Ich war nie ein großer Batgirl-Fan. Die Neuinterpretation, die den Sprung ins Rebirth-Universum schaffte, weckte allerdings mein Interesse. Ich bin nur durch Zufall über die neue Serie rund um Barbara Gordons Alter Ego gestoßen, als ich im Comicladen meines Vertrauens zufällig durch einen Sammelband blätterte. Umgehend packten mich die tollen Zeichnungen, die großartige Farbgebung und die dynamischen Charaktere, so dass ich nicht umher kam, mir auch den Megaband, der der dunklen Ritterin spendiert wurde, anzuschauen.

Insgesamt 11 Ausgaben der amerikanischen Originalserie (Beyond Burnside, September 2016 – Februar 2017, Son of Penguin, März 2017 – Juli 2017) finden ihren Weg in das 288 Seiten starke Kompendium, das kurzerhand „Der Sohn des Pinguins“ genannt wurde, obschon dieser Teil der Geschichte weniger als die Hälfte des Bandes ausmacht. Die Story beginnt nämlich sehr ungewöhnlich, weit abseits von Burnside, wo Batgirl üblicherweise für Recht und Ordnung sorgt. Barbara Gordon ist hier als Rucksacktouristin in Asien unterwegs, wo sie nicht nur einen Jugendfreund trifft, der ordentlich Ärger am Hals hat. Auch Martial-Arts-Kämpfe, Senioren-Superhelden und eine etwas andere Auseinandersetzung mit Poison Ivy stehen auf dem Reiseplan. Mir persönlich gefällt dieser erste Teil wesentlich besser als die weiterführende Story, die Comic-Multitalent Hope Larson sich hier ausgedacht hat. Denn die namensgebende Storyline, die wieder im heimischen Burnside spielt, wirkt stark wie eine auf das Wesentliche heruntergebrochene Folge der britischen Fernsehserie Black Mirror. Während Barbara Gordon nämlich mit dem Sohn des Superschurken Pinguin, Ethan Cobblepot, anbandelt, heckt eben einen teuflischen Plan aus. Seine Firma, die Smartphone-Apps programmiert, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Wie schon erwähnt, ist die erste Hälfte des Heftes um einiges spannender, actionreicher und aufregender. Man merkt auch deutlich den qualitativen Unterschied in den Zeichnungen, als sowohl Koloristen, als auch Penciller gewechselt wurden. So was ist immer schade und nagt ordentlich an der Lesenslust. Die zeitliche Abfolge der Gesamtgeschichte macht durchaus Sinn, damit verbunden auch die Vereinigung aller elf Hefte in einem Megaband, es hätte dem Gesamtgefühl aber nicht geschadet, die beiden Teile der Saga auf zwei einfache Sammelbände aufzuteilen. Das wäre für den Leser zwar im Endeffekt mit Sicherheit teurer geworden (Megaband: 26 Euro, zwei Sammelbände: 26-36 Euro), wäre der Stimmung aber durchaus zuträglich gewesen.

Trotz allen Meckerns ist Hope Larsons Batgirl meine bisherige Lieblingsinkarnation des Charakters. Stark, klug und eigensinnig, typisch Superheld halt. Für Neueinsteiger eine klare Empfehlung.

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Batgirl Megaband #1 was last modified: Oktober 17th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.