Von Zeit zu Zeit stolpere ich über Perlen, die ich bisher nicht so auf dem Schirm hatte. Zuletzt war das beispielsweise Shift Happens, kurz danach flatterte der irrwitzige Heldenspaß 88 Heroes ins Haus. Als großer Freund von völlig abgedrehten Spielen, war ich natürlich direkt an Bord nachdem das erste Footage im Interwebs landete. Man muss dazu sagen, dass die Macher mit der Zahl „88“, die sich als roter Faden durch das ganze Spiel zieht, keinerlei politische Weltansicht verdeutlichen wollen. Lasst euch also davon nicht abschrecken!

Dr. H8 (sprich: „Hate“, also „Hass“ – auch hier ist keine politische Botschaft versteckt!) möchte die Welt erobern / zerstören / was auch immer. Was Bösewichte halt so machen. Gut, dass es noch echte Helden gibt! Leider hatten diese keine Zeit, weswegen ein Team aus 88 völlig unsinnigen Rettern zur Hilfe eilen muss, um Dr. H8 den Garaus zu machen. In insgesamt 88 Leveln, für die man genau 88 Minuten Zeit hat, stehen insgesamt 88 „Helden“ mit einem einzigen Leben zur Verfügung. Ist der Held tot, war es das. Das ist bei manchen Charakteren nicht weiter tragisch, viele der völlig abgedrehten Figuren sterben bereits ca 3 Millisekunden nach dem Start. Das ist wirklich witzig und wirst erst dann frustrierend, wenn man in den sukzessive schwieriger werdenden Leveln immer und immer wieder stirbt und somit Held um Held verliert.

Das Spiel selbst ist erstaunlich eingängig. Selbst wenn viele Helden unterschiedliche Fähigkeiten haben, ist die Grundsteuerung doch immer ähnlich: Laufen, springen, angreifen. Natürlich gibt es auch fliegende Helden wie Batbot (der übrigens mein liebster Held ist), Helden die quasi überhaupt nichts können, Helden die quasi nur einen Pixel groß sind, Helden die vollkommen unsinnige Fähigkeiten haben und Helden die unglaublich schwierig zu kontrollieren sind. Eine bunte Mischung aus Nützlichkeit und vollkommenem Wahnsinn also. Ich will gar nicht wissen, wie die Game-Designer auf diese Ideen gekommen sind. Das Beste daran: Bei den 88 Heroes wird es auf lange Sicht nicht bleiben, denn schon jetzt sind zusätzliche Helden per DLC geplant.

Die Levels sind anfangs relativ leicht, so dass ich selbst beim erstmaligen Spielen dachte: „Wenn das so weitergeht, dann habe ich das Spiel schnell durch.“ Pustekuchen. Denn spätestens ab Level 10 kommt ein Spielgefühl auf, das beinahe an Spelunky erinnert. Denn das Roguelike-Feeling schwingt unterbewusst immer mit, weil man schon wirklich laut flucht, wenn ein ausnahmsweise nützlicher Held das Zeitliche segnet und fortan nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn man ordentlich im Spiel verteilte Münzen sammelt, hat man die Möglichkeit, einen von drei angezeigten Charakteren zurück ins digitale Leben zu rufen. Dabei muss man stets abwägen, ob man riskiert, beim Versuch, die Münzen zu sammeln, zu sterben, oder ob man lieber den sicheren Weg direkt zum Levelausgang wählt. Die 88 Sekunden Zeitlimit pro Level sind dabei vor allem in späteren Runden ein zusätzlicher Faktor, der ordentlich an den Nerven des Spielers knabbert.

Neben dem normalen Kampagnenmodus kann man auch den steinigen Weg wählen. Der „Magnificent 8“-Modus lässt den Spieler insgesamt acht Helden auswählen, mit denen er das gesamte Spiel bestreiten muss. Bei dem Verschnitt, der in der Charakterriege so kreucht und fleucht, ist das sogar schaffbar. Schwieriger wird das aber im Solo-Modus, in dem nur ein Held gewählt werden kann. Ist dieser tot, ist das Spiel vorbei. Ziel hier ist also quasi, so lange wie möglich zu überleben.

Bitmap Bureau haben hier unter distributierender Assistenz durch Rising Star Games einen unglaublich tollen, überraschenden Titel geschaffen, der trotz seiner Einfachheit faszinierend gut ist. Gerade die vielen Lacher, die die zum Teil völlig unsinnigen Helden provozieren, sind das angelegte Geld wert. Jeder Fan von Roguelikes und 2D-Plattformern mit viel Witz, sollte hier zugreifen.

88 Heroes ist ab dem 24. März für PC, Mac, Linux, PS4 und Xbox One erhältlich.

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88 Heroes was last modified: März 23rd, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.