Ich erspare euch ausnahmsweise mal meine ellenlange Litanei zum Thema „Das Spiel zum Film“. Verschone euch also mit meiner Zwiegespaltenheit, wenn wieder mal ein solcher Titel das Licht der Videospielwelt erblickt. Verschone euch mit guten und schlechten Beispielen der verschiedenen Franchises, sondern komme direkt zum eigentlichen Review. Weil ich so nett bin. Und gutaussehend.

Zwei Jahre später

9_ASM2 SkydivingKnapp zwei Jahre, nachdem sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zuletzt durch die Häuserschluchten New Yorks schwang (hier unser Review), steht der Nachfolger – passend zum gleichnamigen Kinofilm – in den Verkaufsregalen der Fachhändler: The Amazing Spider-Man 2. Bereits in den ersten Minuten fällt aber auf, dass die Story nicht ganz kongruent zum filmischen Vorbild zu sein scheint, vielmehr spielt man Spideys Ursprung nach, den Tod Onkel Bens und die Suche nach dessen Mörder. Dass dies allerdings nur ein stilistisches Mittel ist, um den Spieler staccatoartig von einer Tutorialstation zur nächsten zu schicken, also die Grundlagen auf mehrschichtigem Wege vermittelt, ist cleverer, als man dies von Beenox, dem verantwortlichen Entwicklerstudio sonst gewohnt ist. Auch wird der Fokus verstärkt auf Spider-Mans Alter Ego Peter Parker gelegt, genau wie Hollywood es vormacht. Das ist – für ein Spidey-Game – ungewohnt, aber keinesfalls das Falscheste, was man machen kann. Nach der Einführung geht es dann weiter – die Story ist allerdings nur an das Leinwandvorbild angelehnt, wahrscheinlich, um keine gravierenden Plottwists zu verraten.

Vorsicht, Hauswand!

14_ASM2_WallSlingingPrinzipiell ist der Nachfolgertitel seinem Vorbild von 2012 aber sehr ähnlich: Der Spieler schwingt sich in gewohnter Manier von Haus zu Haus, klappert dabei die Karte nach Hauptmissionen und Sidequests ab, sammelt dabei Erfahrungspunkte für Upgrades und besiegt Bösewichte von der Stange. Dabei ist das Netzhangeln etwas komplizierter als beim Vorgänger: Wenn ich mich recht erinnere, tauchte die Notwendigkeit des gerichteten Netzauswurfs bereits in früheren Spider-Man-Games auf (Spider-Man – Freund oder Feind), was bedeutet, dass man nicht einfach computergestützt durch den Megaplex hechten kann, sondern sich an den Positionen der Wolkenkratzer orientieren muss und entsprechend die Netzdüsen in die entsprechende Richtung abfeuern muss. Dies verkompliziert die Sache ungemein und nicht selten endet dies mit einer unangenehmen Landung an einer Häuserwand, da die Bewegungsabläufe alles andere als intuitiv sind. Dafür funktioniert das Kampfsystem – auch wenn auf rudimentäre Bestandteile heruntergebrochen – sehr gut, sogar wenn viele Kampftechniken, die Fans der Reihe sicher gerne gesehen hätten, weggekürzt wurden.

12_ASM2_CarnageBeginningsEin weiteres Feature – was ich persönlich aber als redundant betrachte – ist eine Art Beliebtheitssystem, das unmittelbaren Einfluss auf die Gegnerdichte in der offenen Welt hat. Mit der Zeit fällt Spideys Beliebtheit und Polizeitruppen machen Jagd auf den Spinnenmann. Bekämpft man allerdings Kriminelle und erledigt Nebenmissionen, steigt die Popularität. Ein ziemlich billiges Mittel, den Spieler davon abzubringen, lediglich die knapp neun bis zehn Stunden Hauptstory zu spielen, sind die Kampf- und Sammelaufgaben abseits der Kampagne doch relativ öde und ob der murksigen Steuerung ein ziemlicher Schmerz im Po.

Knappe Deadlines, grobe Kellen

2_ASM2-Combat2Obwohl die deutsche Lokalisation außergewöhnlich gut ist, hatte ich beim Spielen konstant das Gefühl, als hätte Beenox eine äußerst knapp bemessene Deadline vorgesetzt bekommen und musste möglichst viel in möglichst kurzer Zeit bewerkstelligen, weswegen Dinge wie Clipping oder Menüdesign merklich minderpriorisiert wurden, ganz besonders im Vergleich zum Vorgänger. Während The Amazing Spider-Man 2012 noch mit durchgestylter Benutzeroberfläche glänzen konnte, sieht der jüngste Spross aus, wie mit der groben Kelle geschnitzt. Selbst die Rückseite der Spieleverpackung lässt mein Designerauge unkontrolliert zucken. Außerdem habe ich das Gefühl, dass auch an der Spielgrafik die Schraube leicht nach links gedreht wurde. Geometrie-Popups, Treppchenbildung und sehr starkes Tearing sind trotz des Cross-Plattforming des Titels kaum akzeptabel.

Die Bosskämpfe gegen bekannte Bösewichte aus der Spider-Man-Welt machen dafür aber sehr viel Spaß; Ob das nun Filmschurke Electro oder Carnage, King Pin sowie Black Cat sind – Der Spaß bleibt trotz vieler Wiederholungen im Spielablauf immer weit oben, auch wenn die Clippingfehler, fehlerhaften Kameraschwenks und fehlinterpretierten Buttonpresses oft ein „What the Fuck!“ auf meine Lippen zaubern. Das frustriert etwas mehr, als es sollte, ist aber – zumindest in meinem Falle – niemals gamebreaking gewesen. Immerhin.

Ja? Nein? Vielleicht?

13_ASM2_ElectroPowerIch kann nur bedingt eine Kaufempfehlung aussprechen. Per se ist The Amazing Spider-Man 2 kein schlechtes Spiel, Einsteiger sollten allerdings lieber zum ersten Teil der Reihe greifen, da hier das eindeutig bessere Spiel geboten wird. Echte Spider-Man-Fans können hier bedenkenlos zugreifen, auch wenn ich 70 Euro als Releasepreis doch etwas übertrieben finde. Dann lieber etwas warten und das Ding für 30 Euro mitnehmen – Hier macht es übrigens kaum einen Unterschied, ob man zur Current- oder Next-Gen-Fassung greift; Grafisch ist hier kaum ein Unterschied zu erkennen.

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The Amazing Spider-Man 2 was last modified: Mai 15th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.