Wenn man mich wegen einer Sache kennt, dann deswegen, weil ich ein unglaublich großer Assassin’s Creed-Fan bin. Und Harry Potter. Und Star Wars. Aber halt eben auch AssCreed. Ich bin zwar erst sehr, sehr spät mit Revelations eingestiegen, habe aber seitdem so ziemlich alles gespielt und die verpassten Teile nachgeholt. Und jetzt, in einem Jahr ohne neues Assassin’s Creed, haut Ubisoft die wohl prägendste Reihe als Remaster raus: The Ezio Collection.

Fans wissen sofort, worum es hier geht: Assassin’s Creed II, Brotherhood und Revelations auf einer Disc für Next-Gen-Konsolen! Zu seiner Zeit war die Trilogie um den namensgebenden Assassinen Ezio Autitore da Firenze einfach atemberaubend gut. Die Grafik, das Gameplay, die Atmosphäre, die Sprecher – im Jahre 2009 war die Welt noch in Ordnung. Dass sich die Reihe nach dem desaströs schlechten ersten Teil noch in diesem Ausmaße fangen konnte, finde ich als Fanboy heute natürlich super. Das ist fast wie bei Watch_Dogs und dessen Nachfolger, der dieses Jahr erschien. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ein Unterschied wie Jerusalem und Florenz.

Tolles Spiel, schlecht gealtert

Dabei fällt ab Minute eins auf, wie schlecht Assassin’s Creed II gealtert ist. Trotz höher aufgelöster Texturen sieht das Spiel einfach nur mittelmäßig aus. Geometrie, Beleuchtung, Charaktermodelle; alles wirkt altbacken und irgendwie unfreiwillig witzig. Sobald man dann die ersten Gebäude erklimmen kann, wird klar, wie gut die Änderungen, die AssCreed in den darauffolgenden Jahren (besonders mit Black Flag und später mit Unity) erfahren hat, der Reihe getan haben und wie rückständig und hakelig die Bedienung des Charakters im direkten Vergleich wirkt. Denn das Klettern macht dank unseres kleinen Remaster-Zeitsprungs hier wirklich keinen Spaß mehr. Das kostet leider immer noch so viele Nerven wie damals und lässt mich mehr als ein Mal in den unfreiwilligen Tod stürzen.

Doch wo die Retrobrille, die uns Spiele, die wir lange nicht gespielt haben, in einem besseren Licht erstrahlen lässt, voll zugreift, ist die Story genauso genial wie noch vor Jahren. Denn Ezio ist wahrscheinlich der Charakter mit der stärksten Entwicklung, der je geschrieben wurde. Kein Wunder, hatten die Schreiberlinge der Trilogie ja auch ausreichend Screentime für den Italiener zur Verfügung. Das sind immerhin um die 60 Stunden reine Storyzeit, die auch absolut sinnvoll genutzt werden um quasi das gesamte Leben des Assassinen abbilden zu können. Ezio ist der einzige Protagonist der Serie, der mehr als einen Teil lang den Hauptcharakter mimen durfte, abgesehen von Desmond Miles natürlich.

Verwirrender Einstieg für Neulinge

Wer hier frisch in die Serie einsteigt, wird etwas verwirrt sein, denn der Erzählstrang, der sich in der Gegenwart abspielt, knüpft nahtlos an Assassin’s Creed, also den ersten Teil der Spielereihe an. Ezios Geschichte allerdings wird hier in ihrer Ganzheit wiedergegeben, so dass der Pflichtpart in der Neuzeit weder viel Sinn ergibt, noch besonders spannend sein könnte. Das liegt allerdings verständlicherweise nicht am Remaster, sondern am Spiel selbst. Auch der Fakt, dass der Abschluss der Geschichte um Desmond in einem ebenfalls nicht remasterten Spiel stattfindet, lässt mich befürchten, dass Assassin’s Creed III bald erneut erscheinen wird. Das war im Nachhinein betrachtet ein ganz grausames Spiel. Bitte nicht spielen.

Die Ezio Collection allerdings reift mit jedem Teil weiter. Immer mehr gute Gameplay- und Storyelemente feiern ihren Einzug ins Spiel, das die Grundlage für die später erscheinenden Teile bildet. Die Hakenklinge, die später durch bessere Parkourfähigkeiten ersetzt wurde oder die vielen Minigames beispielsweise. Ob das jetzt die Tower-Defense-Geschichten oder die Assassinen-Missionen und -Herbeirufungen sind – Hier wurden Grundsteine für die kommenden Jahre gesetzt.

Die technischen Neuerungen sind eher „mittel“, da die Polygongeometrie des Spiels sich natürlich nicht verändert hat. Ein paar Textur-Upscales, etwas an der Beleuchtung gedreht und die Frames auf 60 gestellt, fertig. Im Vergleich zu heutigen Standards sind die Sprecher zum Teil wirklich miserabel, wer also vorhat, das Ding nachzuholen, darf die Retro-Brille nicht abnehmen, auch wenn der Erstrelease noch nicht so lange her ist.

Fazit

Ich als – und ich wiederhole mich an dieser Stelle – AssCreed-Fanboy muss das Remaster natürlich spielen. Da führt kein Weg dran vorbei. Zum Nochmal-Spielen und Schlüsselmomente-Erleben taugt die Trilogie allemal, gerade wenn man bereits seine Last-Gen-Konsole zum Fenster reausgetreten hat. Wer hier neu einsteigt muss seine Standards in Sachen Synchro, Grafik und Gameplay etwas runterschrauben, bekommt dann aber eine der besten und konsistentesten Storys in der Geschichte der Videospiele. Darauf kann Ubisoft sehr stolz sein.

Das ganze Paket kriegt man aber Release zum verminderten Preis von circa 45 Euro, was mehr als fair ist. Ein Jahr ohne regelmäßiges Assassin’s Creed muss schließlich irgendwie überbrückt werden.

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Assassin’s Creed – The Ezio Collection was last modified: November 28th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.