Ein Prequel, ein Prequel! Ist der Ursprung der Fledermaus-Saga ein würdiger Erbe?

Kein Zweifel: Alle mögen Batman. Der dunkle Ritter besticht vor allem durch sein prägnantes Emblem, weswegen 14-jährige Mädchen hier besonders gerne in der Kinderabteilung ihres bevorzugten H&M zugreifen um ein T-Shirt mit eben diesem Fledermauszeichen zu erwerben. Und damit auch diese Menschen ein wenig Background zum Caped Crusader bekommen, schiebt Warner Interactive der berüchtigten Arkham-Reihe ein Prequel hinterher, das die Ursprünge von Bruce Waynes Alter Ego beleuchten soll. Und weil die Mädels bei Warner so gut Englisch sprechen, heißt das Ding Batman: Arkham Origins. Klingt logisch.

Gerne erinnere ich mich zurück an vergangene Batman-Games – ob das nun Arkham Asylum mit seinem genialen Hub-System oder das gigantische Arkham City ist – ich hatte stets sehr viel Spaß mit der Reihe, auch wenn mich letztgenannter Titel ob seiner ausufernden Größe vor allem zeitlich etwas überforderte. Tausende (gefühlt!) kleine Nebenmissionen und Collectibles, die mir alleine beim Versuch, sie überhaupt ausfindig zu machen, bereits die Tränen in die Augen trieben. Da stelle ich mir doch einige Fragen: Kann ein Prequel so etwas besser machen? Oder muss ein Nachfolgetitel immer größer, besser, komplizierter sein? Bringt uns Batman: Arkham Origins das ewige „more of the same„? Wenn nicht: Wird eher im Detail geschraubt oder bekommt der Spieler ein komplett neues Spielkonzept vor die Nase gesetzt?

Zwei Discs für doppelten Spaß?

BAO_BatarangHuch! Ich öffne die Spielebox des Xbox-360-Spiels um zwei DVDs darin vorzufinden. Also doch: Größer, unfangreicher, gigantischer? Ich atme erleichtert auf, als ich die Beschriftung der Silberscheiben lese. Disc 1 ist die Spieledisc, Nummer 2 beinhaltet eine ganze Reihe von Sprachfassungen, die zusätzlich zur englischen auf der Konsole installiert werden können, unter anderem auch die deutsche Version. Das finde ich gut – Auch wenn ich spiele in der Regel lieber im englischen Original spiele, ist die deutsche Fassung der Batman-Games doch immer exzellent, was nicht alleine an den herausragenden Sprechern liegt. So leiht wie üblich David Nathan, den man unter anderem als Vertonung von Johnny Depp und Nathan Fillion (in Firefly, bevor Tobias Kluckert, der in Origins den Bane spricht, diesen übernahm) kennt, seine Stimme. Wem das bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich die Dark-Knight-Trilogie gesehen, in der Nathan die deutsche Stimme von Christian Bale ist. Verrückt. Die deutsche Version klingt, besonders in Close-Ups auffallend blechern, was aber dem 5.1-Mix zuzuschreiben ist, denn ansonsten sind kaum Mängel festzustellen. Sämtliche Betonungen sind nahezu fehlerfrei und lassen diese Lokalisation zu einer der besten gehören, die wir in Deutschland haben. Sicher werden lokale Sprachfassungen hierzulande eher stiefmütterlich behandelt, die der Arkham-Reihe gehört zweifelsohne nicht dazu.

50 Millionen Gründe

BAO_E3_AnarkyMolotovEtwas ist faul im Staate Gotham City. Ausgerechnet an Heiligabend geschehen merkwürdige Dinge in der der Fledermaus schutzunterstellen Großstadt: Black Mask, seines Zeichens Superschurke mit exquisitem Kleidungsstil, hetzt Bats acht Kopfgeldjäger auf den Hals. Doch damit nicht genug: Derjenige, der es schafft, dem maskierten Rächer bis Mitternacht den Garaus zu machen, erhält 50 Millionen Dollar. Dabei locken die Schläger Batman selbstverständlich mittels ihrer hauseigenen Gangs aus seiner Bathöhle hinaus indem sie die Stadt in Angst und Schrecken versetzen. Ein gefährliches Spiel, dass der Spieler nur gewinnen kann, indem er die großzügig spendierten Gadgets verwendet, die man bereits aus den Vorgängerspielen kennt.

