Ab und zu kommt ein Spiel um die Ecke, das man vorher nicht so wirklich auf dem Schirm hatte, von einem Studio, das kaum einer kennt und man wirft eher argwöhnisch einen ersten Blick darauf… Dann schaut man auf die Uhr, stellt fest, dass es drei Uhr morgens ist und die letzten sechs Stunden wirklich schnell vergangen sind, weil man in einen Sog gezogen worden ist. Eine Schlacht folgt auf die andere, man findet immer neue, kleine Details und alles macht Lust auf mehr. Battlefleet Gothic : Armada vom französischen Entwickler Tindalos Interactive ist so ein Spiel. Auch, wenn es nicht direkt im Logo steht, haben wir es hier mit einem waschechten Strategiespiel im Warhammer 40K-Universum zu tun. Battlefleet Gothic, wo es um Weltraumschlachten zwischen den Warhammervölkern ging, gab es vor einigen Jahren nämlich schon einmal als eins der sog. Specialist Games von Games Workshop. Das war eine Reihe von Tabletops, die zwar etwas mit den etablierten Warhammer-Lizenzen zu tun hatten, aber eben nicht direkt. Das Footballspiel Blood Bowl, in dem sich Orks und Elfen in Teams um einen Football kloppen, gehört z.B. auch zu dieser Reihe.

BGA Gameplay 2

FOR THE EMPRAAAH!!!

Aber warum eigentlich Battlefleet Gothic? Benutzen in der imperialen Navy alle zu viel schwarzen Eyeliner und hören nur noch The Cure und Lacrimosa? Mitnichten! Viel mehr handelt es sich um den Gothic-Sektor im Weltraum des 41. Jahrtausends. Der ist einer von vielen Sektoren des inzwischen tausende Welten umfassenden, menschlichen Imperiums unter dem „Schutz“ des unsterblichen Gottimperators, der auf Terra (der Erde) leicht angefault in seinem Thron/Lebenserhaltungsapparat vor sich hin schimmelt. Der Sektor und dessen Hauptstadt Port Maw, eine gigantische Raumstation, liegen am Rande des Imperiums und einladenderweise auch gleich neben einem Dimensionsriss, dem sogenannten „Auge des Schreckens“ oder „Eye of Terror“. Das Auge ist ein Zugang zum Warpraum, wo Dämonen ebenso wie menschliche Kultisten ihr Unwesen treiben und auf hilflose Opfer warten, die sie den vier dunklen Chaosgöttern opfern können.

BGA AbaddonNicht einmal die besten Soldaten und Kämpfer der Menschheit, die Space Marines, sind gegen die Korruption des Chaos vollkommen sicher und so haben sich vor vielen tausend Jahren in einem großen Bruderkrieg die Hälfte aller Legionen der Marines vom Imperium abgespalten und im Auge des Schreckens Zuflucht gefunden… Bis jetzt. Eine riesige Flotte von Raumschiffen der Verräter hat den Warpraum unter dem Kommando des Warlords Abaddon verlassen und startet einen schwarzen Kreuzzug gegen den Gothic Sektor. Außerdem gibt es da natürlich noch Orkpiraten und die arroganten Eldar, die natürlich nicht daran denken, den belagerten Menschen zu helfen. Deswegen liegt es jetzt an den Spielern in Gestalt des neu beförderten Admiral Spire die ganzen monströsen Gegner wieder in die Schranken zu weisen. Soweit ist der Rahmen der Storykampagne, wo wir Schiffe kaufen, ausrüsten, Erfahrung
sammeln und nach und nach immer größere, komplexere Weltraumschlachten schlagen. Vor jeder Mission wird uns als Spieler eine gewisse Punkzahl zugewiesen, wobei jedes Schiff eine bestimmte Punktzahl kostet und so können wir uns unsere ganz eigene Flottenkomposition zusammenstellen. Neben den richtig großen Schlachtschiffen gibt es übrigens auch kleinere Hilfschiffe, die nur einen Bruchteil der großen Kreuzer kosten, aber auch nicht wirklich mitleveln und nur sehr eingeschränkt aufgewertet werden können.

