Kerl geht Klettern, Felsen fällt auf Hand, kein Mensch in der Nähe im ihn zu befreien. Die alte Leier oder die Neuerfindung des Rades?

Mal unter uns Pastorentöchtern: James Franco (kennt man aus „Spider-Man“) ist ein Schmierlappen. Ein eklig-schleimiger halbrasierter Affe, der sich durch die Filmlandschaft windet wie Durchfall an der Klowand von McDonald’s in Castrop-Rauxel. Den will man sich freiwillig nicht 90 Minuten anschauen. Er ist der Hauptgrund, warum ich „127 Hours“ etwas vor mir hergeschoben habe. Er und die Story, die fast noch eintöniger ist als das Mimikspiel von Johnny Depp. Irgendein Kerl (James Franco) geht klettern. Doch es kommt wie es kommen muss: Ein Felsen fällt auf seine Hand (Oh Schreck!) und der Kerl kommt nicht mehr vom Fleck. Natürlich befindet sich der Kerl in der Pampa von Utah, damit auch wirklich niemand vorbeikommen kann um ihm zu helfen.

Die Story bietet vom Grundsatz her schon keinen Nährboden für einfallsreiche Spannung. Letztlich fragt man sich nur: Überlebt der Kerl? Oder nicht? Da es sich hier um James Franco handelt, drückt man natürlich die Daumen, dass er qualvoll von Insekten angeknabbert und letztlich lebendig von Krähen und Geiern vollständig verspeist wird. Doch, ohne etwas verraten zu wollen: So kam es leider nicht.

Überraschenderweise ist der Film von Anfang an super gemacht. Splitscreen-Einstellungen, Steady-Cam-Jagden, Extreme Close-Ups in einer HD-Qualität, die einfach unbeschreiblich gut ist. Das Spiel mit Bild und Ton: Atemberaubend. Es wird lustig, eklig, spannend, traurig – alles genial umgesetzt. Hätte ich nicht erwartet. Selbst James Franco ist erstaunlich authentisch. Manchmal ein bisschen over-the-top, allerdings fügt sich das nahtlos in die perfekt inszenierte Charakterentwicklung und die psychedelische Abwärtsspirale seines Verstandes ein. Beeindruckend. Man fühlt wirklich mit, in was für einer miesen Lage sich der etwas übereifrige Kletterjunge befindet.

Dies liegt aber, meines Erachtens, zum Großteil am außerordentlichen Talent von Regisseur Danny Boyle. Der Kerl hat’s echt drauf, beklemmende Situationen zu erzeugen und die Emotionen des Akteurs auf den Zuschauer zu übertragen. Von ihm stammen Brecher wie „Trainspotting“, „The Beach“ und „Slumdog Millionaire“. Guter Mann. Aus der Story war aber leider nicht mehr zu machen, da wohl alles auf einer „wahren Begebenheit“ beruht. Trotzdem sehr, sehr gut umgesetzt. Absolut sehenswert.

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127 Hours was last modified: Juli 15th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.