Endlich geht es wieder nach Pandora, wo die Skags noch wild & die Roboter noch gesprächig sind! Aber kann die zweite Reise überzeugen?

Das Spiel startet, wie schon der erste Teil, mit einem Skag. Und nein ich meine nicht die Outdoor-Marke, sondern das Tier. Für alle die noch immer ein Fragezeichen über dem Kopf haben: „Skags sind große, hundeähnliche Kreaturen, einfach erkennbar durch ihren harten und steinigen Panzer, ihr aggressives Verhalten und ihr Maul mit drei Gebissen.“ Der Skag wird natürlich direkt überfahren und die vier spielbaren Klassen vorgestellt. Das alles wird von einem wunderschönem Song (The Heavy – Short Change Hero) begleitet… aber genug Introspoiler. 

Die Wahl der Waffe

Die Klassen von Borderlands 2

Zur Auswahl stehen der Gunzerker, der Kommandant, die Sirene und Zer0, der Assassine. Wir haben also einen Tank, einen Soldaten, eine Zauberin und einen Ninja – um es mal zu vereinfachen. Jeder dieser Charaktere hat einebesonderen Actionskill und drei Skilltrees die es zu „bepflanzen“ gilt. Das heißt: Ab Level 5 bekommt man für jedes Level einen Skillpunkt, welchen man frei ausgeben darf. Durch die Vielzahl der Skills und die Levelgrenze von 50 hat jeder Spieler die Möglichkeit seinen Wunschcharakter zu spielen. Und genau dieses Skillsystem hebt Borderlands 2 für mich so von den anderen Egoshootern ab. Man hat einfach viel mehr Freiheiten bei der Erstellung und sieht/fühlt den Fortschritt des „Heldens“.

Diese Skilltrees sind nicht das einzige Rollenspielelement von Borderlands 2. Man kann auch kleinere Veränderungen wie die Wahl eines Kopfes und eines Skins für den jeweiligen Charakter vornehmen. Zudem lassen die Bösewichte noch eine Menge Swag fallen – Seien es Waffen, Munition, Granatenmods, Klassenmods, Relikte oder Schilde. Es gibt unglaublich viel zu sammeln und zu entdecken. Es ist für mich einfach ein First-Person-Diablo mit einem ganz eigenen Charme. Und jedes mal denke ich mir: „Ach komm noch ein bisschen! Bestimmt finde ich gleich die Megawaffe die mir gerade noch gefehlt hat“. Genau diese Rollenspielelemente machen Borderlands 2 zu einem meiner Shooterlieblinge.

Ich habe ein Pony aus Diamanten…

Doch worum geht es eigentlich diesmal? Nachdem man im ersten Teil erfolgreich die „tentakelige“ Kammer gefunden und den Weltenzerstörer getötet hat, macht sich auf einmal das Gerücht einer zweiten Kammer breit. Dadurch reisen viele neue Kammerjäger nach Pandora und versuchen ihr Glück. Doch niemand hat mit Handsome Jack gerechnet. Denn der hat mittlerweile die Hyperion Corporation übernommen und sich zum Diktator über Pandora erhoben. Sein einziges Ziel ist es, die Kammer als Erster zu finden und alle rivalisierenden Kammerjäger zu töten, also logischerweise auch den Spieler. Man überlebt also einen Anschlag und wird von Pandoras beliebtestem Plappermaul Claptrap mitten im Schnee gefunden. Und so nimmt das ganze Drama seinen Lauf. Man will sich rächen und nebenbei ganz Pandora retten, also muss man schnell zur einzigen Widerstandsbewegung des gesamten Planeten.

Was auf dem Papier relativ unspektakulär klingt, ist in Wirklichkeit wesentlich lustiger und um einiges spannender als der erste Teil. Denn dem Vorgänger fehlte vor allem ein konstanter Storyfluss und ein ernstzunehmender Bösewicht. Borderlands 2 bietet mit Handsome Jack die Sorte Arschloch, die man gerne immer und immer wieder jagen möchte. Somit macht sich eine Zufriedenheit in einem breit, wenn man es denn endlich geschafft hat. Eine weitere Besonderheit der Story ist das Wiederkehren von (Nicht-)Spielercharaktere des ersten Teils. Ich verrate nicht wie sie wiederkommen, aber sie kommen – und das eindrucksvoller, lustiger und besser denn je. Deswegen alleroberste Pflicht: Den Vorgänger gespielt haben! Nicht nur weil es einfach total toll ist, sondern auch um die Charaktere wiederzuerkennen und doppelte Freude an den vielen Verbesserungen von Borderlands 2 zu haben.