Dabei wird in jeder Mission in ganz klassischer Strategiemanier aus der Draufsicht in Echtzeit gespielt, obwohl es Tzeentch sei dank eine Zeitlupenfunktion gibt. Die ist auch nötig, denn manchmal passieren echt eine Menge Dinge gleichzeitig und jedes Raumschiff möchte gerne einzeln gemanaged, ausgerichtet und gesteuert werden. Ein Kreuzer mit Torpedos im Bug muss etwa ganz anders ausgerichtet werden, als einer mit Plasmakanonen in den Seiten, da der eine direkt auf ein Gegner zielen und seine Salven timen muss und der andere eher feindliche Schiffe umkreist, um Breitseiten zu landen. Diese können übrigens entweder in ihrer Gesamtheit einfach beschossen werden, oder aber wir können uns dafür entscheiden, bestimmte Subsysteme wie Triebwerke oder Schildgeneratoren anzuvisieren und lahmzulegen, was wesentliche effizienter ist. Ansonsten gibt es natürlich noch Minen, Stasisbomben (Halten Gegner in Kraftfeldern gefangen), Teleportation über kurze Distanzen und alle möglichen anderen Skills, die man sich beim Aufleveln aussuchen kann. Als wäre das alles noch nicht genug, kan man auch noch technische Upgrades einbauen, die Crew verbessern und jedem Schiff die Gunst von einer von vier Fraktionen zuweisen. Diese Günste verändern die Funktion eines Schiffes teils grundlegend. Bei den Menschen wären das etwa das Adeptus Mechanicus (Maschinenpriester), die Inquisition, die Imperiale Navy und die Space Marines. Das Adeptus Mechanicus gibt einem etwa mehr Upgradeslots, mit denen man sein Raumschiff über das Maximallevel hinaus aufrüsten kann, während bei den Space Marines eben diese übermenschlichen Kämpfer mitfahren und für besonders mächtige Entermanöver sorgen. Das alles übrigens optisch sehr hübsch, dank Unreal Engine 4.

BGA Chaos

 

Blut für den Blutgott, Zähne für die Zahnfee!!!

Leider gibt es aktuell nur für die Menschen eine richtige Storykampagne, aber die ist dafür gut und stimmig erzählt. Die Sprecher machen alle einen guten Job und Zwischensequenzen gibt es als atmosphärische, handgezeichnete Gemälde, in denen mitunter kleine Animationen eingeflochten sind. Besonders cool: Verliert man eine Mission in der Kampagne, ist die Geschichte nicht automatisch vorbei. Es verschafft dem Gegner nur einen Vorteil, indem z.B. ein wichtiges Artefakt verloren wurde. Eine schöne Idee, die das ganze wesentlich dynamischer macht. In einem richtigen Krieg gewinnt der Gegner halt auch mal und man muss damit leben und weiter machen. Für verlorene Missionen gibt es übrigens auch Erfahrung, um die eigenen Kreuzer aufzurüsten oder neue anzuschaffen, nur eben nicht so viele wie für einen Sieg.

Wer keine Lust darauf hat, immer nur das Imperium zu spielen, sondern auch BGA Orks vs Eldarmal die schnellen Eldar oder die brachialen Panzerpötte der Orks ausprobieren möchte, kann das jederzeit im Multiplayermodus oder in Solo-Skirmishes tun. Hier ist das System eigentlich das gleiche: Spieler schlagen Raumschlachten und ernten Ansehen und Erfahrung für neue Raumschiffe, Upgrades, etc. Jedes Volk spielt sich dabei sehr unterschiedlich. Die Eldar verfügen zum Beispiel nicht über Schilde, können sich dafür aber tarnen und außerdem sind fast alle Waffen im Bug der Schiffe eingebaut. Manövrieren ist hier der Schlüssel zum Sieg, schnell und unsichtbar auf den Gegner zu heizen, Torpedos abfeuern und beidrehen für die nächste Runde. Die Schiffe der Orks sind dagegen mit jeder Menge Kurzstreckenwaffen ausgerüstet und sehr stark gepanzert. Die Boyz mögen keine großen Taktiken, sondern halten mit Volldampf auf den Gegner zu, um ihn zu rammen und dabei ihre Geschütztürme abzufeuern.

Fazit

Wenn es eine Sache gibt, die ich mir für Battlefleet Gothic: Armada gewünscht hätte, dann wäre das mehrere Kampagnen für die anderen Völker, aber angesichts der oben beschriebenen Skirmishes und Multiplayermatches ist das ein eher kleiner Minuspunkt. Es wäre einfach schön gewesen, mal eine andere Story kennen zu lernen, als die der Menschen, wie in den meisten anderen Warhammerspielen, interessant wie die auch ist. Tindalos haben übrigens schon angekündigt, dass sie ihren Titel weiter pflegen werden und es gab auch schon ein Voting in der Community seitens des Entwicklerteams, welche Völker als nächstes in ein Addon sollen. Spitzenreiter waren dabei die hochtechnisierten Tau und die lebenden Insektenschiffe des insektoiden Tyranidenschwarms. Vielleicht gibt es ja dann, ähnlich wie damals im ersten Dawn of War, auch Kampagnen für diese Völker als Addon. Wir werden sehen, aber zum aktuellen Zeitpunkt ist es überhaupt schön zu sehen, dass wir uns auf mehr Content für das beste Strategiespiel im Warhammer 40K-Universum auf dem PC seit langem freuen können.

Auch interessant

Battlefleet Gothic : Armada was last modified: Mai 7th, 2016 by Jan Homrighausen

Mag clevere Videospiele, laute E-Gitarren und gute Bücher. Killt in seiner Freizeit gerne Mutantenhorden, Verbrechersyndikate, gefallene Götter, außerirdische Imperien und allerlei anderes Kroppzeug, das sich nicht benehmen kann. Fantasy- und Sci-Fi-Nerd durch und durch.