Was Mel Gibson als rachsüchtiger Familienvater auf der großen Leinwand verloren hat, lest ihr in der Kritik zum Kracher aus dem Jahre 2010.

Es ist zwar schon etwas länger her, dass Auftrag Rache die deutschen Lichtspielhäuser erfreuen durfte (nämlich im Jahre 2010), allerdings hebe ich mir das beste, wie immer, zum Schluss auf. Auf die Couch geschwungen, die Erwartungen runtergeschraubt und PLAY. Zack. Mel Gibson. Ich dachte, der wäre schon tot? Falsch gedacht – der Kerl ist quicklebendig und geistert mit an grenzlabiler Demenz kratzender Apathie wieder durch Hollywood. Unnötig zu sagen, dass er schon vor über 10 Jahren komplett hätte aufhören sollen, mittelmäßige Filme unter’s Volk zu jubeln. Sein gelangweiltes Schauspiel in Auftrag Rache (Den Namen des Films hat sich übrigens der selbe Kerl ausgedacht, der auch alle Steven Segal-Filme betiteln durfte) lässt allerdings darauf schließen, dass er entweder a.) mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wurde – oder b.) er eigentlich im Wachkoma liegt und von Jim Henson als Marionette umgebaut wurde.

Worum geht’s?

Die Story ist eigentlich schnell erzählt. Alter Cop, Tochter wird umgebracht, Rachefeldzug. Da hat wieder einer tief in der Klischéekiste gekramt.  Find ich nicht weiter tragisch – das Ganze ist allerdings extremst schleppend erzählt, die Dialoge dauern eine gefühlte Ewigkeit, und es kommen mehr Charaktere vor als in einer John Grisham-Verfilmung. Gähn. Dabei hat der Regisseur Martin Campbell einige gute Streifen rausgehauen: Casino Royale zum Beispiel… Na gut.. das „einige gute Streifen“ war gelogen. Das war der einzig erwähnenswerte Film. Alles andere war Schrott. Vertical Limit, GoldenEye, Die Maske des Zorro. Gähn. Buuuh!

Allerdings hat der Film so ein oder zwei echt gute Momente. Ich sag nur „Bäm! Blut spritzt! Körper fliegen durch die Gegend!“ – und das völlig ohne Vorwarnung (ich glaube, man sieht sogar mal Gedärme). Das gibt dicke Pluspunkte in der Bewertung. Alles andere ist blödes Rumgelaber oder trauriges Aus-der-Wäsche-gucken. Bei dem Titel hätte ich echt mehr erwartet.

Es handelt sich bei Auftrag Rache um die typische Jason-Statham-Story. Der kann Leute umbringen ohne Ende, aber man nimmt’s ihm nicht übel. Man jubelt ihm sogar noch zu: „Super Genickbruch! Olé, olé!“ Mel Gibson bekommt höchstens Mitleid, weil er so schön weinerlich gucken kann… Ist fast, als würde man Nicholas Cage bei der Arbeit zusehen. Der guckt auch immer aus der Wäsche, als bekäme er grade sein Gemächt zerdrückt.

Die deutsche Fassung bietet die schlimmste Mel-Gibson-Synchronstimme, die jemals meine empfindlichen Ohren attackierte. Der Typ klingt, als würde er grade kacken, dabei Comichefte lesen und nen Schinkenpfannkuchen essen. Alles gleichzeitig. Das Synchronsprechen macht er so nebenbei. Ist ja auch nicht wichtig. Wer engagiert solche Leute? Einen wirklichen Twist gibt’s nicht. Man weiß von Anfang an, wer der Bösewicht ist und dass der definitiv dran glauben muss. Zwar wird hier nur unmotiviert mal kurz in den Hals geballert, aber tot ist tot. Am Ende wird’s nochmal so unerträglich schmalzig, dass mir die saure Galle hochkommt und ich mir am liebsten meine Augäpfel eigenhändig operativ entfernen lassen möchte, dann gibt’s den Abspann. Vorbei.

Danke.

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Auftrag Rache was last modified: Dezember 21st, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.