87 Bazillionen Waffen!

Jeder gute Shooter lebt natürlich von seinen Waffen – auch Borderlands 2 macht da keine Ausnahme. Es gibt Raketenwerfer, Pistolen, Revolver, MGs, Shotguns, Snipergewehre und Eridianwaffen. Und um auch hier möglichst kreativ und innovativ zu sein, haben sich die Entwickler ein durchaus geiles System einfallen lassen. Sie werben mit 87 Bazillionen Waffen – nachgezählt habe ich noch nicht, aber ich hatte auch noch keine identische Waffe in der Hand. Wie das möglich ist? Sie haben für jeden Teil einer Waffe eine Menge an Möglichkeiten hergestellt. Das heißt Nachladeffekt, Magazine, Lauf, Körper, Griff und Zusatz werden immer komplett zufällig zusammengesetzt. Das heißt man kann auch einen Raketenwerfer finden, den man nicht normal nachlädt, sondern wie eine Rakete wegwirft und er sich dann einfach in der Hand neu generiert. Ich mein wie geil ist das denn? Vorbei mit den ewig langweiligen Handfeuerwaffen, die einfach ihren Zweck erfüllen. Kreativität braucht das Land. Und durch genau dieses System schafft es Borderlands 2, mich immer wieder in den Sammelwahn zu bekommen, denn wer weiß welche abgefahrene Waffen hinter der nächsten Ecke lauert.

Kommen wir zur nächsten Stärke von Borderlands 2: Es ist einfach unfassbar lustig. Sei es das skurrile Charakterdesign, die Intros der wichtigsten NPCs oder die witzigen Dialoge zwischen allen Protagonisten, man kommt zwischendurch einfach immer wieder zum schmunzeln, welches sogar ins Lachen ausarten kann. Auch die Grafik wurde ein klein wenig aufpoliert und wirkt nun noch einen ticken schöner und schärfer. Es ist zwar kein Battlefield 3, aber wer auf comicartige Grafik á la „Marvel vs Capcom 3“ steht wird sich die Augen blutig schauen. Außerdem ist ein solcher Grafikstyle, zur heutigen Grafikgeilheit der Menschen, wirklich erfrischend und bleibt wohl noch lange nach dem Durchspielen im Gedächtnis hängen. Zumal es auch wieder viele kleine Eastereggs etc. zu bestaunen gibt. Unter anderem gibt es auch eine kleine Region, die dem Indie-Kracher Minecraft gewidmet ist. Wer suchet, der findet!

Bist Du ein richtiger Badass?

87 Bazilionen Waffen

Abseits vom Humor und der Grafik gibt es auch viele kleine Verbesserungen. Das Menü sieht schöner aus, läuft flüssiger und besitzt nun eine Einteilung der Items in Schrott und Favoriten. So lässt sich im Shop alles wesentlich einfacher verkaufen. Die Minimap und die Karte im Allgemeinen fallen übersichtlicher aus. Zudem bekommt man nun für erfolgreiche Herausforderungen (Töte 10 „Skags“ etc.) einen „Badass-Rang“. Beim erreichen eines neuen Rangs erhält man Tokens, welche man für dauerhafte Charakterupgrades ausgeben kann. Diese Upgrades gelten zudem charakterübergreifend, das heißt jeder deiner Charakter besitzt diese Upgrades, ob das nun eine Aufwertung der Schussfrequenz ist oder eine Erhöhung der Schildkapazität. Auch bei den Quests wurde ordentlich geschraubt. So muss man jetzt nicht mehr nur noch eine x-beliebige Anzahl an Gegnern töten, sondern auch mal Waffenarten ausprobieren, neue Namen für eine Gegnerart finden oder 139.377 Steine sammeln. Wie man merkt kommt auch hier der typische Borderlands-2-Humor zum Ausdruck. Und durch diese Vielseitigkeit hatte ich tatsächlich immer die Lust alle Nebenquests zu machen, denn wer weiß was für ein abgefahrener Scheiß einem sonst entgeht.

Und sonst so?

Da aber nicht alles was glänzt Gold ist, hat auch Borderlands 2 negative Seiten. Da wäre zum einem die kleinen unsichtbaren Wände, welche einem des Öfteren daran hindern, auf Objekte zu springen oder eine Abkürzung zu gehen. Meistens bemerkt man so etwas, wenn man nur kurz eine Erhöhung erklimmen will, aber stattdessen muss man einmal rumgehen. Ist alles halb so wild, denn trotz der riesigen Levels und Levelabschnitte gelangt man dank der Sprinten-Taste und der durchdachten Schnellreisefunktion relativ schnell von einem Ende der Welt zum anderen.

Fazit

Im Endeffekt ist und bleibt Borderlands 2 aber ein grandioses Spiel mit einem super Soundtrack, einem klasse Humor und vielen, vielen (vielen!) Waffen. Wer keinen Bock auf den Einheits Militär Egoshooter Brei hat, kann bei Borderlands 2 getrost zugreifen und erhält einen lustigen, durchdachten und brilliant inszenierten Shooter samt Rollenspielelementen und ordentlich Wub-Wub. Ein Must-Have im Spieleregal, denn dem Charme von Borderlands kann niemand entkommen. Besonders im Coop zeigt der Titel seine Stärken, denn mit Freunden ist’s immer noch am Schönsten…!

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Borderlands 2 was last modified: Oktober 11th, 2012 by Dennis Schatteburg

Durchtrainiert, braungebrannt, Hundert Kilo Hantelbank. Kommen wir aber nun zu den Punkten, die mich ausmachen: Lustig, verplant & musikinteressiert. Wenn ich also nicht gerade auf einem Konzert oder einem Festival bin, findet man mich beim Zocken oder bei einem langen Strandspaziergang mit Joe.