Der Kampf um den besten Militär-Shooter geht in die nächste Runde. Natürlich ist Call of Duty wieder ganz vorne mit dabei. Ein Traum in Camouflage oder doch ein Schuss in den Ofen?

Folgendes fiktives Szenario: Ich war nicht in der Lage, den dritten Weltkrieg zu verhindern, der jetzt überall auf der Welt tobt. Das Ergebnis: Überall wird sich gegenseitig ins Gesicht geballert. Dahinter steckt ein fieser Bösewicht namens Makarov, den es jetzt zu schnappen gilt. Wem das irgendwie bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich den Vorgänger Modern Warfare 2 gespielt – denn die Story knüpft nahtlos an den Erfolgstitel an.

So schlüpft der Spieler in die Rollen von drei verschiedenen Soldaten, die sich durch verschiedenste internationale Kriegsschauplätze kämpfen; Berlin, New York und Paris werden hierbei zu Klump gebombt – kein Stein bleibt auf dem anderen, und der Spieler mittendrin. Die erste Mission bereits bietet eine Schlacht in der Börse der Wall Street mit anschließendem Hubschrauberkampf in den Häuserschluchten der Stadt.

Wer denkt, dass Infinity Ward sein Pulver hier schon verschossen hat, der darf in Mission Nummer zwei ein U-Boot sprengen und anschließend mit dem Schlauchboot durch die explodierende russische Kriegsflotte im New Yorker Hafen preschen und dabei böse Buben mit der Bleischleuder vom Kahn pusten. Freunde von Inception werden bei einem Flugzeugabsturz, der die Szene in komplette Schwerelosigkeit versetzt und einen filmreifen Schußwechsel zur Folge hat, Freudentränen weinen. So geht die Jagd nach dem bösen Buben lustig weiter, während man sich durch die Weltgeschichte schießt.

Eiffelturm? Wo wir hinfahren brauchen wir keinen Eiffelturm!

Das macht nicht nur unglaublich viel Spaß, es sieht auch noch atemberaubend aus. Die aufgebohrte id Tech-Engine der Vorgänger glänzt hier auf der Xbox 360 mit tollem Licht- und Schattenspiel, das die mittelmäßige Geometrie perfekt kaschiert. Man fühlt sich wie in einem interaktiven Michael-Bay-Film, denn beinahe jeder Level liefert Szenen, die den Spieler mit offenem Mund dasitzen lassen und das Weiterspielen fast vergessen wird. Die Sprengung des Eiffelturms (steht übrigens auch auf meiner persönlichen To-Do-Liste) ist nur ein Beispiel für das wirklich geniale Scripting und die massive Action, die Modern Warfare 3 mit sich bringt.

Dabei fällt auch kaum auf, dass die Konsolenfassung keine hochaufgelösten Texturen mit sich bringt; man hat überhaupt keine Zeit, darauf zu achten, denn alle naslang explodiert irgendetwas, jemand wird durch die Luft geschleudert und Kugeln zischen links und rechts am Spieler vorbei. Ein wirklich perfekt inszenierter optischer Leckerbissen, der für das Singleplayererlebnis definitiv den ersten Platz im Kampf der Militärshooter macht.

Die Sprecher sind selbst in der deutschen Fassung super gewählt, ich konnte nicht eine falsche Betonung und unglücklich gewählten Cast ausfindig machen. Was natürlich immer nervt, ist der falsche russische Akzent der Darsteller, aber da kommt man ja nicht drumrum. Sämtliche Soundeffekte sind vom Allerfeinsten; Mündungsfeuer, Einschläge, Explosionen: Top! Wer eine Surroundanlage sein Eigen nennt, wird wirklich mitten ins Geschehen versetzt, denn die Dolby Digital-Umsetzung ist exzellent.

Der Singleplayer-Modus bietet beim einmaligen Durchspielen ca. fünf Stunden Spielspaß, was mit persönlich etwas zu wenig war. Zwar sind diese fünf Stunden vollgepackt mit Action, die keine Langeweile oder Wiederholungen aufkommen lässt, dennoch hatte ich mir etwas mehr erhofft. Dafür fehlt bei MW3 die sonst genretypische Moorhuhn-Action, die so lange Gegnermassen in den Level spawnen lässt, bis man einen bestimmten Punkt erreicht hat. Die Teammates ziehen automatisch mit und verhindern so unerwünschtes Schergenauftreten und sorgen so für ein realistischeres Spielerlebnis.

Wenn der Krieg vorbei ist…

Wer sich im Singleplayer-Modus ordentlich ausgetobt hat, darf sich im Survival-Modus messen. Hier wird der Spieler mit Gegnerwellen konfrontiert, die es zu überleben gilt. Pro Kill gibt es dann Kohle, die gegen neue Waffen eingetauscht werden kann. Das ist zwar ein alter Hut, macht aber trotzdem Spaß, zumal man das Ganze zusammen mit Freunden spielen darf.  Der hohe Wiederspielwert gibt Pluspunkte.

Und wem das alles immer noch nicht reicht, der darf natürlich auch online gegen andere Möchtegernsupersoldaten antreten. Der Online-Unterbau ist dabei wirklich gut programmiert, so dass selbst Spieler mit einer schwachbrüstigen Internetleitung problemlos Multiplayerschlachten bestreiten können. Im Gegensatz zur Konkurrenz wirkt der Multiplayer stark wie ein Arkadespiel- kurze Spawnzeiten und schnelle Aktionen sorgen hierbei aber für kurzweiligen Spaß. Zudem ist MW3 mit einer Mannigfaltigkeit an Spielmodi vollgepackt – jeder Topf findet hier seinen Deckel. Wer gut spielt, wird natürlich belohnt: So erklimmt man die militärische Erfolgsleiter und schaltet nach und nach Waffen und Upgrades frei, die im Mehrspielermodus immense Vorteile bringen können.

Allerdings offenbart die Onlinevariante des Spiels auch die Schwächen der in die Jahre gekommenen Engine. Während das Animationsscripting im Singleplayer wirklich (wirklich!) exzellent wirkt, sind die Bewegungsphasen der Figuren im Multiplayer abgehackt und dem direkten Konkurrenten (dessen Name hier nicht genannt wird) ein paar Jahre hinterher. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn das Leveldesign ist gewohnt stimmig und lässt selbst Neulinge nicht die Orientierung verlieren.

FAZIT

Selten bot ein Shooter eine solche konstante Action. Endlich darf auch die Allgemeinheit erfahren, wie ein arbeitsreicher Tag im Leben von mir aussieht: Terroristen jagen, Frankreich verwüsten und wahllos Militäreigentum in die Luft sprengen. Grafisch wirklich top, grandiose Soundkulisse und eine filmreife Inszenierung – hier kommt keine Langeweile auf! Klare Kaufempfehlung, auch für alle anderen Plattformen!

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Call of Duty: Modern Warfare 3 was last modified: November 17th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.