So langsam glaube ich, dass sich Telltale so ziemlich jede Lizenz auf dem Planeten schnappen könnte um daraus ein Videospiel zu machen. Von alten Lucas-Arts-Klassikern über Game of Thrones bis hin zu Comics. Sogar ein Videospiel zu einem Videospiel war dabei. Und jetzt hat es Batman erwischt. Seit einigen Tagen darf der Dunkle Ritter in gewohnter Telltale-Manier über den Bildschirm flattern.

Dabei werden Comicfans vollkommen neue Abenteuer erleben dürfen. Das Entwicklerteam sagt: „Es ist eine völlig originelle Geschichte, die keine bereits existierenden Storylines aufgreift. Das Spiel ist unser eigener Beitrag zum Batman-Universum.„, was erstmal alles bedeuten kann. Sobald die ersten Minuten des episodisch erscheinenden Titels durchgelaufen sind ist aber klar, in welche Richtung die Reise geht. Ein kompromissloser Batman, sehr nah an dem, was Hollywood uns in den letzten Jahren so kredenzt hat. Von seinem umfangreichen Arsenal an Gadgets macht er ebenso Gebrauch wie von seinen Fäusten, was im ersten Kapitel auch deutlich spürbar ist. Telltale versucht hier, ordentlich Action zu verbauen, eine Quicktime-Sequenz jagt die nächste, beinahe etwas zu lang wirkt die Schlägerei, die tatsächlich mehrere Minuten in Anspruch nimmt. Dies hilft dem Spieler aber dabei, sich auf langwierige und zeitgleich fast zu einfache Reaktionsspielchen einzustellen.

Denn erst im zweiten Kapitel übernimmt das Telltale-typische Markenzeichen der dialog- und entscheidungslastigen Erzählweise. Wir erfahren im weiteren Spiel, welchen Verlauf die kommenden Episoden haben werden. Denn Carmaine Falcone, seines Zeichens Gangsterboss im schönen Städtchen Gotham tritt auf den Plan. Außerdem scheint Oswald Cobblepot, den man wohl offensichtlich später als den Pinguin erleben wird, etwas Böses im Schilde zu führen. Und als wäre das alles nicht genug, hat Catwoman noch ihre Klauen im Spiel. Keine ruhige Minute also für den Caped Crusader.

So interessant die Story auch innerhalb der insgesamt fünf Episoden werden wird, so große Probleme scheint das Entwicklerteam mal wieder mit der Engine zu haben. Die PS4-Fassung läuft zum Teil wirklich miserabel. Besonders weite Einstellungen nagen hier ordentlich an der Leistung und lassen die Framerate teilweise in den einstelligen Bereich stürzen. Nahaufnahmen von Objekten jagen allerdings mit 60 Frames über den Monitor. Da hatte man nach den Vorgänger fast schon die Hoffnung, alles könnte besser werden, treten die altbekannten Probleme wieder auf. Sehr schade, aber immerhin treten diese Einbrüche nicht in wichtigen Szenen auf, in denen es darauf ankommt, dass der Spieler schnell reagiert.

Bruce Wayne und sein Alter Ego Batman werden von Troy Baker gesprochen, den Menschen, die im Original spielen, unter anderem aus Bioshock Infinite (Booker DeWitt), The Last of Us (Joel), Uncharted 4 (Sam) oder Tales from the Borderlands (Rhys) kennen. Da Telltale nur ein Entwicklerteam hat, das an allen Spielen arbeitet (also auch an Tales from the Borderlands), fiel die Wahl hier einfach: „Wir haben es sehr genossen, mit Troy für Tales from the Borderlands zusammenzuarbeiten. Er ist ein phantastischer und sehr geschätzter Voice Actor. Für BATMAN – The Telltale Series wollten wir wirklich jemanden engagieren, der die Doppelrolle Bruce Wayne/Batman überzeugend spielen kann und Troy war der perfekte Kandidat dafür.

Kein Kevin Conroy also, der als die Stimme des Dunklen Ritters gilt. Objektiv betrachtet macht Baker seine Sache hier allerdings hervorragend und verleiht seiner etwas hölzern animierten Figur ausreichend Charakter und Wiedererkennungswert.

Mein Bitten und Flehen, Batman als das auftreten zu lassen, was er eigentlich ist – ein Detektiv – ist erhört worden. So ermittelt sich die Fledermaus durch einen Schauplatz, muss in rudimentärer Form Beweise analysieren und verknüpfen. Aufregend ist das nicht (ich erinnere hier an Batman – Arkham Origins, das war super!), nimmt die Essenz der Figur allerdings gut auf und vermittelt ein tolles Szenario.

Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, denn der Cliffhanger, der uns hier gewohnterweise dargeboten wird, lässt auf mehr hoffen. Vielleicht wurden bis dahin ja auch die Performanceprobleme gelöst, zu wünschen wäre es den Jungs und Mädels von Telltale, die mal wieder einen großartigen Job gemacht haben. Tolle Sprecher, tolle Musik, interessante Story.

Irgendwann im September geht es dann vielleicht weiter. Dann erscheint auch schon die Season-Pass-Disc, die zum Downloaden und Spielen aller fünf Episoden befähigt, genau wie bei Minecraft – Story Mode.

Auch interessant

Batman – The Telltale Series – Episode 1 was last modified: August 5th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.