inmitten der Wüste aufwacht. Er weiß weder, wer er ist, noch was er da tut. Klingt nach einem typischen Samstagmorgen mit mir, aber der Cowboy findet sehr bald heraus, dass er ein gesuchter Verbrecher ist und wird erstmal eingesperrt. Klingt soweit wirklich nicht schlecht, eben wie ein moderner Western. Ein sehr gut gemachter Western mit überzeugenden Schauspielern. Das hätte wegen mir auch so bleiben können, denn plötzlich hagelt es Laserschüsse vom Himmel und Alienschiffe entführen die Einwohner einer kleinen Goldgräberstadt.

Pew-Pew und Krach-Bumm!

Von nun an fällt der Spaßfaktor des Films exponentiell gen Nullpunkt. Aliens entführen Cowboys um an ihnen herumzudoktorn und ihr Gold zu klauen? Zwar mischt hier Steve Oedekerk (Austin Powers, Kung Pow) beim Storywriting mit, aber das ist wirklich Bockmist. Es hilft nichtmal, dass man Olivia Wilde nackt von hinten sieht. Und es wird immer hanebüchener, denn die Story (ohne etwas verraten zu wollen) wird immer schwachsinniger und immer mehr fliegt in die Luft. Mordende Aliens zerfetzen Cowboys in der Luft und hinterlassen nur eine scharlachrote Wolke wo einst ein unmotivierter Nebendarsteller gestanden hat.

Das ist doch der Pilot aus Episode IV!

Sogar Harrison Ford hat sich überreden lassen, hier mitzuspielen. Ob die Gage der letzten Filme schon verprasst ist? In seiner bekannt liebenswürdigen Art grummelt er den Großteil des Film vor sich hin und lässt sich nur ein Mal kurz zu einem halbseitigen Grinsen (ist sein Signature-Move) hinreißen. Ich dachte, dass der Mann Geschmack hat und sich im Vorfeld die Drehbücher durchliest. Das Script von Cowboys vs. Aliens hätte ich zumindest in der Luft zerfetzt und wäre debil kichernd gen Los Angeles gerannt um den Schreiberling höchstpersönlich dafür zur Rechenschaft zu ziehen.

Meinen vollsten Respekt bekommt wieder der wohl wandlungsfähigste Schauspieler unserer Zeit: Sam Rockwell. Da muss man nichts mehr hinzufügen.

ILM liefert die Effekte für den Streifen. Respekt, ILM-Jungs – froschgesichtige Aliens mit ausfahrbaren Armen, Alienschiffe, die aussehen wie per Angel ins Bild gehalten – das muss man erstmal hinkriegen. Abgesehen davon sind die Effekte akzeptabel gut, hauen also die unterirdische Story und vernachlässigte Erzählweise nicht wieder aus dem Negativ, das sich vor allem mit Ende des Films über den cineastischen Anspruch legt wie ein Facehugger über das Gesicht eines unachtsamen Wissenschaftlers.

FAZIT

Jon Favreau, der Regisseur, liefert uns aber abseits des ganzen Alien-Schmus einen tollen Western, der, wenn er denn ein reinrassiger Western geblieben wäre, sicherlich einer der Topfilme des Jahres geworden wäre. So reicht leider nicht mal in die Top 10. Was für ein Quatsch.

Dieser Film treibt den „Daniel-Craig-kriegt-eins-aufs-Maul“-Counter um ungefähr 25 Zähler nach oben. Sollte den Gesamtpunktestand auf etwa 3,6 Millionen Faustschläge ins Gesicht anheben.

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Cowboys vs. Aliens was last modified: November 29th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.