Nicht wundern! ABZÛ ist schon ein wenig länger auf dem Markt. Seit dem 2. August diesen Jahres um genau zu sein. Allerdings hat der Xbox One-Port des Unterwassertitels von Giant Squid etwas auf sich warten lassen, obschon dieser ja fast identisch mit der PC-Fassung sein sollte. Egal. Xbox angeschmissen und rein ins kühle Nass!

Ich habe absichtlich die PS4- und PC-Reviews gemieden, um nichts verraten zu bekommen. Denn die Informationshäppchen die ungefragt in meine Twitter- und Facebooktimelines gespült wurden, verraten meist mehr über Story, Charaktere und Twists, als man gerne hätte, ohne sich das Spiel zu versauen. Hinsichtlich dessen blicke ich auch schon ängstlich gen Kinostart von Rogue One, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte von ABZÛ dreht sich um einen namenlosen Taucher, der durch grafisch karge aber dicht mit Fischen bevölkerte Unterwasserwelt schwimmt. Wer über das Entwicklerstudio Giant Squid bescheid weiß, wird wissen, wer eben jenes gegründet hat. Matt Nava, der für Flower und Journey federführende Art-Director zeichnet sich auch für das nasse Abenteuer, das hierzulande in der digitalen Fassung von 505 Games vertrieben wird, verantwortlich. Allerding, so Nava, sollte ABZÛ nicht ganz so „einsam“ wirken wie Journey, sondern eine lebendige Welt darstellen. Auch wenn ich Journey nie wirklich als „einsam“ empfunden habe, alleine dadurch, dass man immer einen zweiten Spieler als Begleiter zur Seite gestellt bekommt, sprüht ABZÛ im direkten Vergleich geradezu vor Leben.

Die Fauna, die sich in den Gewässern herumtreibt, ballt sich oft zu Schwärmen, die immer wieder von Jägern in einer eigenen Biosphäre durchbrochen werden während ein orchestraler Soundtrack sphärische Klänge durch die Heimkinoboxen auf den Spieler herabrieseln lässt. ABZÛ schafft fast den Transfer vom Spiel zur Erfahrung, denn der Spieler wird weder mit Worten noch mit einer Geschichte durch die Buchten, Tunnel und Wrackteile geleitet. Kleinere Rätsel, die allerdings ohne Schwierigkeiten bewältigt werden können, werden hier als Gameplayelement zusätzlich zum Schwimmen verbaut um den Spieler nicht völlig in der Transzendenz ertrinken zu lassen.

Gegen Ende, nachdem die Entwicklungen im Ozean wirklich mehr als schräg werden, formt sich auch langsam die Silhouette einer Geschichte aus dem scheinbar zufälligen Wust an Begegnungen und Aktionen, die fast so schön ist, wie das Game selbst. Die tollen Farben, die hier mit knackigen 60 Frames aus der Xbox One purzeln, sind ein wahrer Augenschmaus, der mich nach knapp 90 Minuten Spielzeit nach mehr verlangend auf der heimischen Couch zurücklassen. Schade, dass es hier nicht mehr Spiel für’s Geld gibt, und auch der Wiederspielwert von ABZÛ ist leider relativ gering. Die Erfahrung und die lebendige Spielwelt sind den Kauf aber allemal wert.

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ABZÛ was last modified: Dezember 13th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.