Über Sommer-Spiele, einen Twin-Stick-Puzzler und falsche Erwartungen.

Ein neuer Sommer, ein neuer Summer of Arcade. Microsoft läutet nun offiziell die warme Jahreszeit ein und präsentiert auch 2013 wieder vier Arcade-Spiele, die den Spieler begeistern und den Umsatz ordentlich ankurbeln sollen. Den Anfang macht Brothers – A Tale of Two Sons von den schwedischen Kollegen der Starbreeze Studios, die ja bereits The Darkness und Assault on Dark Athena als Kerben im Bettpfosten haben.

brothers-1120-01Brothers erzählt die Geschichte – wer hätte es gedacht – von zwei Brüdern, die auf eine Reise gehen um ihren erkrankten Vater zu retten. Dabei kommt der Titel gänzlich ohne Worte oder Dialoge aus; Eine Fantasiesprache (á la Die Sims) macht eine Lokalisation überflüssig. Die Zwischensequenzen sind derart exzellent inszeniert, dass er Spieler sofort weiß, was zu tun ist. Dieses Konzept überträgt sich überraschend eingängig auch auf das Gameplay. Denn die Brüder müssen, ganz im Sinne von ICO, durch eine wirklich wunderhübsche Landschaft (mit fast gemäldeartigen, pastelligen, unglaublich detaillierten Texturen) reisen und von Zeit zu Zeit Rätsel lösen.

Diese Rätsel sind allerdings immer sofort durchschaubar, so dass die wunderbare Atmosphäre nicht getrübt wird. Hier kommt es vielmehr darauf an, die richtige Fingerfertigkeit zu entwickeln, die Brüder durch das Spiel zu lenken. Denn gesteuert werde per Twin-Stick-Eingabe. Sprich: Der große Bruder reagiert auf den linken Stick (und führt Aktionen mit dem linken Trigger aus), der kleine Bruder folgt der Eingabe des rechten Sticks. Klar, dass man da vor allem anfangs ziemlich durcheinander kommt und die Figuren oft in ihren Tod stürzen. Glücklicherweise sind die Speicherpunkte clever gesetzt, so dass man seine Reise fast ununterbrochen fortsetzen kann.

brothers-a-tale-of-two-sonsbrothers01_05Ich gebe zu, dass ich etwas voreingenommen an das Spiel rangegangen bin und den Download in der Annahme startete, ein sehr schnelles, actionbasierteres Spiel Marke Trine vorgesetzt zu kriegen. Jedoch ist Brothers alles andere als ’schnell‘. In höchstem Maße entschleunigt und detailverliebt wie kaum ein zweiter Titel verbreiten die Brüder ein wohliges Gefühl im Bauch, das an alte Videospielzeiten erinnert. Sogar finstere Dungeons haben nichts Bedrohliches an sich, so ruhig und friedlich ist die dennoch sehr lebendige Welt. Viele Pausen entzerren die Stellen, an denen wirklich Aktion gefragt ist, wie ein Märchen rieseln die wunderlichen Geschehnisse auf den Spieler ein. Wirklich toll.

Zugegeben, der Preis von 1200 MS-Points mag anfangs etwas abschrecken, auch die Spielzeit mit circa drei bis vier Stunden erscheint nicht besonders lang. Aber mittlerweile sollten wir an einem Punkt angelangt sein, an dem die reise Spieldauer nichts mehr über den Wert des Spiels aussagen sollte. Im Gegenteil. Diese vier Stunden Brothers sind derart intensiv, da kommt ein Titel mit dem 5-fachen der Netto-Ingame-Zeit oft nicht ran. Wer kein Problem hat, anfängliche Schwierigkeiten in Sachen Bedienung durch verknotete Daumen in Kauf zu nehmen, der sollte unbedingt zuschlagen und sich das Teil laden.

Auch PS3- und PC-User werden später in den Genuss des Titels kommen. Also nur Geduld.

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Brothers – A Tale of Two Sons was last modified: August 7th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.