Sechs Jahre ist es bereits her, dass Blood Bowl das Licht der PC-Spiele-Welt erblickte. Bereits fast 20 Jahre ist es her, dass die Ursprungsidee aus dem Warhammer-Universum die Tabletop-Spieler der Welt erfreute. Das zweite digitale Installment wandert nun seit kurzer Zeit über die Ladentheken und trägt das FSK-18-Label. Grund genug für mich, Blood Bowl II in die heimische PlayStation 4 zu legen, und das martialische Sportspiel zu begutachten.

Wobei „Sportspiel“ wohl die geringfügig falsche Bezeichnung ist, denn das Fantasy-Football-Spektakel gleich mehr einem Strategiespiel. Rundenweise bewegen beide Parteien ihre Figuren über das mittelalterlich anmutende Spielfeld. Dabei gelten gewisse Regeln, die es ermöglichen, Gegenspieler schachmatt zu setzen und dabei einen Feldspieler nach dem anderen bewusstlos in Gras zu schicken. Einzig das Würfelglück (gepaart mit Faktoren wie Spielerstärke und gewissen Fähigkeiten) stehen einer gekonnten Parade oder einen starken Angriff dabei im Wege. Also ganz im Sinne des Tabletop-Vorbildes sozusagen.

Bei dieser Menge an Schlägereien vergisst man fast, worum es eigentlich geht, nämlich das lederne Ei jenseits der gegnerischen Touchdown-Linie zu tragen. Das gestaltet sich unter den gegebenen Umständen natürlich schwieriger, als gedacht. Und wenn dann auch noch der eigentlich unparteiische Schiedsrichter anfängt, Feldspieler aufs Übelste umzutreten, zweifelt man an der Fairness des Football-Titels. Wobei man – bei aller Unfairness – nie wirklich Probleme bekommt, ein Match zu gewinnen. Gerade die Kampagne ist zu Beginn sehr einfach, da die richtigen Regeln erst im Laufe der Spielserie eingeführt werden um Anfänger nicht zu überfordern. Denn wie man das von so richtig nerdigen RPG-Ablegern kennt, sind die Regelwerke meist dicker als der Bauch eines Bergtrolls.

Vom reinen Spielprinzip unterscheidet die zweite Installation des martialischen Sportfestes also nicht wirklich vom Vorgänger aus dem Jahre 2009. Grafisch allerdings hat sich hier viel getan, auch wenn man die Spieler auf dem Feld immer noch nicht voneinander unterscheiden kann, weder die einzelnen Klassen innerhalb des Teams, noch die Teams untereinander. Zu marginal sind die Unterschiede, die erst ab einer gewissen Zoomstufe, bei der man allerdings völlig den Überblick verliert, sichtbar werden. Dabei quasseln die beiden Kommentatoren, die bereits aus dem ersten Teil bekannt sind, unablässig halbwitzige Sprüche aus dem Off. Das nervt auf Dauer fast noch mehr, als die FIFA-Pfeifen Wolff-Christoph Fuss und Buschi Buschmann im aktuellen Ableger der Fußball-Serie von EA.

Auch das Menü nervt in seiner Unübersichtlichkeit etwas. Alles wirkt sehr einschränkend, als hätte eine intuitive User-Experience keinen Einfluss auf die Kreation des Interfaces genommen. Auch die Bugs, die sich während des Spiels auf die Grafik und das Gameplay auswirkten, lassen Blood Bowl II unfertig und überhastet fertiggestellt aussehen. Natürlich kein Vergleich zu dem jüngst veröffentlichten Tony Hawk’s Pro Skater 5, und auch zu keinem Zeitpunkt wurde hier die Frustgrenze auch nur angekratzt. Dennoch deutlich zu erkennen und mit intensiverer QA definitiv vermeidbar gewesen.

Grundsätzlich macht der Titel schon Spaß, auch wenn man für die Matches etwas Zeit mitbringen muss. Eine schnelle Runde vor dem Abendessen ist also nicht drin. Generell wirkt Blood Bowl II aber eher wie ein aufgebohrter erster Teil, denn viele Features – abgesehen vom optischen Facelift – hat der Titel nicht gewonnen. Dafür aber einige Bugs, Glitches und unlogische Fehler, die mich persönlich aber weniger gestört haben, als der Fakt, dass dieser vermaledeite Schiedsrichter regelmäßig meine Starspieler ausknockt. Das Ab-18-Label ist dabei nicht wirklich gerechtfertigt, trotz aller Brutalität hält sich der Gore- und Blutfaktor stets im Rahmen. Wer nicht unbedingt die knapp 45 Euro Release-Preis (für Konsolen) ausgeben möchte, der kann gerne auch warten, bis Cyanide hier nachgepatcht hat und das Game dann vielleicht sogar etwas günstiger abgreifen.

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Blood Bowl II was last modified: Oktober 3rd, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.