Freunde des Fantasy-Genres aufgehorcht! Frisches Futter für alle, die gerne mit Schwert und Feuerball bösartige Schergen verkloppen. Wir sagen euch, ob der neue Kracher von Cyanide punkten kann.

[amazon-product]B006ZRIJSM[/amazon-product]Manchmal muss ich mich doch wirklich wundern, was manche Studios sich trauen – da wird ein Tabletop-Game nach dem nächsten in eine digitale Form gepresst, uralte Spielkonzepte ausgegraben und der grafische Standard des Jahrtausendwechsels aufrecht erhalten – und trotzdem kommt was Feines dabei rum. Ob das nun WH40K, D&D oder MagicTG ist – jedes Game hat seine Anhänger, jedes Game verkauft sich besser als das vorherige.

Die Jungs und Mädels von Cyanide Studio haben sich jetzt Confrontation vorgeknöpft. Auch ein Tabletop, auch mit Fans. Man muss bei solchen gewagten Projekten immer das Zugeständnis machen, das eine Digitalisierung eine Herausforderung ist, die nicht jeder meistern kann. Da kann wirklich alles passieren.

Nach dem Start der Kampagne fällt als erstes die Grafik auf – klobige Models mit Matschtexturen, die sich bewegen wie Zombies auf dem Weg zum Hirnbuffet. Ich reibe mir die Augen und kontrolliere die  Grafikeinstellungen. Alles steht auf „Meine Fresse, sieht das geil aus“ (so nennen wir hier die höchste Stufe), sieht aber alles andere als „geil“ aus. Selbst die Umgebung prahlt mit einer Texturierung, auf die George Romero in seiner Blütezeit stolz gewesen wäre. Glücklicherweise schwebt man als Betrachter einige Meter über der Szenerie; und wenn man die Augen etwas zukneift ist alles halb so wild.

Von Sprechern und Metal-Sängern

Okay, Linksklick: Auswählen, Rechtsklick: Aktion. Erinnert Stark an Baldur’s Gate mit besserer Grafik. Und in der Tat – das Prinzip ist das gleiche; die Steuerung beinahe 1:1 übernommen. Lediglich die Story kann nicht so recht überzeugen. Als Laie, was das Tabletop-Game und dessen Geschichte angeht, will der Funke nicht so recht überspringen.

Alles wirkt aufgesetzt; die hakeligen Zwischensequenzen werden mit Pinkeln-Gehen überbrückt. Obwohl die Sprecher hier gut gecastet sind, schlägt einem die Theatralik wie ein Orc-Knüppel ins Gesicht. Kichernd höre ich den übertriebenen Dialoge und die aufgesetzten Monologe, finde das aber irgendwann total gut. Was hingegen nicht funktioniert sind die Aktions-Responses des Hauptcharakters. Dieser klingt, als wäre ihm das Instrumental seines Metal-Tracks geklaut worden, so dass nur noch die Vocals übrig sind – traurige Überreste eines einst wirklich guten Songs, zusammengestutzt auf kehliges, übertrieben akzentuiertes Gebrülle. Meh.

Schalter, Hebel und Konfusion

Das Leveldesign stammt auf den ersten Blick direkt aus der Hölle. Spätestens im zweiten Level ist die größte Herausforderung, sich im Wust der Gänge und Sackgassen zurechtzufinden. Die Gegner, die durch das alte Labor streifen sind hier höchstens lästiges Beiwerk beim Herumirren in den Katakomben.

Wer hier nicht aufgibt wird allerdings in den darauffolgenden Leveln mit einer akzeptabel hübschen Umgebung überrascht, auch entwickelt sich die Story langsam aber sicher zu einer soliden Geschichte, deren Ausgang doch recht erwartungsvoll herbeigesehnt wird – sofern man im Wust von Namen noch den Überblick behält.

Die Menüführung ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Spartanisch gestaltete Screens mit mangelhafter Usability. Hier gilt das gleiche wie für den Plot – wenn man sich daran gewöhnt hat, dann klappt das schon alles, auch wenn man anfangs leicht überfordert und frustriert auf den Bildschirm starrt. Die Kämpfe sind gut gemacht – im Laufe des Spiels werden diese immer bombastischer und technisch ausgereifter. Bitte, bitte: am Anfang nicht den Spaß verlieren – man wird wirklich dafür belohnt!

Fazit

Cyanide bringt mit Confrontation einen soliden RTS/RPG-Titel raus, der (nach einiger Eingewöhnungsphase) wider Erwarten relativ viel Spaß macht und dem Spieler, sofern er sich darauf einlässt, einige Stunden Spielspaß bringt. Die Kämpfe sind fordernd, aber nicht unglaublich schwer. Herausfordernder ist das Leveldesign und die Menüführung – für Fans der alten Schule aber wahrscheinlich überhaupt kein Thema und einer der Toptitel des Jahres. Für alle anderen definitiv ein willkommener Lückenfüller bis Diablo III einschlägt.

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Confrontation was last modified: April 11th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.