BAO_October_BatcaveShotDabei haben sich die Entwickler nicht sonderlich viel Mühe gegeben, denn der Großteil der Waffen und Spielzeuge, die dem Rächer zur Verfügung stehen sind exakte Kopien oder kongruent-modifizierte Versionen der Bekannten Tools. Und während ich so darüber nachdenke fällt mir auf: Der Übergang zwischen City und Origins ist fließend. Zwar werden die Statuspunkte des Charakters auf „Null“ gesetzt, dennoch scheint es, als würde vorausgesetzt, dass man die Vorgänger bereits gespielt hat, was aber prinzipiell absolut nicht verkehrt ist. Der Spieler wird direkt ins Geschehen geworfen, bekommt ab dem Einstiegspunkt sehr viel Action innerhalb kürzester Zeit präsentiert. Dabei wird stets darauf geachtet, dass der Spieler nicht überfordert wird, anders als es Teil 2 machte. Jeder Raum gleicht hier einem kleinen Rätsel, das er Ausschalten von Gegnern in bestimmter Reihenfolge und mit bestimmten Gadgets relativ simpel zu lösen ist. Dabei wird bis zum Ende darauf geachtet, dass der Schwierigkeitsgrad aufgrund von übermäßig vielen Nahkämpfen oder exorbitanten Gegnermassen niedrieg gehalten wird.

Kombiniere, Batman!

BAO_October_GCPD_Barb_GordonIch spiele weiter. Der Titel fesselt mich, wie es nicht einmal Arkham City schaffen konnte – und das habe ich fast pausenlos gespielt, denn die Story ist kurzum gut. Zwar erhält man den initialen Plottwist relativ früh, dafür ist der Weg dorthin faszinierend. Denn Origins bringt den Detektiv-Modus in aufgemotzter Form zurück. So schleicht der maskierte Rächer durch Verbrechensschauplätze und rekonstruiert Stück für Stück das Geschehene. Zwar wird der Spieler hier an der Hand geführt, als wäre man in er zweiten Klasse und wüsste nicht, wie man alleine über die Straße geht, trotzdem macht es einen Heidenspaß, zu erkunden, was genau hier passiert ist. Es ist bemerkenswert, auf welcher Metaebene hier gearbeitet wird. Einerseits zeigt Warner Interactive in diesem Prequel die Vorgeschichte zu Batman, andererseits wird sich rückbesonnen auf die Wurzeln des Charakters. Denn Batman ist prizipiell eher der Detektiv als der pathetische Haudrauf, zumindest im ursprünglichen Sinne.

Outro_shot_ (9)Es ist spannend zu sehen, wie die Fledermaus nach und nach den später wohl bekannten Personen begegnet. Zwar merkt man relativ wenig von der jungen Ungestümheit des Protagonisten, die Grundstimmung des Titels ist aber in sich stimmig. Besonders das Setting, das zu Heiligabend angesetzt ist, wird durch die grandiose musikalische Untermalung noch besser, als es ohnehin bereits ist. Bekannte Melodien beider Welten vereinen sich hier miteinander – Weihnachten trifft auf Arkham. Großartig. Auch grafisch muss ich niemandem etwas erzählen. Die Arkham-Reihe ist einfach mit das Beste, was diese Konsolengeneration zu bieten hat. Selbst das fast nicht vorhandene Antialising fällt ob der mannigfaltigen Details kaum auf; das Bump-Mapping und die Shader sind grandios. Auch die Spuren im Schnee, die Batman hinterlässt, faszinieren mich jedes Mal aufs Neue, auch wenn hier keine neue Technik hintersteckt.

Fazit

Alles in allem bin ich maßlos begeistert. Obwohl viele Elemente aus vorherigen Spielen recyclet werden, trifft Warner hier genau den Nerv der Serie; Batman hat sich eingependelt und läuft mit Arkham Origins zur Höchstform auf. Ein perfektes Mittel aus den Vorgängern, ein geniales Setting, eine der besten deutschen Lokalisationen und genau der richtige Umfang in Sachen Nebenmissionen. Zwar könnte für mich nach Arkham Origins die Serie gerne ein Ende finden, aber solche eine etablierte Serie wird Warner nicht sterben lassen. Ich hoffe nur, dass die Fledermaus nicht zu sehr gemolken wird, es wäre sehr schade, jährlich ein Bat-CoD befürchten zu müssen.

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Batman: Arkham Origins was last modified: November 7th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.