Durchgeladen und entsichert! Hoffentlich hat jeder ausreichend Munition dabei, denn der Finger bleibt heute auf dem Abzug!

Treyarch fährt wieder die schweren Geschütze auf. Diesmal geht es ins Jahr 2025, irgendetwas ist tierisch schiefgelaufen und der Spieler muss alles wieder gerade biegen. Etwas holprig wird hier an dem Vorgänger angeknüpft, denn nicht nur Alex Mason, Protagonist aus Teil numero uno (der mit den Zahlen im Kopf), ist wieder mit von der Partie, sondern auch sein Sohn David sowie Masons ehemaliger Partner Woods nehmen die Knarren in die Hand und ballern sich durch die verschiedenen Erzählstränge.

Das mag jetzt kompliziert klingen, ist es eigentlich auch. Manchmal wünscht man sich, Morgan Freeman würde auftauchen und erklären, was jetzt eigentlich los ist, und das obwohl Drehhuchautor David S. Goyer mit an Bord des Black Ops-Flagschiffes ist, der immerhin schon für Batman Begins und The Dark Knight Rises mitverantwortlich war. Trent Reznor, der Kerl von Nine Inch Nails, hat am Soundtrack gefrickelt, wobei ich unsicher bin, ob er nicht „nur“ den Titelsong beigesteuert hat. Egal. Viele große Namen, hoffentlich wird der Brei da nicht verdorben.

 

Ein Gewaltporno mit gelegentlichen Interaktionsmöglichkeiten

So sehr sich viele Spieler vor dem Singleplayermodus fürchten und diesen lediglich für einen Gewaltporno mit gelegentlichen Interaktionsmöglichkeiten halten, so sehr freue ich persönlich mich stets am meisten auf genau diesen Teil des Spiels. Ich mag es, den beeinflussenden Mittelpunkt eines interaktiven Actionfilms darzustellen und die absolut gigantische Bildgewalt der Call of Duty-Reihe. Zwar mag die Technik, sprich der antreibende Grafikmotor in Form der etwas in die Jahre gekommenen ID Tech Engine, seinen Höhepunkt bereits vor einiger Zeit gehabt haben, die visuelle Darstellung, die Hollywood oft alt aussehen lässt, negiert die matschigen Texturen und die klobigen Polygonhaufen allerdings in einer Art und Weise, die mir regelmäßig kalte Freudenschauer den Rücken hinunterlaufen lässt. Das war im Vorgänger bereits so, das war bei Modern Warfare 3 bereits so, und das ist auch diesmal wieder so. Beeindruckende Szenen, wie z.B. eine Wingsuithatz durch eine scharfkantige Klippenlandschaft oder auf einem Pferd sitzend Hubschrauber mit einer Bazooka vom Himmel zu holen, treiben den Adrenalinspiegel des Spielers in die Höhe und werden leider viel zu häufig durch moorhuhnartige Ballersequenzen mit stullendummen, endlos spawnenden Dummfick-KI-Gegnern unterbrochen.

Allerdings ist es diesmal sogar möglich – man möchte es kaum glauben – tatsächlich Einfluss auf den Verlauf der Story zu nehmen. So kann der Spieler es schaffen, sechs unterschiedliche Ausgänge der Story zu erleben, wo das schlimmste aller Enden wohl das am einfachsten zu erreichende sein mag. Scheitern ist eben immer schneller erledigt als ein perfektes Rundenende.

Man mag von der erwähnten Story halten, was man möchte – ein absolut episches Meisterwerk in der Historie der Videospiele oder ein gewollter Versuch des gesellschaftskritischen Zeigefingers in Hinblick auf wirtschaftliche Abhängigkeit und den technischen Fortschritt der Waffenindustrie. Ich neige zu Letzterem. Zwar macht es wirklich Spaß, ein Teil der erzählten Geschichte zu sein, doch kann ich mir die ein oder andere Fazialpalmierung nicht verkneifen, obwohl alles sehr dezent und ungewohnt unaufdringlich präsentiert wird und sich der Durchschnittsspieler ohnehin wahrscheinlich nur allzu leicht von der Effekthascherei der Actionsequenzen ablenken lasst.

