Ubisoft haut momentan einen Kracher nach dem anderen raus; ob das nun South Park – The Stick of Truth, Trials Fusion oder das jüngst erschienene Child of Light ist – ich war bisher immer hellauf begeistert.

Ein Spiel wie ein Gedicht

COL_S_1Das Nesthäkchen im Ubi-Kader behandelt die Geschichte um Prinzessin Aurora, die, gefangen in einer Fantasiewelt, wieder den Weg heimwärts suchen muss. Das ist nicht besonders originell, geschweige denn irgendetwas, was in die Nähe der Begrifflichkeit „spannend“ geraten könnte, bietet aber einen adäquaten Plot um Auroras Reise in einem sehr eigenen Stil untermalen zu können. Nicht nur basiert Child of Light auf der bereits bei Rayman Origins und dessen Nachfolger Rayman Legends verwendeten UbiArt-Engine und bringt entsprechend wunderhübsch, handgezeichnete Grafiken mit sich, auch ist so ziemlich jedes Wort in Form eines Mono- oder Dialoges in Reimform verpackt, was den Charakter des interaktiven Märchens unterstreicht. Und ich wäre kein weltbekannter Gangster-Rapper, wenn ich nicht in diesen Tenor einstimmte und den Mittelteil des Reviews ebenfalls gereimt darböte.

Child of Light von Ubisoft, traf mich gänzlich unverhofft,
ein hübsches Spiel mit UbiArt, ist was sich mir hier offenbart.
Der erste Eindruck: vor allen Dingen muss man hier von Plattform zu Plattform springen,
das dies noch nicht alles ist. merke ich, als mir ein Gegner ans Beinkleid pisst.

Denn dann, oh Wunder, eins, zwei, vier, ist’s rundenbasierte Strategier,
fast wohlig wird das Gefühl im Bauch, an meine Kindheit erinnert es mich auch.
Zwar ist die Story großer Rotz, den Hatern spiele ich’s zum Trotz,
und für den Preis von 15 Schleifen, kann man ruhig mal zu-ge-reifen. 

Wow. Ich bin gerade selbst ein wenig gerührt von meiner eigenen Dichtkunst. Und davon, von dem Titel so positiv überrascht worden zu sein. Denn was als 2D-Plattformer mit geliehenen Rayman-Elementen anfängt, wird in den Kämpfen tatsächlich zu einem (sehr oberflächlichen) rundenbasierten RPG-Klopper. Im Gedicht steht zwar „Strategie“, aber was anderen viel mir auf die Schnelle nicht ein. Ist ja auch egal; Ihr wisst schon, was gemeint ist.

Die Mannigfaltigkeit des Reims

COL_S_4Grundsätzlich können Rollenspielfreunde hier so gut wie nichts falsch machen:  Ein leicht verständliches Levelsystem und viele Charaktere mit den verschiedensten Eigenschaften sind die Grundlage für mannigfaltige Playstyles, auch wenn – bei anständigem Leveling – die Kämpfe (und dazu zählt selbst der Fight gegen den Endboss) kaum Anspruch haben, sobald man das Kampfsystem um Slowdowns und Preparations verstanden hat. Die Lernkurve ist anfängergerecht, nicht alleine aufgrund der steten Ingame-Tipps, die regelmäßig eingeblendet werden. Kompliziert ist (zum Glück) anders und hält den Frustfaktor im grünen Bereich.

Ebenfalls im grünen Bereich befindet sich der Fakt, dass sämtliche Achievements und Trophies so gut wie keinen Aufwand erfordern; letztendlich sollte hier alles im ersten Anlauf zu schaffen sein und die knapp 10 Stunden Spielzeit, die bei einer Investition von 15 Euro mit einem New Game Plus ordentlich erweitert werden, müssen nicht mit sinnlosem Suchen oder Grinden verschwendet werden.

COL_S_2Netterweise stellt Ubisoft dem unsicheren, potentiellen Käufer eine Demoversion zur Verfügung, die einen guten Einblick in die Stärken des Spiels ermöglicht. Dass die deutsche Lokalisation ob der konstanten Reimform nicht dazugehört, sollte klar sein, aber wenigstens hätte hier eine fähigere Sprecherin zum Verlesen der Hauptstory gecastet werden können. Hier rollen sich wirklich sämtliche Zehennähe auf; Selten habe ich jemanden gehört, der Reime nicht im reimtypischen Metrum vorliest, sondern wie ein Roboter, der es gerade eilig hat, die Verse runterleiert, als würde niemand zuhören. Aufgrund des seltenen Auftauchens besagter Sprecherin, ist dies aber durchaus zu verkraften und soll an dieser Stelle niemanden davon abhalten, zwei schöne Abende mit Prinzessin Aurora und ihrem Anhang zu verbringen.

Drei Daumen nach oben für eine hübsche, abwechslungsreiche Welt mit kompetentem Scaling und vielen Möglichkeiten des Wiedererlebens!

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Child of Light was last modified: Mai 8th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.