Eine weitere Ära geht zu Ende – Ubisoft bringt Ezios letztes Abenteuer auf die heimischen Bildschirme. Ist „Assassin’s Creed: Revelations“ mehr als ein Update oder bleiben die Innovationen auf der Strecke?

Ezio Auditore da Firenze – Meisterassasine und Nachfahre von Altair ibn La-Ahad (dem Protagonisten aus Assassin’s Creed) – ist alt geworden. 12 Jahre zogen seit seinen letzten Abenteuern ins Land – und das sieht man ihm auch an; das Haar ergraut, die Wangen eingefallen. Trotzdem ist er fit wie eh und je, hat das Meucheln und Hüpfen über Hausdächer nicht verlernt.

Worum geht’s überhaupt?

Die Anfangssequenz bietet nach einem wirklich wunderhübschen FMV eine grobe Einführung in die Steuerung, ein Destruction-Derby mit Pferdekutschen und eine Cutscene, die Ezios Ankunft in der neuen Spielwelt zeigt. Dieses Mal geht es nach Konstantinopel (das heutige Istanbul. Hat da jemand in Erdkunde nicht aufgepasst?).

Ezio ist natürlich nicht ohne Grund hier – es gilt, die Schlüssel zu finden, die die Tür zu Altairs geheimer Bibliothek öffnen. Oho, oho, Geheimniskrämerei! Dass das natürlich noch nicht alles war, sollte jedem, der in die unglaublich durchdachten Storylines der Vorgänger reingeschnuppert hat, klar sein. Aber pscht! Selber spielen macht schlau!

Ezio wäre (für Assassin’s Creed-Spieler) natürlich nichts ohne Desmond, der mittlerweile nur noch Hirngemüse ist und im Animus festsitzt. Diese Infos bekommt er von niemand anderem als (oho!) Subjekt 16, der quasi „persönlich“ anwesend ist. So flashbackt Desmond sich durch die neue Story und erlebt selbst auch einiges in seinem neuen digitalen Zuhause.

Futter für Aug‘ und Ohr

Die grafische Umsetzung ist gewohnt erstklassig. Hochauflösend wirkende Texturen, kaum Kantenglättungsbrechreiz und Animationen, die frisch aus dem Motion-Capturing-Studio kommen – ganz großes Frauentennis! AC:R sieht sogar noch um einiges besser aus und läuft noch flüssiger als alleVorgänger. Dazu gesellen sich die exzellenten Dialoge, die vom üblichen Cast, der ebenfalls exzellent agiert, formidabel eingesprochen wurden. Einziger Kritikpunkt: Wenn Ezio Schaden nimmt, klingt er zum Teil wie ein 80-jähriger, der einen fiesen Uppercut in die Magengrube verpasst bekommt. Woher ich weiß wie das klingt? Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!

„Haken oder Klinge?“ – „Ich nehm‘ beides!“

Doch welche Änderungen bietet AC:R? Stupides Rumgehüpfe über Istanbuls Dächer? Weit gefehlt, Mister, denn die Jungs uns Mädels von Ubisoft (die übrigens für dieses Spiel ein halbes Duzend eigene Entwicklerstudios ins Boot geholt haben) haben sich da feine Sachen ausgedacht. Zum einen wird Enzio sehr bald nach seiner Ankunft im osmanischen Reich mit der dort zur Standardausrüstung gehörenden Hakenklinge ausgestattet. Der Name sagt’s: Haken und Klinge in einem, perfekt zum Hochklettern an schwierigen Fassaden oder zum Benutzen von gespannten Leinen als Seilwinde. Sehr, sehr cooles Gerät.

Weiterhin darf sich Ezio nun als Hobbypyrotechniker versuchen, denn selbgebaute Bomben sind immer noch die besten! Ob diese nun Schaden verursachen, den Gegner ablenken oder Passanten aufscheuchen um ein gehöriges Chaos zu verursachen – auf die richtige Mischung kommt es an. Im Spiel verbaute Einführungslevel, die den Einsatz solcher Sprengsätze fordern, führen den Spieler ziemlich unkompliziert an die ganze Sache heran, denn so etwas ist man von der Serie bisher nicht gewohnt.

Wem das an Neuerungen noch nicht genug ist, der darf sich in einem Ingame-Tower-Defense-Spiel auslassen. Ja, wirklich – ich wollte es auch nicht glauben. Gegnerwellen versuchen sich, ihren Weg durch die Straßen Istanbuls zu bahnen; Ezio stellt Bogenschützen und Musketiere auf die Dächer und verteidigt so die Stellung. Macht leider nicht so richtig Spaß und wirkt deutlich deplatziert. Schade.

Wer immer noch Abwechslung braucht, der schickt seine Assasinen, die bestimmte Teile der Stadt kontrollieren können, auf Tour durch den Mittelmeerraum, wo diese an Erfahrung gewinnen können und somit stärker werden, für den Fall, dass man sie dann in der Live-Action mal rufen muss. Klingt doof, ist es eigentlich auch.

Das altbekannte Hütchenspiel

Und wer den Hals immer noch nicht voll hat, für den gibt es noch den Quell unendlichen Spielspaßes: Der Multiplayer-Modus – und der hat es in sich. Zwar gestaltet sich die Suche nach offenen Spielen und/oder Mitspielern mitunter als etwas mühselig, alles in allem geht so ein Match aber recht zügig und kurzweilig von Statten. Aber was genau bietet AC:R dem Mehrspielerfreund?

Die gewohnten Spielmodi aus Assassin’s Creed: Brotherhood wurden um neue Charaktere und Level erweitert, zudem können Spieler nun auch tiefergehende Charakteranpassungen vornehmen – Farbe, Kleidung, Waffen – alles käuflich durch die ingame erspielbare Währung. Der Deathmatch-Modus wurde angepasst und ein CTF-Modus implementiert. Das Spielpinzip verspricht einige unterhaltsame Stunden mit Möchtegernmeuchelmördern aus aller Welt.

Die Uplay-Anbindung ist, wie bei allen Spielen aus dem Hause Ubi, vorzüglich. Punkte erspielen, einlösen, fertig. Der einzige Wermutstropfen ist die Pflicht per einzigartigem Code sein Recht, den Multiplayermodus benutzen zu dürfen, zu erkaufen. Richtig, denn wer sein Spiel gebraucht erwirbt, muss einen neuen Code erwerben (ca. 10 Euro), falls der alte bereits benutzt wurde.

FAZIT

Assassin’s Creed: Revelations überzeugt mich auf ganzer Linie. Ich war nie ein großer Fan der AC-Reihe, zu eintönig war mir das Gameplay. Aber mit dem neuesten Ableger der Saga haben Ubisoft im arrcade-HQ den ganz großen Wurf gelandet. Filmreife Inszenierung, zum Teil gute Neuerungen und nicht zuletzt der vorzügliche Online-Modus liefern ein durchdachtes, intelligentes Spiel mit perfekt recherchiertem Background.

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Assassin’s Creed: Revelations was last modified: November 21st, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.