Erstaunlich abgespeckt präsentieren sich die physischen Dreingaben zum Spiel. Während ein Handbuch völlig fehlt, kann sich der geneigte Käufer nicht einmal an einer Kurzfassung der Handlung auf der Rückseite der Spielhülle orientieren. Dort prangen lediglich drei Worte über relativ nichtssagenden Screenshots: „Kampagne. Multiplayer. Zombies„. Es scheint fast, als wollten die Entwickler nicht darauf hinweisen, dass das Singleplayerkernstück des Titels in sich ein kleines Meisterwerk sein könnte. Aber Zombies gehen sowieso immer, ist also gekauft. Ich bin unsicher welcher Teufel welchen Verantwortlichen geritten hat, solch eine Designvorgabe rauszuhauen. Was ist denn mit den Nichtwissenden, den Nicht-Fanboys? Was ist mit den Spontankäufern und den Eltern, die ihren Kiddies zum bevorstehenden Weihanchtsfest eine Freude machen wollen? Na gut… So betrachtet könnte „hier wird rumgeballert bis sich de Netzhaut ablöst“ einen eher negativen Effekt haben. Aber Zombies gehen schließlich immer, da weiß man, was man bekommt. Zombies eben.
Zombies!

Black Ops und die lebenden Toten gehören ja irgendwie zusammen wie… naja… weiß auch nicht. Sachen eben, die zusammen gehören halt. An dieser Stelle wäre vor einer Woche noch ein fieser Spruch gegen Gronkh gelandet, aber ich hab versprochen, mich zu benehmen. Der Zombie-Modus ist eine Dreingabe zum Multiplayermodus und erlaubt es dem Spieler, einen Survival-Mode gegen exzessiv spawnende Fledderleichen zu spielen, alleine oder im Team. Das kann durchaus Spaß machen, auch wenn einige Mitspieler das Grundprinzip der Verteidigung anscheinend nicht ganz verstanden haben und lieber sterbend auf der Erde herumkrebsen als die durch die Zombies zerstörten Entrance-Points zu reparieren. Blöd. Aber das war ja schon immer so – man gewöhnt sich dran, macht trotzdem Spaß.

Multiplayer

Ja, der Multiplayer-Modus, das Herzstück eines jeden CoD-Teils. Wie eingangs erwähnt wird die Kampage nur allzu gerne missachtet, das Live-Abo verlängert und sich in die bunten Schlachten mit Gegnern aus aller Welt geschmissen. Und auch hier ist BO2 ganz stark: Unzählige Spielmodi, interessante Karten und ein ausgewogenes Level- und Ausrüstungssystem lassen das Spiel zu jeder Zeit fair bleiben, auch wenn Quick Scoping immer noch nicht verboten wurde – ein Unding!

Bemerkenswert (und fast beängstigend) ist die Anzahl der Features, die Treyarch hier reingestopft hat. Selbst alte Hasen könnten erstmal skeptisch gucken, dabei ist jeder Modus wohl durchdacht und hat seine absolute Daseinsberechtigung. Besonders der neue „Multiteam“-Mode hat es in sich. Während die FFA-Variante Spieler auf alles schießen lässt, was sich bewegt, spielen hier bis zu sechs Teams gegeneinander und knallen sich gegenseitig die Birne weg. Somit kommt Black Ops 2 auf insgesamt 19 verschiedene Varianten des Mehrspielerkampfes – ich werd verrückt.

Fazit

Activisions alljährlicher Gewaltporno mit Wackelkamera zur Weihnachtszeit ist objektiv betrachtet ein wirklich gutes Spiel – auch wenn ich im direkten Vergleich zu Modern Warfare 3 etwas enttäuscht bin, setzt die Fortsetzung noch ein paar „Wow!“s und „Oha!“s oben auf den ersten Streich drauf. Nettes Scripting, ein überragender Multiplay-Modus und Zombies bis der Arzt kommt. Pünktlich zum Fest gibt es also wieder Leichen ohne Ende, stundenlangen Ballerspaß im Internet und ein gemeinsames Auflehnen gegen die Invasion der Hirnfresser. Gute Mischung, gutes Spiel.

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Call of Duty: Black Ops 2 was last modified: November 27th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.