Call of Duty®: Advanced Warfare_20141109220547Ich bin ja immer wieder erstaunt darüber, in welchen Ecken ihrer kreativen Köpfe Spieleentwickler kramen, wenn es darum geht, eine möglichst unwahrscheinliche Zukunftsvision in Sachen Wissenschaft und Technik zu erschaffen. In den meisten Fällen kommt da das innere Kind zum Vorschein, dass sich immer schon Jetpacks und Tarnmäntel gewünscht hat und mittels eben dieser Technologien die Welt vor einem Superschurken zu retten. Und da das Privileg des Welt-Rettens natürlich nur den Wenigsten vorbehalten ist, greift der geneigte Superheld in Spe zu Videospielen, die ihm dies ermöglichen.

Call of Duty®: Advanced Warfare_20141109164926Seit dem ersten Auftauchen des PS3-Titels Killzone 3 in der Polit-Serie House of Cards, fragte ich mich, wann Kevin Spacey (respektive: sein Manager) die Chance ergreift und die offensichtlich positive Resonanz aus der Fangemeinde durch tatsächliches Erscheinen in einem Videospiel zu seinem Vorteil nutzen würde. Ich rechnete mit einem Cameo-Auftritt oder – Gott bewahre – einem Spiel zur Serie. Davon – vielen Dank – blieben wir verschont, statt dessen stürzt sich Spacey in einen Motion-Capturing-Anzug und lässt sich für den jüngsten Ableger der Waffenporno-Franchise Call of Duty digitalisieren. Sledgehammer Games gehen hier in die Vollen und bedienen vor allem die Next-Gen- und PC-Version von Advanced Warfare – so der Name des Spiels –  mit der vollen Breitseite an Explosionen, Kugelhagel und … Kevin Spacey eben. Wenn der Kerl kein Kaufgrund ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Call of Duty®: Advanced Warfare_20141105222930Besonders in den Zwischensequenzen sieht das Spiel-Alter-Ego des Hollywoodstars seinem realen Vorbild verblüffend ähnlich. Lediglich die Augen der Spielfigur wirken – wahrscheinlich durch die subjektive Wahrnehmung des Betrachters dadurch, dass man ein fast fotorealistisches Abbild einer realen Person vor sich hat – künstlich und nicht wirklich lebendig. Auch die schauspielerische Leistung Spaceys liegt weit über dem, was die Facial-Animations der Spielengine wiedergeben können. Advanced Warfare kratzt haarscharf an der Ausfahrt zum Uncanny Valley, kriegt aber in der letzten Sekunde wider Erwarten die Kurve und lässt trotz der wunderhübschen Darstellung glücklicherweise den gewohnten Eindruck von puppenhaften Polygonmodellen zurück, die sich zu oft in ihren eigenen Bewegungsloops verzetteln.

Call of Duty®: Advanced Warfare_20141109201049Bewegungsabläufe sind generell das große Manko von CoD. Schon immer gewesen. Und seit dem Wechsel zur Frostbyte-Engine, hängte der direkte Konkurrent EA mit seiner Battlefield-Serie den Shooterkollegen zumindest in dieser Hinsicht deutlich ab, was sich auch offensichtlich bis heute nicht geändert hat. Selbst einfachste Pfade – schnurstracks geradeaus und in eine moderaten Geschwindigkeit – sehen zum Teil aus, als würde eine Marionette ruckartig durch einen Schlauch gezogen. Natürlich übertrieben ausgedrückt. Dass sich im Vergleich zu allen Vorgängern viel getan hat, lässt sich allerdings nicht dementieren. Besonders geskriptete Szenen wirken realistischer und actionreicher, selbst wenn der Actiongehalt im Gros unverständlicherweise – ich schiele hier auf Modern Warfare 3– eher mäßig ausfällt. Dabei bietet der Plot viele Möglichkeiten, „The Big Guns“ auszupacken und entsprechend dimensionierte Explosionen in einem weltweit ausgelegten Umfeld zu produzieren. Allerdings fällt so der Fokus eher auf die Story des Spiels. Die ist zwar vorhersehbar und flach, hält den roten Faden aber konstant fest und driftet selten in unnötige Sideplots ab – Hier schiele ich auf die Black Ops-Serie. Die haben nämlich die Entwickler selbst wahrscheinlich nicht verstanden.

Call of Duty®: Advanced Warfare_20141109203321Die Story um den erschreckend gut aussehenden Jungsoldat Jack Mitchell, der für sein Vaterland (die USA) Südkorea gegen die bösen Nordkoreaner verteidigen soll, eskaliert schnell. Er verliert einen Arm und steht sehr bald unter dem Kommando von Jonathan Irons (gespielt vom eingangs erwähnten Kevin Spacey), der eine mächtige Privatarmee besitzt, die sich – immerhin befinden wir uns im Jahre 2054 – auf die Produktion von äußerst modernen und durchschlagkräftigen Waffen spezialisiert hat. Da Atlas – so der Name der Firma – nicht nur Waffen, sondern auch bionische Prothesen herstellt, ist Mitchell froh, seine verloren geglaubte Extremität ersetzt zu bekommen. Dieser Job als Soldat für Irons, führt Mitchell in äußerst unwirtliche Regionen der Welt und enthüllt bald eine relativ weitreichende Bedrohung, die es zu verhindern gilt. Hierbei steht der Einsatz des sogenannten „Exo-Suits“ im Vordergrund. Eine Art Metallskelett, das dem Träger nicht nur übermenschliche Kräfte verleiht, sondern auch mittels eines Jetpacks, einen Doppelsprung ermöglicht. Die Magnethandschuhe, die sehr stark an die aus Mission Impossible: Ghost Protocol erinnern, müssen glücklicherweise nur spärlich eingesetzt werden, denn das First-Person-Klettern ohne wirklichen Nährwert, ist nicht wirklich das, was man im Allgemeinen unter „Spaß“ versteht. Aber eben erwähnte Jetpacks werten die Möglichkeiten der Kampagne stark auf – Nicht nur kann das Leveldesign dem Verhandensein dieser Technologie angepasst werden, außerdem entstehen hier völlig neue Formen des Playstyles, die mich sehr an meinen eigenen erinnern, den ich mir in der schwerkraftarmen Welt von Borderlands – The Pre-Sequel erarbeitet habe.

Call of Duty®: Advanced Warfare_20141109221153Advanced Warfare ist vollgepackt mit sinnigen Neuerungen und macht den Anschein, als würde es endlich eine neue Richtung abseits von Forced-Walks, Story-Schläuchen und den ewig gleichen Militärshooter-Szenarien einleiten. Vielleicht dient der Titel als Übergang zur nächsten Generation von CoD, vielleicht war es aber auch nur ein positiver Ausrutscher. Black Ops 2, Ghosts,… langsam dachte ich, ein Muster erkannt zu haben, die Call of Duty-Franchise möglichst effektiv gegen die Wand zu fahren, aber es scheint, als hätten sich die Kameraden von Activision durch die Kooperation mit Sledgehammer ein ordentliches Brett angelacht. Nächstes Jahr sehen wir dann weiter. Rein theoretisch wäre ja wieder ein Black Ops-Teil an der Reihe. Hoffentlich nicht.

Gezeigte Screenshots stammen von der PS4-Version

Auch interessant

Call of Duty: Advanced Warfare was last modified: November 26th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.