Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen relativ hoch waren, als ich meinen Platz im Kino einnahm und die 3D-Brille aus ihrer Folie entfernte. Nicht nur Joss Whedon definierte „unglaublich cool“ mit seiner Comic-Verfilmung des ersten Avengers-Teils (2012) neu, auch so ziemlich alles, was Marvel unter seiner Aufsicht danach auf die Leinwände zaubern ließ, war qualitativ von höchstem Wert. Ob das jetzt Iron Man 3, Thor 2, Captain America 2, oder Guardians of the Galaxy (mein Film 2014) war. Man erkennt klar einen Aufwärtstrend.

Nun also die Fortsetzung der Story des Cinematic Universe der Comicschmiede. Die Latte liegt weit, weit oben, und – um die Spannung aus dem Review zu nehmen – sie wird durch Avengers – Age of Ultron in schier unerreichbare Höhen gehievt. Das muss wohl einer der besten Filme gewesen sein, die ich jemals gesehen habe. Woran das liegt, fasse ich mal zusammen:

1. James Spader

Meine Herren! Mir läuft es immer noch eiskalt den Rücken runter, wenn ich an James Spader (in der Originalversion, nicht in der weichgespülten deutschen Fassung) in der Rolle des Ultron denke. Als regelmäßiger The Blacklist-Gucker (auch in der OV) bin ich ohnehin fasziniert von seiner Art zu sprechen und vor allem von seiner Stimme. Aber was er in Age of Ultron auffährt ist der absolute Oberhammer. Und – keine Ahnung, wie das geschafft wurde – man erkennt ihn sogar in der nonrealen Figur wieder. Die Art, wie sich Ultrons Lippen bewegen, wie er seinen Kopf hält – das ist ganz klar Spader. Leider ein vollkommen unterschätzter Schauspieler. Schnell, einen Oscar! Mag Spader jetzt gar ein zweiter Andy Serkis werden? Dieser scheint es ja mittlerweile vorzuziehen, als reale Person immer mal wieder über die Kinoleinwände der Welt zu laufen, wie auch im neuen Avengers-Streifen als Ulysses Klaw. Somit ist auch der Grundstein für den 2018 erscheinenden Black Panther-Film gelegt.

2. Kampfszenen

Meine Herren, die Zweite! Joss Whedon lässt es ordentlich krachen. Nach einer wirklich unglaublich coolen One-Shot-Introsequenz geht es hier Schlag auf Schlag – im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem der erste Avengers-Teil eine ganze Weile auf B-Movie-Niveau blieb und erst sehr spät Fahrt aufnahm, verschwendet Age of Ultron keine Sekunde und tritt das Gaspedal direkt bis zum Anschlag durch. Captain America wirft ein Moped (hehe), Hulk mäht alles nieder, Iron Man fliegt durchs Bild… wow! Eine gelungene Hommage an Whedons Avengers-Debüt und die One-Shot-Szene im tiefsten Kampftrubel während der Schlacht um New York. Leider kommen solche Szenen für meinen Geschmack viel zu selten vor, wenn es dann aber mal kracht, dann auch richtig – und zwar lange und exzessiv. Und das alles in einer Qualität, bei der ich nur ein einziges Mal daran erinnert wurde, dass das ja nur aus dem Computer kommt. Das war so ein Peter-Jackson-Billig-CGI-Gummimensch-Effekt. Aber sonst? Ich wiederhole mich: wow! Perfekt choreografiert, toll umgesetzt. Whedon scheint sich besonders auf Team-Angriffe zu konzentrieren und haut hier ein Highlight nach dem anderen raus.

3. Captain America

Ich war nie ein besonders großer Fan des Captains. Ein flach geschriebener Propaganda-Charakter mit einem anfangs leider sehr blass spielenden Chris Evans. Mittlerweile hat sich der Mann in Stars and Stripes allerdings gemausert und lässt in Age of Ultron seine Muskeln spielen. Was der Mann da mit seinem Schild anstellt ist wirklich unfassbar. Merkwürdigerweise meine Lieblingsfigur des ganzen Films. Die Rolle, die sonst Robert Downey Jr. als Iron Man im Alleingang getragen hat, macht eine 180-Grad-Wende und wird mit zum nervigsten und überflüssigsten Helden. Also quasi das, was Hawkeye bisher immer war, und zwar in Vorbereitung auf das nächste Highlight: Captain America: Civil War. Gänsehaut!

4. Elizabeth Olsen

Blicken wir den Fakten mal ins Gesicht: Elizabeth Olsen als Scarlet Witch? Großartig! Sogar der falsche Akzent passt – zumindest besser als der ihres Filmzwillings Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson). Selbst bislang leider zu Unrecht unterschätztes Geschwisterkind eines zu Unrecht über alle Maßen berühmtes Zwillingspärchens brilliert die Dame hier wie gewohnt. Tolle Darstellung eines tollen Charakters. Auch Whedons Quicksilver gefällt mir hier wesentlich besser als die am Rande der Lächerlichkeit kratzende Parodie seiner selbst, die Brian Singer in Days of Future Past auf die Menschheit losließ. Auch der Slo-Mo-Effekt des Speedsters erinnert in Age of Ultron eher an Zak Snyders goldene Zeiten als an ein billig Michael-Bay-Surrogat, wie Singer es zitiert.

5. Story

Es scheiden sich ja die Geister, welche Storylines Joss Whedon miteinander hätte verknüpfen können / müssen / sollen. Die Variationen, die er für den vorletzten Film der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe wählte, passen aber gut in den Kontext der vorangegangenen Streifen. Sicher muss man da an manchen Stellen mehr brechen als biegen, um alles in eine passende Form quetschen zu können, dies ist allerdings für solch ein milliardenschweres Mammutprojekt, das viele verschiedene komplexe Storys auf einen gemeinsamen Nenner herunterbrechen muss, unabdingbar. So scheint es beispielsweise nur logisch, dass Tony Stark – und nicht Hank Pym – das Ultron-Programm erschafft. Außerdem reist hier kein Wolverine durch die Zeit und auch Spider-Man schwingt sich nicht durch die Stadt (aus Gründen). Diese und andere Kleinigkeiten summieren sich für den wissenden Comicfan natürlich und häufen sich zu einem untragbaren Turm von Lügen und Unwahrheiten auf. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass das MCU ein eigenes Universum schafft und somit autark existieren kann und muss, darf man sich vielleicht sogar über einige Überraschungen freuen.

Fazit

Ja, ich bin ein Fan. Ja, ich zähle die Tage, bis es weitergeht. Ich zähle die Stunden, bis ich Age of Ultron erneut sehen darf. Ich zähle die Hosen, die ich beim Schauen des Films eingenässt habe. Denn das zweite Installment der Avengers-Reihe haut – pardon my french – so richtig auf die Kacke. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dies wohl einer der besten Filme ist, die ich jemals gesehen habe. Während ich den vergleichsweise „lahmen“ Vorgänger bereits mit der Höchstpunktzahl von fünf Sternen versehen hätte, könnte ich hier mit Sicherheit noch zwei bis drei weitere Sterne auf die Wertung schlagen, denn die OMGWOW-Skala steigt durch die Decke.

Guckt euch den Streifen (ab 23. April 2015) an. Besser wird’s dieses Jahr auf keinen Fall mehr (sorry, Star Wars).

Prädikat: Besonders Arrsome!

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Avengers: Age of Ultron was last modified: April 22nd, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.