Als Einstieg zu diesem Review eignet sich ein Auszug aus einer Chat-Unterhaltung mit einem guten Kumpel: „rockig, aber kein AOR-Shice, Modern, aber keine „Nu“-Kacke :) wie WCFYA eben :D„. Mit der kryptischen Abkürzung „WCFYA“ ist natürlich das in meinen mit extremster Subjektivität getränkten Ohren letzte große Werk dieser famosen Band gemeint: We’ve Come For You All. Eine Platte, die Anno 2003 mitten in die Nu-Metal/Metalcore-Welle platzte und den Beweis erbrachte, dass 80er-Metalikonen durchaus in Würde altern können. Genau an dieser Stelle macht For All Kings weiter und hämmert die lauwarme Reunion-Scheibe Worship Music mit links in Grund und Boden. Neben vor Grooves nur so triefenden Riffs (man höre Monster At The End) glänzt das Album vor allem mit einer Sache: Nämlich Goldkehlchen Joey Belladonna. Diesmal wurde die Musik auch mit seiner Stimme im Hinterkopf komponiert, was sich auf ganzer Linie bemerkbar macht. Auch wenn die Texte alle aus der Feder von Stampfmäxchen und Rhythmusgott Scott Ian stammen, hat der bekennende John Lennon-Fan Joey bei der Ausarbeitung der Gesangslinien ganze Arbeit geleistet und katapultiert die John Bush-Ära damit vollends ins Nirvana.

Selbstverständlich gibt’s unter den insgesamt 13 Tracks (mit Interludes) auch saftige Stakkatoattacken, für die Anthrax seit jeher bekannt sind, jedoch liegt der Fokus ganz klar auf den hymnenhaften Refrains und der grandiosen Gitarrenarbeit, was vielen Songs eine fast schon epische Note verleiht. Moderner Heavy Metal eben, ohne Manowar-Pathos oder übertriebene Aggression. Lediglich ein Track, nämlich This Battle Chose Us, fällt meiner Ansicht nach im Vergleich zum Rest etwas ab.

Vocals und Gitarren stehen natürlich im Vordergrund, aber auch die Rhythmussektion lässt keine Wünsche offen. Charlie Benante beackert wie immer ordentlich die Felle und weiß, wann man sich im Sinne eines Songs etwas zurück nehmen sollte. Der Drummer ist nicht umsonst seit jeher neben Scott Ian integraler Bestandteil der Band und auch aus dem Songwriting nicht wegzudenken. Auch Frank Bello lässt am Viersaiter nichts anbrennen; dass der Herr mehr als nur stumpfes Achtel dübeln beherrscht, beweist er direkt im Opener You Gotta Believe, der mit einem lässigen Mittelteil aufwarten kann.

Mit Zero Tolerance schließt ein treibender Thrasher die Platte ab, in dem sich die Band nochmal klar politisch und gesellschaftskritisch positioniert, was angesichts der momentanen Weltlage leider viel zu selten geschieht.

Alles in allem eine überraschende Scheibe, die man dem Big Apple-Fünfer so nur bedingt zugetraut hätte!

Mein persönlicher Anspieltipp: Track 5, Breathing Lightning. Das (zugegeben, nicht grade pompöse) Video gibt’s auf Youtube:

Das Album ist am 26.02.2016 bei Nuclear Blast erschienen und kann z. B. hier oder hier bestellt werden.

 

Photo-Credit: Jimmy Hubbard

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Anthrax – For All Kings was last modified: März 2nd, 2016 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.